- Japan hat eine Taskforce gegründet, die sich mit Ausländern befassen soll
- Menschen aus dem Ausland genießen in Japan keinen guten Ruf, auch Touristen nicht
- Japan mangelt es an Arbeitskräften, das Land ist auf Menschen aus dem Ausland angewiesen
Shigeru Ishiba stand seltsam da, irgendwie stolz wirkte er, gleichzeitig aber beschämt. Auf dem Schild, neben dem er posierte, stand auf Japanisch: „Büro für die Förderung eines geordneten und kooperativen Miteinanders mit Ausländern“. Denn nichts weniger hat Japans Premierminister vor kurzem eingeweiht: eine ihm untergeordnete Taskforce, die sich des Umgangs mit allen Menschen aus dem Ausland annehmen würde. Das Versprechen: Regelbrüche würden nicht geduldet.

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In Japan, das sich in den letzten Jahren in großen Schritten der Welt geöffnet hat, haben Menschen aus dem Ausland zuletzt nämlich nicht den leichtesten Stand. Einerseits kommen sie einfacher als je zuvor ins Land, ob als Besucher oder Arbeitskräfte. Andererseits aber eilt ihn zusehends ein unguter Ruf voraus: Sie seien kriminell, pöbeln längst nicht nur rechtsextreme Politiker. Sie hätten keinen Anstand, mosern Nachbarn. So hat der Premierminister nun also vor, die Ärmel hochzukrempeln.
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Japan: Der Umgang mit Ausländern spaltet das Land
Was genau die gerade gegründete Taskforce leisten wird, ist zwar noch nicht im Detail bekannt. Aber man weiß in etwa so viel: Als Kontrollzentrum soll sie mehrere Ministerien miteinander verbinden, zudem Kontakte zu Kommunen und weiteren Behörden herstellen, damit diese besser gegen diverse Unannehmlichkeiten gewappnet seien. Hier geht es offenbar um nicht bezahlte Steuern oder Betrug. Denn all dies mache den Menschen Sorgen, so Ishiba.
Was ist los in Japan? Zunächst war die Schaffung einer neuen Behörde, die sich mit „Ausländerangelegenheiten“ befassen soll, Teil eines Wahlkampfs. Denn wenige Tage nach der Verkündung Mitte Juli fanden die Wahlen zum Oberhaus statt, einer von zwei Kammern im nationalen Parlament. Da Ishibas konservative Liberaldemokratische Partei (LDP) ihre Mehrheit zu verlieren drohte, wollte sie beim dominierenden Wahlkampfthema punkten. Und das war der Umgang mit Ausländern.
Dass Menschen mit ausländischem Pass genug negative Schlagzeilen machen, um den Wahlkampf bestimmten, ist erstaunlich. Denn inmitten Japans schrumpfender Bevölkerung mangelt es schier überall an Arbeitskräften, sodass das ostasiatische Land dringend Menschen aus dem Ausland für seine Wirtschaft braucht. So führte Ishibas LDP kurz vor der Pandemie eine Öffnung der bis dahin strengen Linie in der Migrationspolitik ein. Seither ist der Ausländeranteil auf drei Prozent gewachsen.

Touristen sorgen in Japan immer wieder für Ärger
Das ist zwar immer noch gering im Vergleich zu anderen Ländern. Doch in den Augen vieler Menschen in Japan sieht es nach deutlich mehr aus. Denn gerade in beliebten Gegenden machen sich seit Jahren vermehrt Urlauber und Urlauberinnen breit. Auch sie werden im Dienst der Wirtschaft willkommen geheißen. Aber während die Reisenden viel Geld im Land lassen, sorgen sie immer wieder auch für Ärger.
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So etwa Influencer, die auf Schrein- und Tempelanlagen Klimmzüge machen oder Sex haben, sich in der U-Bahn beim Tanzen filmen oder ihre Mitmenschen auf andere Weise belästigen. Verkehrsunfälle durch Touristinnen haben auch dazu geführt, dass das bloße Umstempeln ausländischer Führerscheine nicht mehr ausreichen wird, um in Japan eine Fahrerlaubnis zu haben. Die Taskforce für Ausländerangelegenheiten markiert nun, dass die Stimmung im Land umzuschlagen scheint.
Über die letzten Jahre galt es noch als neue Tugend, Diversität zu schätzen. Japans Gesellschaft könne sich nur weiterentwickeln, wenn es die Menschen in ihrer Vielfalt schätze und fördere, so der Tenor. Denn der jahrzehntelange Fokus auf Homogenität und strikte Normen, die die soziale Ordnung wahren sollten, galt auch als Grund für Stagnation.
Japans Premier nähert sich den Rechten an
Nun sehen es weite Teile des Landes offenbar doch wieder anders, und wollen nicht so viel Diversität. Shigeru Ishiba betonte zwar, dass Japan unbedingt Menschen aus dem Ausland brauche. Im Wahlkampf versprach er dann aber auch „null illegale Einwanderung“ – wobei dies ohnehin nicht Japans Problem ist. Ishibas Problem dagegen waren – und sind – rechtsextreme Parteien, die mit Verschwörungsmythen Stimmung gegen Menschen aus dem Ausland machen.
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Bei der Wahl schließlich haben zwei solcher Parteien – die etwa Ausländern den Immobilienkauf und Sozialleistungen verbieten wollen – große Gewinne erzielt, während Ishibas LDP ihre Mehrheit verloren hat. Womit Shigeru Ishiba, der sich über die letzten Wochen dem rechten Rand angebiedert hat, nun umso mehr auf seine neue Ausländertaskforce zurückgreifen dürfte.








