Gibt es außerirdisches Leben? Für Michael Traut (61), Generalmajor der Luftwaffe und Chef des Weltraumkommandos der Bundeswehr, ist die Antwort eindeutig. „Ich bin mir absolut sicher, dass es irgendwo da draußen andere Lebensformen gibt“, sagte er in einem Interview mit dem „Stern“.

Außerirdisches Leben: Warum der Bundeswehr-General nicht mit einem Kontakt rechnet

Mit einer Begegnung rechnet der General allerdings nicht. Angesichts der gewaltigen Entfernungen im Universum sei ein Kontakt äußerst unwahrscheinlich. Auch eine militärische Bedrohung durch Außerirdische spielt in seinen Planungen keine Rolle. „Wir müssen uns erst mal auf menschengemachte Bedrohungen einstellen. Und davon gibt es schon genug.“

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Vor allem Russland bereitet dem Kommandeur Sorgen. Moskau habe bereits 2021 demonstriert, dass es Satelliten im Weltraum zerstören könne. Damals schoss Russland einen eigenen Satelliten in rund 480 Kilometern Höhe ab. Dabei entstanden laut Traut etwa 1500 größere Trümmerteile, die noch über Jahrzehnte im All kreisen könnten.

Doch der General warnt vor einem weitaus folgenschwereren Szenario: „Seit ein paar Jahren müssen wir auch darüber sprechen, ob Russland an einer Technologie arbeitet, einen nuklearen Sprengkörper im Orbit zu platzieren“, erklärte Traut.

Atomwaffen im Weltraum: Welche Folgen eine Explosion hätte

Wie verheerend eine solche Detonation sein könnte, zeigt ein amerikanischer Atomtest aus dem Jahr 1962. Unter dem Namen „Starfish Prime“ zündeten die USA damals einen nuklearen Sprengsatz in großer Höhe. Laut Traut fiel dadurch auf Hawaii zeitweise der Strom aus. Die freigesetzte Strahlung machte zudem zahlreiche Satelliten unbrauchbar.

Der Weltraumvertrag von 1967 verbietet zwar die Stationierung von Atomwaffen in der Erdumlaufbahn. Ob sich dieses Verbot gegenüber Russland wirksam durchsetzen ließe, bezweifelt der General allerdings. Auf den entsprechenden Hinweis des „Stern“ erwiderte er: „Ja, nur: Wer kann Russland sanktionieren? Der UN-Sicherheitsrat?“

Weltraumkommando der Bundeswehr: Warum Satelliten für Deutschland unverzichtbar sind

Seit 2021 leitet Traut das Weltraumkommando der Bundeswehr im niederrheinischen Uedem. Die Einheit überwacht Gefahren im All, beobachtet militärische Aktivitäten anderer Staaten und soll deutsche Satelliten vor Angriffen schützen. Auch Weltraumschrott, der mit Satelliten kollidieren könnte, gehört zu ihren Aufgaben.

Dabei steht weit mehr auf dem Spiel als die militärische Kommunikation. Satelliten ermöglichen Navigation und Wettervorhersagen. Auch Mobilfunknetze, Stromversorgung und Bankgeschäfte sind auf ihre Signale angewiesen. Fielen wichtige Systeme aus, wären die Folgen deshalb auch im Alltag spürbar.

Wie verwundbar diese Infrastruktur ist, zeigt laut Traut der Krieg in der Ukraine. Russland störe seit Kriegsbeginn GPS-Signale im Baltikum, was unter anderem den zivilen Flug- und Schiffsverkehr beeinträchtige.

Künftig soll das Weltraumkommando deshalb nicht mehr nur beobachten und warnen. Die Bundeswehr will auch eigene militärische Operationen im All planen und durchführen können, um gegnerische Satellitensysteme bei Bedarf gezielt zu stören. Dafür will Deutschland seine militärischen Fähigkeiten im All erheblich ausbauen. Bis 2030 plant die Bundesregierung Investitionen von 35 Milliarden Euro in die Weltraumsicherheit, wie aus dem Interview hervorgeht.

Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert

Derzeit verfügt Deutschland laut Traut über lediglich sieben bis acht militärische Satelliten, je nach Zählweise. Künftig sollen es einige Hundert werden. Sie sollen vor allem die Kommunikation der Streitkräfte in Europa und angrenzenden Regionen absichern. Damit will sich die Bundeswehr zugleich unabhängiger von privaten Anbietern machen. Der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, wie wichtig Satellitendienste wie Starlink von Elon Musk inzwischen für militärische Einsätze seien. Bei entscheidenden Fähigkeiten dürfe sich Deutschland nicht von einem einzelnen Unternehmen abhängig machen, betonte Traut.