Steve Bannon, der einflussreichste Katholik unter den Büchsenspannern Donald Trumps, hatte schon vor einer Woche so eine Ahnung. Robert Francis Prevost sei „einer der Geheimfavoriten” im Kardinalsgremium für die Nachfolge von Papst Franziskus, sagte der radikal-ideologische Stichwortgeber des US-Präsidenten in einem Fernsehinterview – „unglückerlicherweise ist er einer der progressivsten”.
Papst Leo XIV. wird der große ideelle Gegenspieler Trumps
Bannons informelles Stoßgebet für einen mehr aus Trump-kompatiblem Holz geschnitzten Oberhirten verhallte ungehört. Prevost, den selbst in seiner Heimatstadt Chicago alle nur „Bob” nennen, wird aller Voraussicht nach als Papst Leo XIV. der große ideelle Gegenspieler des amerikanischen Präsidenten, der sich seit dem überstandenen Attentat im vergangenen Sommer unter dem persönlichen Schutz des Herrgotts wähnt.
Auch interessant
Schon die Biographie des 69-Jährigen, der nach Schilderungen seines Bruders bereits im Kindesalter lieber Priester denn Baseball (obwohl Fan der White Sox) spielte, ist nicht dazu angetan, den ersten gebürtigen US-Amerikaner auf dem Papst-Stuhl für Trumps Zwecke einzugemeinden. Prevost, Vater französisch-italienischer, Mutter spanisch-amerikanischer Herkunft mit kreolischen Wurzeln, hat die längste Zeit seines Berufslebens im südamerikanischen Armenhaus Peru verbracht, wo er die doppelte Staatsbürgerschaft annahm.
Prevost fühlt sich der Soziallehre der Armen verpflichten
Als Missionar, Seminar-Lehrer und schließlich Bischof fühlt sich Prevost bis heute der Soziallehre und den Armen verpflichtet. Der dem Augustiner-Orden angehörende Kirchenmann wurde schon vor seiner Berufung zum Kardinal 2023 in Rom mit dem Spitznamen „Latin Yankee“ bedacht. Als enger Weggefährte seines Vorgängers Franziskus hat Prevost vor allem via soziale Medien in der Vergangenheit unmissverständlich klargemacht, dass ihm die „America First”-Politik Trumps ein Grauen ist.
Auch interessant
Schon 2015 kritisierte er die „problematische „Einwandererfeindlichkeit“ des damaligen Kandidaten Trump. In anderen Tweets und Retweets auf dem heutigen X-Portal stellte der (neben Englisch, Spanisch und Italienisch) auch fließend Deutsch sprechende Prevost von Todesstrafe über Waffengesetze bis hin zum Klimawandel und dem Alltags-Rassismus in den USA klar, dass die Trump-Agenda nicht seine ist.
US-Vize J.D. Vance wurde inzwischen von zwei Päpsten zurecht gewiesen
Besonders augenfällig wurde seine Distanzierung gegenüber dem Mann, den Franziskus noch unmittelbar vor seinem Tod über Ostern empfing: Trumps Vize-Präsident J.D. Vance. Der erst vor wenigen Jahren zum Katholizismus konvertierte Politiker hatte die in den USA massiv kritisierte Politik der Massenabschiebungen von undokumentierten Flüchtlingen und die drastische Streichung von Auslands- und Entwicklungshilfe mit der theologischen Lehre von der „Ordnung der Liebe“ (ordo amoris) zu rechtfertigen versucht.

Danach sei es urchristlich, zuerst an seine Familie und erst dann an Fremde zu denken, die tausende Kilometer entfernt leben, behauptete Vance. In einem offenbar von Prevost inspirierten Brief an die US-Bischöfe zog Franziskus gegen den 40-Jährigen zu Felde: Die „wahre“ Ordnung der Liebe bedeute, eine Gemeinschaft aufzubauen, die „ohne Ausnahme“ offen für alle sei.
Papst Leo XIV.: „J.D. Vance hat Unrecht“
„Die Abschiebung von Menschen, die in vielen Fällen ihr Land wegen extremer Armut, Unsicherheit, Ausbeutung, Verfolgung oder schwerwiegender Umweltzerstörung verlassen haben, verletzt die Würde vieler Männer und Frauen sowie ganzer Familien und versetzt sie in einen besonders verletzlichen und schutzlosen Zustand.”

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Prevost legte nach: „J.D. Vance hat Unrecht. Jesus fordert uns nicht auf, unsere Liebe zu anderen einzustufen”, schrieb er. Papst Leo XIV. befindet sich nach Einschätzung von Kirchen-Experten damit in Übereinstimmung mit dem, was die anglikanische Bischöfin Mariann Edgar Budde im Januar beim Gebetsgottesdienst zur Amtsübernahme Trumps in der National Cathedral in Washington gesagt hatte. Sie appellierte an Trump, keine Abschiebungen anzuordnen. „Ich bitte Sie um Erbarmen, Herr Präsident, mit denjenigen in unseren Gemeinden, deren Kinder Angst haben, dass ihnen ihre Eltern weggenommen werden.”
- Luxus pur? In diesem Prunk könnte Papst Leo XIV. wohnen
- Zum Nachlesen: Die erste Rede des neuen Papses Leo XIV. im Wortlaut
- Habemus Papam: So viel wird der neue Papst Leo XIV. im Monat verdienen
- Bildergalerie: Leo XIV. zum Papst gewählt – Die schönsten Bilder aus dem Vatikan
- Vorgänger: Leo XIII. trug den Namen 100 Jahre vor dem neuen Papst
- Historiker erklärt: So wurde der Papst vom Sekten-Chef zum Führer einer Weltreligion
Trump schoss empört zurück. Die „sogenannte Bischöfin” sei eine „linksradikale Trump-Hasserin”, schrieb er auf seiner Online-Plattform „Truth Social“.„Ihr Ton war unangenehm und weder überzeugend noch klug.“ Wird der amerikanische Präsident auch seinen weltweit für 1,4 Milliarden Katholiken (in den USA sind es 53 Millionen) verantwortlichen Landsmann Papst Leo XIV derart angehen, wenn er demnächst die Politik Trumps verurteilen sollte?
Verschwörungsaktivistin Loomer hat neuen Papst bereits abgehakt
Laura Loomer, die ultrarechte Verschwörungs-Aktivistin und einflussreiche Einflüsterin Trumps, hat den neuen Mann im Vatikan bereits abgehakt. Leo XIV. sei „nur eine weitere marxistische Marionette im Vatikan“. Sean Davis, Trump-Fan und Chef der rechtsextremen Internet-Seite „The Federalist”, formulierte sinngemäß, Prevost sei offenbar gewählt worden, „um mithilfe der römisch-katholischen Kirche dem Aufstieg des nationalen Populismus im Allgemeinen und Trump im Besonderen entgegenzuwirken”.
- Überblick: Straftäter, Präsident, Familienvater – Donald Trump im Steckbrief
- Seine Ehefrauen: Melania, Marla, Ivana – Die Frauen an Trumps Seite
- Armer Milliardär? So groß ist Donald Trumps Vermögen wirklich
- Don, Ivanka und Co.: So erfolgreich sind die Kinder von Donald Trump
Eine Analyse, der manche US-Kommentatoren etwas abgewinnen können. In einer Zeit, in der Amerikas Rolle in der Welt auf Trumps Betreiben immer mehr verzwergt, „sei es durch die Ablehnung von Verbündeten, den Bau von Handelsbarrieren, den Rückzug aus der Diplomatie oder die Einschränkung humanitärer Hilfe” – könnte ein amerikanischer Papst möglicherweise das nötige Gegenwicht verkörpern. Bob, the good American?







