Wenn es um den Start der Sommerferien geht, diskutiert nicht nur die Politik – auch die Lehrer sind sich uneins. Für den ganzen deutschen Lehrerverband kann Stefan Düll, der Präsident des Verbands, deshalb nicht sprechen. Doch als Schulleiter eines bayrischen Gymnasiums spricht er sich gegen ein Rotationsmodell aus. „Die Länder täten sich wahrscheinlich einen Gefallen, ihre Ferienzeiten einmal festzulegen und dann dabei zu bleiben“, sagt er dieser Redaktion.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Eine Benachteiligung der Länder mit früheren Sommerferien sieht Düll nicht. Ob ein früher oder später Beginn, in beiden Fällen könnte die Unterrichtszeit von einer Hitzewelle im Juli oder August betroffen sein. „Ich glaube, das ist ein Emotionsthema, bei dem man keine bessere Lösung findet als die aktuelle.“ 

Mehr Politik-News

Start der Sommerferien ist schon länger Diskussionsthema

Die Verteilung des Sommerferienstarts unter den deutschen Bundesländern ist schon länger ein Diskussionsthema. Während die restlichen 14 Bundesländer in Gruppen eingeteilt sind, die gemeinsam zwischen früherem und späterem Start rotieren, haben Baden-Württemberg und Bayern traditionell immer den gleichen späten Start Ende Juli/Anfang August.

Früher wurde diese Sonderregelung damit begründet, dass die Kinder bei der Ernte helfen mussten. Heutzutage argumentieren die Länder mit dem zeitlichen Abstand zu den Pfingstferien. Die Termine für die Sommerferien werden Jahre im Voraus von der Kultusministerkonferenz festgelegt, eine Änderung käme erst ab 2031 zum Tragen.

Auch interessant

Martina Scherer, die Landesvorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg, hat zu dem Thema eine andere Meinung als Stefan Düll. „Es würde sich schon lohnen, in den kommenden Jahren die Vor- und Nachteile der verschiedenen Regelungen nochmal zu betrachten und abzuwiegen“, sagt sie. So falle das mündliche Abitur in Baden-Württemberg durch den späten Ferienbeginn in den vergangenen Jahren immer wieder auf die besonders heißen Tage. Es gebe aber auch Aspekte, die gegen frühere Ferien sprechen, wie die günstigeren Urlaubspreise im September und um Pfingsten.

Dieser Punkt ist für Andreas Bartsch, Präsident des Nordrhein-Westfälischen Lehrerverbands, ein erheblicher Nachteil, den die anderen Bundesländer durch die aktuelle Regelung gegenüber Bayern und Baden-Württemberg haben: „Der September ist ein geldwerter Vorteil, genauso wie die Pfingstferien“, sagt er. In diesen Nebensaisons könne man deutlich günstiger in den Urlaub reisen.

207777_1325_207777_cover.jpg
#19 Carsten Linnemann über Merkel, Merz - und warum er in der Politik nicht alt werden will
Meine schwerste Entscheidung
 

Sommerferien-Problem ist schwer zu lösen

Doch eine Lösung dieses Problems hält Bartsch für kompliziert: „Für ein deutschlandweites Rotationsmodell müssten Bayern und Baden-Württemberg ihre Pfingstferien verschieben. Das hat wenig Aussicht auf Erfolg.“ Das Thema habe auch bildungspolitisch keine oberste Priorität. „Man müsste sich da in Ruhe in der Kultusministerkonferenz zusammensetzen und Gedanken darüber machen und keine einzelnen Vorstöße aus den einzelnen Ländern machen.“

Ein solcher „Vorstoß“ kam auch von der Thüringer CDU, die flexiblere Sommerferientermine fordert. Tim Reukauf, Landesvorsitzender des Lehrerverbands Thüringen, kritisiert in erster Linie das rotierende System, das auch in Thüringen angewandt wird. So gebe es immer wieder unterschiedlich lange Schuljahre. „Dieses Schuljahr war extrem kurz, das sorgt natürlich für Stress bei den Lehrkräften, wenn trotzdem der Lehrplan geschafft werden muss.“ In sehr langen Schuljahren fehle dann eine Pause zwischen den Oster- und Sommerferien.

Auch interessant

Eine konkrete Lösung sieht auch Reukauf noch nicht, er plädiert aber dafür zu prüfen, ob ein bundesweit einheitliches System möglich wäre, ohne die Infrastruktur zu überlasten. „In die Osterferien gehen ja auch alle Länder zeitgleich.“ In anderen europäischen Ländern wie Frankreich beginnen die Sommerferien für das ganze Land zeitgleich.