Der neue Papst Leo XIV. hat einen traditionsreichen Namen angenommen. Mehrere seiner Vorgänger spielten eine bedeutende Rolle in der Geschichte der Päpste, darunter nicht zuletzt Leo XIII. (1878-1903). Vincenzo Gioacchino Pecci wirkte als Versöhner der Kirche mit der modernen Welt, nachdem sein Vorgänger Pius IX. (1846-1878) jahrzehntelang einen Kurs von Abschottung und Verurteilung zeitgenössischer Ideen gefahren hatte.

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Leo XIII. stammte aus Carpineto Romano, einem 4000-Seelen-Dorf in den Bergen südlich von Rom. Hier wohnt bis heute sein Nachkomme Gianni Piacitelli Pecci, Besitzer des prunkvollen Palazzo Pecci. „Im Geburtshaus von Leo XIII. werden alle seine Erinnerungen aufbewahrt. Er ist ein Vorfahre, auf den ich besonders stolz bin“, sagte Gianni Piacitelli Pecci gegenüber italienischen Medien.

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Seinen Nachfolger Papst Leo XIV. würde er gern einmal im Palazzo begrüßen: „Ich erwarte den neuen Papst zu Besuch hier in Carpineto Romano“, so Piacitelli Pecci. „Ich bin sehr glücklich, dass der neue Papst in Erinnerung an die historische Enzyklika ‚Rerum Novarum‘ den Namen Leo gewählt hat.“

Der neue Papst Leo XIV. setzt auf traditionsreichen Namen

Mit der Enzyklika, in der er sich unter anderem drängenden Arbeiterfragen widmete, setzte Leo XIII. 1891 neue Maßstäbe in der kirchlichen Soziallehre. Der neue Papst Leo XIV. sprach vor den Kardinälen am Wochenende von den Herausforderungen, die mit einer neuen „industriellen Revolution“ durch die künstliche Intelligenz zusammenhängen. Damit wandelt er auf den Spuren seines Vorgängers, der eine tiefe Leidenschaft für alles Moderne hatte.

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Vincenzo Gioacchino Pecci wirkte unter anderem als Diplomat auf internationalem Parkett. Er öffnete die Vatikan-Archive für die Wissenschaft und zeichnete sich früh durch seine ökumenische Gesinnung aus. Bei seiner Wahl 1878 hatte man eigentlich nur einen Mann des Übergangs gesucht.

Ein Gemälde von einem alten Mann in einem weißen Gewand der auf einem Thron sitzt
Papst Leo XIII. stammte wie der neue Papst Leo XIV. aus einer sehr religiösen Familie. © picture alliance / Godong | Catherine Leblanc / Godong

Doch zu dieser kurzen Transitionsphase kam es nicht. Leo XIII. begann einen Kurs der Öffnung und durchbrach die „Festungsmentalität“ der Kirche, die durch die Umwälzungen der Französischen Revolution und durch den Verlust des Kirchenstaates an die italienische Republik jahrzehntelang traumatisiert gewesen war.

Wissenschaft für alle: Die Öffnung der vatikanischen Archive

Die Öffnung der vatikanischen Bibliothek und des Geheimarchivs für Forscher aller Konfessionen brachten ihm Ansehen als Förderer der Wissenschaft ein. Auch Leos ökumenische Initiativen waren für die Zeit beispielhaft. Als erstes Ziel formulierte er die Aussöhnung von Kirche und Kultur.

Graue Regale voller Dokumente aus dem Vatikan
Regale mit historischen Akten im Vatikanischen Apostolischen Archiv.© picture alliance / KNA | Cristian Gennari

Wie der neue Pontifex stammte auch Leo XIII. aus einer sehr religiösen Familie. „Der Vorname meines berühmten Vorfahren war Vincenzo, denn seine Mutter war dem Heiligen Vincenzo Ferrer treu ergeben. Sie hatte ihm die heidnische Kapelle des Palastes von Carpineto gewidmet und sie ließ ihre Kinder jeden Abend den Rosenkranz und zur Muttergottes beten“, berichtet Gianni Piacitelli Pecci.

Luxus pur? In diesem Prunk könnte Papst Leo XIV. wohnen

All dies habe den künftigen Papst Leo XIII. sehr beeindruckt. Berühmt war die Voraussage seiner Mutter, die eines Tages ihrem Mann, der davon träumte, den Sohn als Feldherrn oder General zu sehen, entgegnete: „Und warum nicht als Papst?“

Papst des Friends: Leo XIII. und seine diplomatische Mission

Wie der neue Pontifex, der in seiner ersten Botschaft einen eindringlichen Friedensappell an die Welt gerichtet hat, hatte Leo XIII. diplomatisches Geschick. „Sobald er zum Papst gewählt wurde, sprach er vom Frieden“, berichtet Gianni Piacitelli Pecci. Niemand hätte gedacht, dass das Pontifikat von Leo XIII. so lang dauern würde. „Leo XIII. hätte nach dem Pontifikat von Pius IX., das 32 Jahre gedauert hatte, ein Übergangspapst sein sollen. Das wurde er nicht.

Ein alter Mann in einem weißen Gewand und einer weißen Kopfbedeckung schlägt die Hände zusammen
Papst Leo XIV. bei einem Gebet. © Getty Images | Mario Tama

Er blieb 25 Jahre lang auf dem Thron des Heiligen Petrus. Er war aber nicht sehr beliebt. Für die Kurie war er zu progressiv. Meiner Meinung nach war er ein progressiver Traditionalist, teilweise revolutionär. Er wollte, dass die Kirche geschlossen, homogen und ohne Risse vorankommt“, schloss Piacitelli Pecci.

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Vor allem aber galt Leo XIII. den Zeitgenossen wie Historikern aller Couleur als „politischer Papst“. Selbst katholische Kirchenhistoriker bescheinigen ihm einen „Hang zum Politisieren“. So handelte Leo ein Ende des verbissen geführten preußischen Kulturkampfs aus und strebte einen innerkirchlich heftig umstrittenen Ausgleich mit der französischen Republik an.

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In den letzten Jahren dieses außergewöhnlichen Pontifikats gewann allerdings mit den sogenannten Antimodernisten eine betont konservative Gruppierung Einfluss auf das Kirchenoberhaupt. In den letzten Pontifikatsjahren wurden am gebrechlichen Papst vorbei viele Dinge von der Kurie direkt erledigt. Der „soziale Papst“ Leo XIII. starb erst 1903, 93-jährig, nach mehr als 25 Jahren im Amt.