Bei Donald Trump muss man jeden Tag mit allem rechnen. Dass der US-Präsident jetzt Hunderte Worte aus der Amtssprache verbannen will, kommt deshalb wenig überraschend: Die neue US-Regierung sieht sich in einem Kulturkampf; was in ihren Augen „woke“ ist, gehört abgeschafft. Dabei sind Worte Mittel zum Zweck.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Worte prägen das Bewusstsein. Konsequent nennt Trump beispielsweise den kanadischen Regierungschef Justin Trudeau „Gouverneur“, als wäre Kanada kein souveränes Land, sondern ein US-Bundesstaat der USA – was der Mann im Weißen Haus erklärtermaßen anstrebt. Kanada könne als 51. Bundesstaat der Vereinigten Staaten von niedrigeren Steuern und umfassendem militärischen Schutz profitieren, wiederholt Trump immer wieder.
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Die Macht der Sprache ist dem US-Präsidenten sehr bewusst. Seine Reden sind von permanenten Wiederholungen gekennzeichnet, damit sich bestimmte Aussagen einprägen und hängen bleiben – ganz unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt.
Trumps Kulturkampf gegen alles, was er als „woke“ empfindet
Und wofür es kein Wort mehr gibt, das gibt es offenbar dann nicht mehr. So fegt die US-Regierung jetzt durch die Amtssprache. Hunderte Begriffe sollen von offiziellen Webseiten, im Internet oder aus dem Schriftverkehr verschwinden. In internen Memos, über die die „New York Times“ berichtet, wurden Bundesbehörden angewiesen, bestimmte Begriffe in offiziellen Mitteilungen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr zu verwenden.
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Ein offizielles Verbot ist das allerdings nicht. Doch auf etwa 250 Internetseiten der Regierung, so die Recherchen der Zeitung, wurden entsprechende Begriffe bereits ersetzt oder gelöscht. Hunderte Begriffe hat die „New York Times“ (Bezahlinhalt) zusammengestellt, weist aber darauf hin, dass die Liste vermutlich nicht vollständig sei. Zudem sollen auch alle Förderanträge und Verträge geprüft werden, ob sie Worte enthalten, die im Widerspruch zu Trumps Verfügungen stehen könnten.
„Feminismus“ wird offenbar als bedrohlich empfunden
Die meisten Begriffe, die auf dem trumpschen „Amtsindex“ landen, haben mit der Geschlechtervielfalt, den Rechten von Minderheiten, Klimawandel oder Rassismus zu tun. Aber auch „Feminismus“ wird offenbar als so bedrohlich empfunden, dass das Wort aus der Amtssprache verschwinden soll.
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Trump hat gleich zu Beginn seiner Amtszeit die Bemühungen um Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion als grundsätzlich unvereinbar mit dem dargestellt, was er als „Leistung“ definiert. Die Förderprogramme für Frauen, Schwarze oder behinderte Menschen hätten dazu geführt, dass „weniger Qualifizierte“ aufgestiegen seien. Dieser Argumentation liegt offensichtlich die diskriminierende Annahme zugrunde, dass Menschen mit dunkler Hautfarbe, Frauen, Behinderte und andere marginalisierte Gruppen nicht über die erforderlichen Fähigkeiten verfügten.

Bürgerrechtsgruppen und Demokraten sprechen von Doppelmoral: Trump und mit ihm Elon Musk würden Redefreiheit propagieren und gleichzeitig Worte auf den Index stellen.
US-Präsident Trump hat schon Orte umbenannt
Der Kampf gegen den „Transgender-Wahn“ war schon im Wahlkampf immer wieder Thema. Er werde ihn am ersten Tag seiner Präsidentschaft beenden, hatte Trump wiederholt angekündigt. Inzwischen läuft der Kampf gegen „DEI“ auf vollen Touren.
„DEI“ steht für „diversity, equity, inclusion“ – Vielfalt, Teilhabe und Inklusion. Die Idee dahinter: allen die gleichen Chancen bieten, unabhängig von Alter, ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Geschlecht, körperlichen Einschränkungen oder sexueller Orientierung. Viele dieser Richtlinien stammen aus der Bürgerrechtsbewegung der 60er-Jahre und waren Teil des amerikanischen Selbstverständnisses. Die Trump-Regierung definiert Freiheit und Selbstbestimmung jetzt selbst.
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Die Sprache ist dabei Ausdruck von Macht. Schon gleich nach seiner Vereidigung erklärte Trump, dass der „Golf von Mexiko“ Geschichte sei. „Amerikas Goldenes Zeitalter“ sollte auf den Landkarten der Welt verewigt sein. Der Meerbusen sollte fortan „Golf von Amerika“ heißen – der Größe und Pracht Amerikas entsprechend. Google gehorchte mit seinem Kartendienst umgehend und übernahm die Bezeichnung. Andere weigerten sich – und wurden postwendend bestraft: Die renommierte US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP), die weiterhin „Golf von Mexiko“ schreibt, darf Trumps Büro nicht mehr betreten und auch nicht mehr im Präsidentenflugzeug mitfliegen. AP klagte, doch ein Gericht gab dem Weißen Haus recht.
Mit seinem Sprach-Dekret hob Trump das Dekret von Clinton auf
Noch weitreichender ist Trumps Sprachdekret, das er erst am 1. März unterschrieb. Damit machte er Englisch zur offiziellen Amtssprache in den USA. Die US-Organisation „United We Dream“, die sich für die Rechte von Einwanderern einsetzt, warnte: Die Regierung werde das Dekret dazu nutzen, Schulunterricht für Kinder ausländischer Herkunft in anderen Sprachen als Englisch zu verhindern. Trumps Erlass werde die Einwanderungsbehörden dazu ermutigen, „einzelne Menschen, die auf eine bestimmte Art und Weise sprechen, auszusondern und zu schikanieren“.
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Trump hatte mit seiner Unterschrift das Dekret des früheren demokratischen Präsidenten Bill Clinton aufgehoben. Clinton wollte damals, dass amtliche Dienstleistungen und Dokumente auch in anderen Sprachen verfasst werden, damit Menschen mit mangelhaften Englischkenntnissen nicht benachteiligt werden. In den USA sprechen beispielsweise 60 Millionen Menschen Spanisch. Sogar Monarch Felipe VI. von Spanien, sonst Meister königlicher Zurückhaltung, übte vorsichtig Kritik: Er finde es „auffällig“, dass Trump Spanisch von der Webseite des Weißen Hauses entfernen ließ – in einem Land, „das bis 2050 fast 100 Millionen Spanischsprechende haben wird“.










