Es ist ein Anzug geworden – oder zumindest so etwas in der Art. Die Kleiderwahl von Wolodymyr Selenskyj bei seinem jüngsten Treffen mit US-Präsident Donald Trump sorgte für Scherze im Weißen Haus; auch der ukrainische Präsident löste mit einem Konter auf eine Journalistenfrage schallendes Gelächter im Oval Office aus. Der ukrainische Präsident trug ein schwarzes Hemd, dazu eine schwarze Hose sowie ein schwarzes Jackett, das noch am ehesten an den so oft getragenen Militärlook erinnert, als dass es Eleganz versprüht. Ein Anzug-Verschnitt als Zeichen?

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Denn Selenskyjs Kleidung sorgt immer wieder für Gesprächsstoff: Seit Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine ist der Politiker vor allem für seine Militärpullover und T-Shirts in Tarnfarben bekannt. Auch zu hochoffiziellen Anlässen – wie etwa 2022, als Selenskyj der UN-Vollversammlung in New York eine Video-Botschaft überbrachte – trug er häufig ein olivfarbenes Militär-T-Shirt. Kleidung fungiert nicht selten als politisches Symbol; bei Selenskyj wird sie spätestens seit Februar dieses Jahres zu einem regelrechten Politikum aufgebauscht.
@nbcnews A media personality for right-wing media outlet Real America's Voice, Brian Glenn, who criticized President #Zelenskyy for wearing military-style attire during his #WhiteHouse visit earlier this year, complimented the Ukrainian president today. "You look fabulous in that suit," Glenn said.
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Selenskyjs Kleiderwahl wird spätestens seit Februar zum Politikum hochgejazzt
Zur Erinnerung: Bei seinem vorletzten Besuch im Weißen Haus im Februar, der im Eklat endete, hatte Selenskyj einen schlichten schwarzen Pullover mit Knopfleiste am Kragen getragen; auf Brusthöhe war ein Dreizack gestickt – ein Nationalsymbol der Ukraine. „Casual Longsleeve“ ist das Ergebnis, bemüht man die Bilder-Rückwärtssuche um das Kleidungsstück. Aber sind Gespräche über Krieg und Frieden, noch dazu im Weißen Haus, eine legere Veranstaltung?

Das stellte vor allem der US-Journalist Brian Glenn heraus, der fragte: „Warum tragen Sie keinen Anzug? Besitzen Sie überhaupt einen Anzug?“ Selenskyj sei auf der höchsten politischen Bühne der USA zu Gast, so der rechtsgerichtete Journalist, der sich in der Vergangenheit als regelrechter Fanboy von Trumps „Make America Great Again“-Politik gezeigt hatte. Viele Amerikaner hätten ein Problem mit Selenskyjs Kleidung, meinte Glenn. Ob es dem ukrainischen Präsidenten etwa an Respekt gegenüber der Würde des Hauses mangele? Selenskyj konterte prompt: Er werde einen Anzug tragen, wenn der Krieg vorbei ist.
Ukrainische Designerin über Selenskyjs Kleidung: „ein ganz bewusstes und kraftvolles Statement“
Spätestens seitdem wird besonders akribisch auf Selenskyjs Kleiderwahl geachtet. Doch Selenskyjs Look ist keine unbedarfte Handlung, kein salopper Griff in den Kleiderschrank, der zutage befördert, was obenauf liegt, sondern eine bewusste Entscheidung. „Das ist ein ganz bewusstes und kraftvolles Statement“, sagte Elvira Gasanova, die Designerin der Marke Damirli, die zu Selenskyjs Markenzeichen zählt, dem Portal „T-Online“ im März. Selenskyjs Militärkleidung symbolisiere seine Solidarität mit den ukrainischen Soldaten und der Bevölkerung, die täglich ums Überleben kämpfe. „Es geht nicht nur um Komfort oder Praktikabilität – es geht darum zu zeigen, dass er einer von uns ist, kein abgehobener Politiker, der über den Dingen steht“, so Gasanova.
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„Wenn Staats- und Regierungschefs Selenskyj in militärischer Kleidung sehen, ist das ein Signal: ‚Die Ukraine befindet sich im Krieg, und ich bin Teil dieses Kampfes‘“, sagte Gasanova auch dem Portal „Politico“. Der anhaltende Ruf nach einer Rückkehr zum Anzug sei eine Forderung nach der Rückkehr zum üblichen Format des politischen Dialogs. Ein Anzug sage, so Gasanova: „Schluss mit dem Krieg, setzt euch an den Verhandlungstisch.“
Auffällig: Seit einigen Monaten trägt Selenskyj immer häufiger anzugähnliche Outfits
Auffällig ist, dass Selenskyj nach dem Februar-Eklat mit Trump weitaus häufiger auf Anzugjacken in Militäroptik zurückgegriffen hat als zuvor: So kleidete er sich auch zum Gespräch mit Trump am Rande der Beerdigung von Papst Franziskus im Vatikan Anfang Mai viel formeller. Als der ukrainische Präsident zu seinem Besuch im Kanzleramt bei Friedrich Merz (CDU) Ende Mai dann ebenfalls ein Militärjackett trug, interpretierten viele das als politische Geste, als Zeichen des Respekts.
Im Juni tauchte er zu einem Treffen mit Trump am Rande des Nato-Gipfels in Den Haag ebenfalls im Militär-Chic auf, auch Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, und Nato-Generalsekretär Mark Rutte traf er so. Zuletzt trug er bei seinen Besuchen in Berlin und London zu den vorbereitenden Gesprächen auf den Alaska-Gipfel immer wieder Militärjacketts.

Soll seine Kleidung seinen Willen unterstreichen, den rund dreieinhalb Jahre währenden Krieg zu beenden? Sind sie als Zeichen der Hoffnung auf Frieden oder vielmehr seiner Verhandlungsbereitschaft im Sinne Gasanovas zu verstehen? Seine Kleiderwahl und die erhöhte Frequenz, in der er sich in anzugähnlichen Outfits zeigt, ließen sich durchaus so interpretieren. Vor seinem jüngsten Besuch im Weißen Haus soll Selenskyj US-Medien zufolge, wie im Februar auch, vorab gefragt worden sein, ob er im Anzug komme.
Seine Antwort war diesmal weniger provokant als vor einem halben Jahr. Auch wenn er sich Scherze dazu nicht verkneifen konnte. Spannend bleibt also, was der ukrainische Präsident zu einem möglichen Treffen mit Kreml-Chef Wladimir Putin trägt. Es könnte eine Botschaft sein.





