Die Hamas in Gaza müsse beseitigt werden: Das war eines der zentralen Kriegsziele Israels nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023. Mehr als zwei Jahre und einem verheerenden Krieg mit Zehntausenden getöteten Zivilisten zeigt sich, dass die Hamas in Gaza zwar geschwächt und ihre Führung dezimiert wurde – doch von einer Beseitigung der Terrorgruppe kann keine Rede sein.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Hamas hält auch weiterhin die Kontrolle über jene Hälfte des Gazastreifens, in dem Israels Militär nicht präsent ist. Und nicht nur das: Auch in Teilen jener Gebiete, die von Israel kontrolliert werden, ist der bewaffnete Flügel der Hamas weiter aktiv. Laut Schätzungen halten derzeit rund 200 Hamas-Kämpfer im Tunnelsystem unter Rafah die Stellung.
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Stärke der Hamas: Israel hält sich bedeckt
Wie stark die Hamas in Gaza heute ist, darüber hält sich Israels Militär bedeckt. Die Zahl der getöteten Kämpfer wurde seit langem nicht aktualisiert – und es ist schwer einzuschätzen, wie viele neue Kämpfer seither rekrutiert werden konnten.
Die Erfolgsbilanz der Armee bleibt vage: „Die Hamas ist nicht die Hamas, die sie vor zwei Jahren war“, sagte Israels Armeesprecher zu Beginn der Waffenruhe. „Überall, wo wir sie bekämpft haben, ist sie geschlagen.“
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Massaker vom 7. Oktober 2023: Zu so etwas wäre die Hamas heute nicht mehr fähig
Allerdings mussten die Streitkräfte ihre Erfolgsmeldungen in diesem Krieg schon des Öfteren nachträglich korrigieren. Mehrere Städte und Camps, etwa Rafah und Jabaliya, waren etwa als „von der Hamas befreit“ eingeschätzt worden – doch mehrere Monate später musste die Armee erneut zurückkehren, um die lokalen Bataillone der Terrorgruppe erneut zu bekämpfen.
Fest steht: Ein Massaker ähnlich jenem vom 7. Oktober 2023 wäre heute unmöglich. Das Raketenarsenal ist dezimiert, die Kommandostruktur ist fragmentiert.
Die Terrorgruppe sei heute so stark geschwächt, dass sie „für Israel keine Existenzbedrohung mehr darstellt“, sagt Oded Ailam, Forscher am Jerusalemer Zentrum für Sicherheit und Auswärtige Angelegenheiten (JCFA). Vor dem Krieg war die Hamas eine professionelle Armee, sagt Ailam – heute hingegen könne man nur noch von „einer Miliz ohne klare Führung“ sprechen. Dennoch könne man nicht verleugnen, dass die Hamas „weiter die Kontrolle über die Menschen von Gaza behält“.

Unklarheit über Hamas-Führung erschwert Israels Kriegsziel
Hat Israels Armee also ihr Kriegsziel, die Hamas in Gaza zu eliminieren, verfehlt?
Ailam, früher Kopf der Einheit für Terrorismusabwehr im israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad, sieht es differenziert: Das Ziel sei „noch nicht erreicht“, sagt er. Die Chance dafür sei aber weiterhin gegeben. Wie viele Kämpfer die Hamas in Gaza noch hält und wie viele seit der Waffenruhe rekrutiert werden konnten, ist nicht zuverlässig zu beantworten. „Es ist auch sehr schwer einzuschätzen, wer derzeit wirklich das Sagen hat“, meint Ailam.

Der Kampf, den die Hamas heute führt, sei ein Kampf ums eigene Überleben, sagt Ailam. Das oberste Ziel der Terrorgruppe ist daher, einen substanziellen Teil jener Waffen zu behalten, den sie dafür brauchen, Rivalen in Gaza zu bekämpfen und sich gegen Racheakte zu verteidigen. Laut unbestätigten Berichten soll es zwischen den USA und der Hamas eine Einigung geben, dass die Terrorgruppe im Zuge des Trump-Deals nur einen Teil des Waffenarsenals abgeben muss: Raketenbestände müssten vernichtet werden, persönliche Waffen – Gewehre, Granaten – könnten weiterhin in den Händen der Kämpfer bleiben.
Hamas: Früherer Mossad-Agent sieht „keine Stabilität für Gaza“
Wenn die Hamas diese Waffen erfolgreich dazu benutzt, ihre politische Macht in Gaza abzusichern, dann stellt sich die Frage, wie es gelingen soll, eine alternative Führung aufzubauen – denn das sieht der Trump-Plan für Gaza vor. Die Unterstützer des Plans, unter anderem reiche Golfstaaten, werden ihre Investitionen in den Wiederaufbau so lange zurückhalten, wie die Hamas weiter die Hälfte Gazas regiert.
„Ich sehe in naher Zukunft keine Stabilität in Gaza“, sagt Ailam. Viel wahrscheinlicher sei „ein gewisses Maß an Chaos, wie wir das in Somalia, Libyen oder Syrien gesehen haben“. Der Krieg habe ein Machtvakuum geschaffen, und die Hamas profitiere davon. Der Experte sieht die Lage dennoch nicht als ausweglos. „In manchen Situationen kann Chaos auch der Ausgangspunkt für eine neue Lösung sein.“
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Die Hamas in Gaza stehe an ihrem Tiefpunkt seit der Machtübernahme in Gaza angelangt. Nun gelte es darum, alternative Kräfte zu stärken und eine neue Führung aufzubauen - mit gemäßigten palästinensischen Kräften aus Gaza, meint der Experte. Wer könnten diese Kräfte sein, die das Vakuum füllen, in dem sich die Hamas heute breit macht? „Das ist die Millionenfrage“, sagt Ailam.
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Internationale Gruppe soll Kontrolle im Gazastreifen übernehmen
Trumps Plan sieht vor, dass eine internationale Stabilisierungsgruppe die Kontrolle in jenen Gebieten übernimmt, die heute in den Händen der Hamas sind. Ailam hält das für völlig unrealistisch. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Ahmed aus den Emiraten durch die Straßen von Shujaiyya (ein Viertel in Gaza-Stadt, Anm.) rennt und der Hamas nachjagt“, sagt Ailam. „Das ist eine Traumwelt.“
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Jede Art quasi-kolonialer Führung würde von den Menschen in Gaza abgelehnt werden – somit auch der sogenannte „Friedensrat“ von Donald Trump, der die politische Führung übergangsweise übernehmen soll.
Als „sehr komplexe Aufgabe“ sieht auch Ohad Merlin vom Institut „Mind Israel“ die Machtablöse der Hamas in Gaza. „Es wird sehr schwierig werden, die Hamas davon abzubringen, sich auf irgendeine Weise an der Führung in Gaza zu beteiligen“, sagt Merlin. „Aber es ist einen Versuch wert, und wir sollten nicht von Anfang an aufgeben.“









