„Ich zittere vor Angst“, sagt Einav Zangauker. Seit bald zwei Jahren ist ihr Sohn Matan in der Gewalt der Terroristen in Gaza. Sie weiß, dass es ihm gesundheitlich sehr schlecht geht, dass jeder Tag sein letzter sein könnte. Sie setzt all ihre Hoffnung auf einen neuen Geisel-Deal zwischen Israel und der Hamas – doch seit dem israelischen Militärschlag auf die Hamas-Führung in der katarischen Hauptstadt Doha ist diese Hoffnung ernüchtert.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Am 7. Oktober 2023 haben die Terroristen 251 Menschen aus Israel verschleppt. Unter ihnen Matan, der mit seiner Freundin Ilana Gritzewsky aus seinem Haus im Kibbutz Nir Oz im Süden Israels entführt wurde. Gritzewsky wurde am 30. November 2023 im Rahmen eines vorübergehenden Waffenstillstandsabkommens zwischen der Hamas und Israel freigelassen. Damals war Einav Zangauker überzeugt, dass in einem weiteren solchen Abkommen auch ihr Sohn freikommen würde. Doch seither sind 22 Monate vergangen. Zwar gab es zu Beginn dieses Jahres ein neues Abkommen, in dem auch Matan hätte freikommen sollen – doch Israel brach das Abkommen und setzte den Krieg in Gaza fort.
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Israel: Geisel-Mutter macht Netanjahu schwere Vorwürfe
Seither sind mehrere Verhandlungsrunden zwischen Israel und der Hamas ergebnislos geblieben. Die Vermittler – Katar, Ägypten und die USA – gaben dennoch nicht auf. Erst vor kurzem haben die USA einen neuen Vorschlag für einen Austausch von Geiseln gegen palästinensische Gefangene vorgelegt. Die Hamas trat am Dienstag in Doha zusammen, um über den Entwurf zu beraten. Doch genau da schlugen die israelischen Raketen in jenes Gebäude ein, in dem die Sitzung der Hamas-Führer stattfinden sollte. Mindestens sechs Personen wurden getötet – ob sich darunter auch führende Hamas-Männer befanden, ist nicht geklärt.
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Einav Zangauker ist fassungslos über den Schlag in Katar. „Es könnte sein, dass der Ministerpräsident (Benjamin Netanjahu,Anm.) genau in jenem Moment meinen Matan getötet hat, sein Schicksal besiegelt hat“, sagt sie. Sie macht Netanjahu schwere Vorwürfe.
„Wer immer sich dafür entscheidet, das Leben meines Matan absichtlich zu gefährden, der begeht Mord an ihm.“

Israels Schlag gegen Hamas: Strategiewechsel der Regierung?
Die offiziellen Reaktionen aus Katar geben der Mutter der Geisel Recht. Katars Premierminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al Thani sagte am Mittwoch, Netanjahu „hat mit seinem Handeln jede Hoffnung für diese Geiseln zunichtegemacht“.
„Ich habe mich am Morgen des Angriffs mit einer der Familien der Geiseln getroffen“, sagte Scheich Mohammed in einem Interview mit CNN. „Sie zählen auf diese Vermittlung (zum Waffenstillstand, Anm.), sie haben keine andere Hoffnung.“
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Der Schlag in Katar kommt einem Strategiewechsel der israelischen Armee im Krieg gegen die Hamas gleich. Bisher hatte Israel sich auf die Terroristen in Gaza konzentriert und die Hamas-Führung im Ausland verschont – mit einer Ausnahme: Politbüro-Chef Ismail Haniyeh wurde am 31. Juli 2024 in der iranischen Hauptstadt Teheran getötet.
Israel stößt Verbündete vor den Kopf
Nun ändert sich diese Strategie. Israel geht jetzt auch gegen die führenden Hamas-Kommandanten in Katar vor – und stößt damit viele seiner Verbündeten, darunter auch Deutschland, vor den Kopf. Netanjahu verteidigt sich gegen die Kritik aus dem Ausland. „Wir tun genau das, was Amerika getan hat, als es die Al-Kaida-Terroristen in Afghanistan verfolgt und danach Osama bin Laden in Pakistan getötet hat“, sagte er in einem Video in englischer Sprache. Der Regierungschef fordert Katar auf, die Hamas-Führung auszuweisen oder vor Gericht zu stellen. „Wenn ihr es nicht tut, dann tun wir es“, drohte Netanjahu in seiner Videobotschaft.
Während die Verhandlungen über einen neuen Geisel-Deal infolge des israelischen Schlags in Doha auf Eis liegen, warnen Militärexperten, dass die Geiseln in Gaza noch aus einem anderen Grund in akuter Gefahr sind: Israels Armee rückt in Gaza-Stadt vor – ausgerechnet dorthin, wo viele der Geiseln vermutet werden.
Die Armeeführung hatte Netanjahu gewarnt, dass die Expansion in Gaza-Stadt das Leben der Geiseln gefährden würde. Doch Israels Regierung hat diese Bedenken ausgeschlagen und den Befehl zur Offensive erteilt.
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Geisel Matan Zangauker: Mutter appelliert, den Krieg „endlich zu beenden“
Bei den Familien der Geiseln stößt das auf Unverständnis und Zorn. Schließlich hatte die Hamas mehrfach angekündigt, sie werde Geiseln hinrichten, wenn israelische Truppen sich den Gebieten nähern, in denen sie festgehalten werden. Das geschah vor einem Jahr, als sich die israelischen Truppen in Rafah aufhielten und jenem Tunnel näherten, in dem die sechs Geiseln Hersh Goldberg-Polin, Eden Yerushalmi, Carmel Gat, Almog Sarusi, Alexander Lobanov und Ori Danino festgehalten wurden. Die Leichen der jungen Israelis wurden wenige Tage nach ihrer Hinrichtung gefunden. Eine Obduktion ergab, dass sie aus nächster Nähe erschossen worden waren.
Dasselbe Schicksal könnte auch ihrem Sohn Matan drohen, fürchtet Einav Zangauker. Die Hamas hatte im Juni genau das angedroht. „Wir haben sein (Zangaukers, Anm.) Leben zwanzig Monate lang geschützt. Sollte dieser Gefangene bei einem Befreiungsversuch sterben, ist die Besatzungsarmee für seinen Tod verantwortlich“, drohte ein Sprecher des militärischen Flügels der Hamas. In einer Fotoaufnahme von Matan Zangauker, die ebenfalls von Beginn Juni stammen soll, sieht man den 25-jährigen Israeli in einem düsteren Raum, vermutlich einem unterirdischen Tunnel der Hamas, stark abgemagert und blass. An einer Wand im Hintergrund ist ein Infusionsbeutel zu sehen. „Matans Leben hängt in der Luft“, sagt Einav Zangauker. „Beendet diesen Krieg doch endlich und bringt alle zurück nach Hause.“







