Der erneute Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus am Montag ging überraschend freundlich über die Bühne. Auch beim gemeinsamen Auftritt mit den europäischen Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Finnland herrschte gute Stimmung. Doch über entscheidenden Fragen hängen dicke Fragezeichen.

Wie war die Atmosphäre beim Treffen zwischen Trump und Selenskyj?

Ganz anders als am 28. Februar. Damals hatte der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj offensiv Sicherheitsgarantien der Amerikaner im Ukraine-Krieg eingefordert und US-Präsident Trump und seinen Vize JD Vance damit auf die Palme gebracht. Am Montag begrüßte Trump den Ukrainer betont freundlich. Der US-Präsident legte Selenskyj die Hand auf die Schulter und tätschelte ihn. Der ukrainische Präsident erschien dieses Mal im schwarzen Anzug mit schwarzem Hemd, was Trump ausdrücklich lobte. Das letzte Mal hatte Selenskyj einen schwarzen Pullover mit dem ukrainischen Dreizack getragen. Es war das Outfit in seiner Rolle als Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, was auf amerikanischer Seite als Respektlosigkeit kritisiert wurde. Selenskyj gab sich dieses Mal betont zurückhaltend und dankte Trump mehrmals überschwänglich für die amerikanische Unterstützung.

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Später unterbrach Trump die Gespräche mit Selenskyj und den europäischen Staats- und Regierungschefs, um mit Putin zu telefonieren. Ursprünglich wollte er das erst nach der Runde im Weißen Haus tun. Anschließend verkündete er, ein Treffen zwischen Putin und Selenskyj vorzubereiten. Das schrieb der Republikaner auf seiner Plattform Truth Social. Der ukrainische Präsident hat sich zu einem Gespräch mit Kremlchef Putin ohne Vorbedingungen bereit erklärt.

Ist die sofortige Waffenruhe endgültig vom Tisch?

Eine Waffenruhe sei nicht nötig, sagte Trump am Montag beim Treffen mit Selenskyj. „Wir können an einem Deal arbeiten, während sie kämpfen“, fügte er hinzu. Die europäischen Staats- und Regierungschefs beharrten beim gemeinsamen Auftritt mit Trump und Selenskyj auf einer Waffenruhe. Er könne sich nicht vorstellen, dass es nächste Friedensverhandlungen ohne Feuerpause geben könne, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz: „Wir müssen Druck auf Russland ausüben.“ Die Befürchtung: Solange die Waffen nicht schweigen, kann Putin die Ukraine weiter mit einem Drohnen -und Raketenhagel überziehen und politische Gespräche in die Länge ziehen.

Wird es einen Dreiergipfel Trump – Putin – Selenskyj geben?

Nach dem Treffen zwischen Putin und Selenskyj solle es ein Dreiertreffen geben, an dem auch er teilnehmen werde, ergänzte Trump zu seiner Verkündung auf Truth Social. Beim gemeinsamen Auftritt mit Trump pochten die Europäer auf einen baldigen Dreiergipfel Trump – Putin – Selenskyj.

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Wird Trump der Ukraine Sicherheitsgarantien ausstellen?

Trump blieb beim Auftritt mit Selenskyj vage: „Wir werden uns engagieren“ – ließ aber offen, in welcher Weise. „Die europäischen Staaten werden einen großen Teil der Last übernehmen“, sagte der Amerikaner später. Dabei ist das vermutlich die entscheidende Frage zur Beilegung des Ukraine-Krieges: Wie sehr setzt Washington sein Gewicht für die Absicherung einer Friedensvereinbarung ein? Der US-Sondergesandte Steve Witkoff hatte überraschend angekündigt, Russland sei damit einverstanden, dass Amerika und europäische Verbündete der Ukraine Nato-ähnliche Sicherheitsgarantien geben. Artikel 5 des Nato-Vertrags regelt, dass die Bündnispartner im Fall eines Angriffs auf die Unterstützung der Alliierten zählen können und ein Angriff auf ein Mitglied als ein Angriff auf alle gewertet wird. Im Verteidigungsfall der Ukraine stünde nicht die Nato in der Pflicht, sondern die USA und die europäischen Länder, so Witkoff.

Es stellt sich die Frage, wie mögliche robuste Sicherheitsgarantien der Amerikaner im Detail aussehen sollen. Bislang hatte Washington hier einen Riegel vorgeschoben. Trumps Vize JD Vance und Verteidigungsminister Pete Hegseth hatten immer wieder klar gemacht, dass die Absicherung eines möglichen Friedens – sei es durch Garantien oder auch durch Bodentruppen – ausschließlich in der Verantwortung der Europäer liege. Sollte es Trump mit den Sicherheitsgarantien ernst meinen, wäre dies ein tiefgreifender Kurswechsel. Eine Absicherung der Ukraine mit US-Beitrag wäre ein Abschreckungspaket, das auch Putin ernst nehmen müsste. Ob es dazu kommt, ist allerdings offen.

Muss die Ukraine Gebiete an Russland abtreten?

Trump hat den Europäern in der Videoschalte am Samstag eine „Road Map“ für seine Idee eines „Gebietstausches“ geliefert. Demnach soll Trump den Rückzug der Ukrainer aus dem kompletten Donbass vorgeschlagen haben. Die Region Luhansk haben die Russen fast komplett besetzt, die Region Donezk dagegen nur zum Teil. Im Gegenzug habe Putin einen Waffenstillstand in den Gebieten Saporischschja und Cherson entlang der Frontlinie angeboten. Weite Teile beider Regionen sind unter russischer Kontrolle. Zudem habe der Kremlchef eine schriftliche Garantie zugesagt, weder die Ukraine noch ein anderes europäisches Land anzugreifen. Ähnliche Versprechen hatte er allerdings in der Vergangenheit immer wieder gebrochen

Was bedeutet eine Aufgabe des Donbass für die Ukraine?

In der Region Donezk liegen Großstädte wie Slowjansk und Kramatorsk, die gut befestigt einen Verteidigungsgürtel bilden. Westlich von ihnen erstreckt sich offenes Steppenland, sodass Russland bei einem Wiederaufflammen der Kämpfe ungehindert Richtung Charkiw oder Dnipropetrowsk vorstoßen könnte. Experten sehen Putins Angebot, den Ukraine-Konflikt gegen die Aufgabe der Region Donezk einzufrieren, extrem kritisch. Der Vorschlag sei ein „sehr kluger Trick“ und eine „Giftpille“, erklärte Alexander Gabuev, Direktor der Berliner Denkfabrik Carnegie Russia Eurasia Center. Es handele sich um eine Schein-Offerte, die Selenskyj in eine unauflösbare Bredouille bringen soll. Weise der Ukrainer Putins Paket zurück, riskiere er, dass sich Trump aus dem Vermittlungsprozess verabschiede. Möglicherweise kappe dieser auch die für Kiew lebenswichtige US-Satellitenaufklärung sowie die Geheimdienstinformationen, unterstrich Gabuev. Gehe Selenskyj darauf ein, gerate er zu Hause in schwere innenpolitische Turbulenzen, die ihn das Amt kosten könnten.