Ob mit strahlendem Sonnenschein oder heftigen Sommergewittern – die Sommerferienzeit ist auf jeden Fall in 9 von 16 Bundesländern angebrochen. Und mit ihr der Streit über die Ferientermine. Aus einigen Bundesländern kommt die Forderung nach einer gerechteren Aufteilung. Denn während alle anderen Bundesländer bei den Terminen jedes Jahr rotieren, sind Bayern und Baden-Württemberg aus diesem System traditionell ausgenommen und haben immer die spätesten Ferien – von Ende Juli oder Anfang August bis in den September hinein.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Sollen die beiden Länder in das Rotationssystem aufgenommen werden? Oder braucht es eine bundeseinheitliche Lösung? Worum es bei der Debatte geht und welche Argumente im Raum stehen:
Warum haben Baden-Württemberg und Bayern immer so spät Ferien?
Die Ferientermine der Bundesländer werden seit 1964 von der Kultusministerkonferenz (KMK) für mehrere Jahre im Voraus festgelegt, um zu vermeiden, dass alle Bundesländer gleichzeitig in die großen Ferien starten. Bayern und Baden-Württemberg bekommen traditionell die spätesten Zeiträume, auch wenn Baden-Württemberg im Gegensatz zu Bayern von 1973 bis 1994 zunächst am rotierenden System teilnahm.
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Früher wurde die Sonderrolle der beiden Länder damit begründet, dass die Kinder im Spätsommer bei der Ernte helfen mussten. Diese Erklärung ist schon länger nicht mehr zeitgemäß, heutzutage begründen die beiden Länder ihren Anspruch damit, dass sie als einzige Bundesländer zwei Wochen Pfingstferien haben und der Abstand zwischen den Ferien bei früheren Sommerferien zu kurz sei.
Warum gibt es aktuell wieder Streit um den Start der Sommerferien?
Der Anstoß der aktuellen Debatte kam von Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin, Dorothee Feller (CDU). Die hatte in einem Interview mit Blick auf die begonnenen Gespräche in der KMK über die Ferien ab 2031 den Anspruch Bayerns auf den späten Ferienbeginn kritisiert: „NRW hätte auch gerne mal einen späten Ferienstart“, sagte Feller der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ). Darauf reagierte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit der Aussage: „Wir haben unseren Ferienrhythmus, der ist sozusagen fest in der DNA der Bayern drin.“ Baden-Württemberg könne seine Ferien ruhig tauschen, Bayern würde dies aber nicht tun, so Söder.
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Aus Baden-Württemberg, das von Dorothee Feller nicht direkt kritisiert wurde, aber von einer möglichen Änderung der Regelung ebenfalls betroffen wäre, kommt ebenfalls Unverständnis. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte, man sehe keinen Grund, die Ferienregelung zu ändern. Was nach 2030 passiere, müssten andere entscheiden. In die Debatte eingestiegen sind auch die Thüringer CDU-Fraktion sowie die Kultusministerien von Niedersachsen und Hamburg. Auch sie empfinden die bisherige Regelung als unbefriedigend.
Was sagen die Lehrerverbände zum Streit um die Sommerferien?
Auch die Lehrerverbände sind sich nicht einig über eine optimale Lösung des Problems. Andreas Bartsch, Präsident des Nordrhein-Westfälischen Lehrerverbands, sieht in der aktuellen Sommerferienregelung einen erheblichen Nachteil für die Länder, die früher in die Sommerferien gehen: „Der September ist ein geldwerter Vorteil, genauso wie die Pfingstferien“, sagt er. In diesen Nebensaisons könne man deutlich günstiger in den Urlaub reisen. Er kritisiert aber auch die politische Debatte um die Sommerferien: „Man müsste sich da in Ruhe in der Kultusministerkonferenz zusammensetzen und Gedanken darüber machen und keine einzelnen Vorstöße aus den einzelnen Ländern machen.“
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Auch Martina Scherer, Landesvorsitzende des Lehrerverbands Baden-Württemberg, sieht Gesprächsbedarf: „Es würde sich schon lohnen, in den kommenden Jahren die Vor- und Nachteile der verschiedenen Regelungen nochmal zu betrachten und abzuwiegen“, sagt sie.
Aus Thüringen kommt ebenso Kritik an der aktuellen Regelung: „Dieses Schuljahr war extrem kurz, das sorgt natürlich für Stress bei den Lehrkräften, wenn trotzdem der Lehrplan geschafft werden muss“, sagt Tim Reukauf, Landesvorsitzender des Lehrerverbands Thüringen. Er schlägt vor, zu prüfen, ob eine bundeseinheitliche Regelung möglich wäre: „In die Osterferien gehen ja auch alle Länder zeitgleich.“
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Keinen Handlungsbedarf sieht hingegen Stefan Düll, Präsident des deutschen Lehrerverbands. Für den ganzen Bundesverband könne er zwar nicht sprechen, doch als Schulleiter eines Gymnasiums im bayerischen Neusäß sagt er: „Ich glaube, das ist ein Emotionsthema, bei dem man keine bessere Lösung findet als die aktuelle.“
Welcher Sommerferien-Zeitraum schützt Schüler und Lehrer am besten vor Hitze?
Die höchsten Temperaturen im vieljährigen Mittel herrschen in Deutschland Ende Juli und Anfang August, so Karsten Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. Die 27. bis 33. Kalenderwoche sei die wärmste Periode in Deutschland, also von Anfang Juli bis Mitte August. Eine Änderung des Zeitraums durch den Klimawandel sei nicht abzusehen, durchaus aber eine Steigerung der Temperaturen, so der Meteorologe. Möchte man Schüler und Lehrer möglichst vor der starken Hitze schützen, empfiehlt es sich also, mit den Sommerferien die zweite Juli-Hälfte und die erste August-Hälfte abzudecken.

Ist Urlaub im September günstiger als in den anderen Sommermonaten?
Im Vergleich zum Juli und August sind Auslandsreisen im September tatsächlich günstiger, wie Daten der Vergleichsportale Check24 und Idealo zeigen. Der Auswertung von Check24 zufolge beträgt der durchschnittliche Flugpreis für die 20 beliebtesten Länder weltweit im September 312 Euro, im Vergleich zu 365 Euro im August und 331 Euro im Juli. Auch die Zahlen von Idealo zeigen diesen Unterschied. So kostete der durchschnittlich im Januar 2025 für September 2025 geklickte Flug bei dem Vergleichsportal 603 Euro, im Juli lag dieser Wert bei 725 Euro, im August bei 716 Euro.
Aber im Juni sind die Urlaubsreisen teilweise noch günstiger als im September. Bei Idealo kostete der durchschnittliche Flug im Juni 545 Euro, bei Check24 liegt der Juni mit 336 Euro knapp über den Preisen im Juli. Und eine Aufstellung der durchschnittlichen Preise für Pauschalreisen-Personentage in den 25 meistgebuchten Ländern weltweit zeigt, dass der September mit 126 Euro zwar günstiger als Juli (130 Euro) und August (132 Euro) sind, der Juni ist allerdings mit 122 Euro der günstigste Sommermonat.
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Innerhalb von Deutschland zeigt sich hingegen ein anderes Bild: Der durchschnittliche Hotelpreis in den 25 meistgebuchten Städten Deutschlands ist Check24 zufolge im September mit 141 Euro am höchsten und im August mit 130 Euro am niedrigsten.
Wie wirken sich unterschiedliche Ferien-Regelungen auf den Verkehr aus?
Von einer bundesweit einheitlichen Regelung rät der ADAC ab: „In unseren Augen ist es unvorstellbar, dass alle gleichzeitig in den Urlaub fahren“, so eine Unternehmenssprecherin. Schon jetzt seien die Autobahnen und Ferienorte zu den Hauptzeiten überlastet. Aus Sicht des ADAC sei weniger die Verteilung unter den Bundesländern entscheidend, sondern vielmehr die Ausnutzung des 90-Tage-Korridors, der 2014 in der Ministerpräsidenten-Konferenz beschlossen wurde.
Laut diesem Beschluss sollte der Zeitraum für die Sommerferien ab 2018 auf 90 Tage von Mitte Juni bis Mitte September ausgeweitet werden. Bis heute werde dieser Korridor aber nicht voll ausgenutzt, so die Sprecherin. „Im Durchschnitt sind es von 2018 bis 2024 84,6 Tage. Das klingt vielleicht nicht nach viel, aber es ist eine Woche, die noch helfen könnte.“











