Nach dem Tod von Papst Franziskus am Ostermontag steht die katholische Kirche ohne Oberhaupt da. Was kommt nun? In der Zeit ohne Papst, der sogenannten Sedisvakanz, geht die Leitung der Kirche an das Kardinalskollegium über. Es besteht derzeit aus 252 Männern, von denen jedoch knapp die Hälfte nicht an der Wahl des neuen Kirchenoberhaupts teilnehmen darf.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Diejenigen, die bei der Wahl des neuen Papstes abstimmen dürfen, machen sich derzeit auf den Weg nach Rom. Die Kardinäle kommen aus allen Teilen der Welt. Viele von ihnen sind schon im Vatikan, da sie in der Kurie tätig sind – der Verwaltungsbehörde der Weltkirche. Andere mussten nach Franziskus‘ Tod kurzfristig ihre Pläne ändern und in die italienische Hauptstadt reisen. Im Vatikan beginnen nun die Vorbereitungen für die Zeit ohne Papst.

Lesen Sie auch

Papst Franziskus tot: Wer übernimmt jetzt die Entscheidungen?

Die meisten Kardinäle schlafen im Gästehaus Santa Marta, einer Art Vatikan-Hotel mit 108 Suiten und mehreren Einzelzimmern. Auch Franziskus wohnte und starb in dem Gebäude. Am Dienstag findet das erste Treffen der Kongregation der Kardinäle statt. Es handelt sich um eines der Treffen der Kardinäle vor dem Konklave zur Wahl eines neuen Papstes.

Die Kardinäle dürfen dabei keine neuen Kirchengesetze erlassen oder andere weitreichenden Entscheidungen treffen. Im Vatikan behalten in der Sedisvakanz nur einige wenige Kardinäle ihr Amt, die anderen verlieren es. Die Männer sollen die Kirche in dieser Zeit nur verwalten, aber nicht regieren.

Diese 15 Kardinäle gelten als mögliche Nachfolger von Papst Franziskus (oben links bis rechts): Kardinal Matteo Zuppi (Italien), Kardinal Peter Erdo (Ungarn), Kardinal Fridolin Ambongo Besungu (Kongo),  Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson (Ghana), Kardinal Mario Grech (Malta). Zweite Reihe: der lateinische Patriarch von Jerusalem Pierbattista Pizzaballa (Italien), Kardinal Jean-Marc Aveline (Frankreich), der italienische Staatssekretär im Vatikan, Kardinal Pietro Parolin, Kardinal Anders Arborelius (Schweden), Kardinal Luis Tagle (Philippinen). Untere Reihe: Kardinal Claudio Gugerotti (Italien), Kardinal Robert Francis Prevost (USA), Kardinal Charles Maung Bo (Myanmar), Kardinal Jean-Claude Hollerich (Luxemburg), Kardinal Timothy Dolan (USA).
Diese 15 Kardinäle gelten als mögliche Nachfolger von Papst Franziskus (oben links bis rechts): Kardinal Matteo Zuppi (Italien), Kardinal Peter Erdo (Ungarn), Kardinal Fridolin Ambongo Besungu (Kongo), Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson (Ghana), Kardinal Mario Grech (Malta). Zweite Reihe: der lateinische Patriarch von Jerusalem Pierbattista Pizzaballa (Italien), Kardinal Jean-Marc Aveline (Frankreich), der italienische Staatssekretär im Vatikan, Kardinal Pietro Parolin, Kardinal Anders Arborelius (Schweden), Kardinal Luis Tagle (Philippinen). Untere Reihe: Kardinal Claudio Gugerotti (Italien), Kardinal Robert Francis Prevost (USA), Kardinal Charles Maung Bo (Myanmar), Kardinal Jean-Claude Hollerich (Luxemburg), Kardinal Timothy Dolan (USA).© AFP | OLEG VAROV

Bei den Generalversammlungen beraten die Kardinäle über praktische Fragen in Hinblick auf das Konklave, die Papst-Wahl. Sie debattieren auch über das Profil des künftigen Pontifex. Spätestens drei Wochen nach Franziskus‘ Tod beginnen alle Kardinäle unter 80 Jahren in der Sixtinischen Kapelle mit der Wahl des neuen Papstes. Derzeit sind 135 Kardinäle wahlberechtigt, darunter drei Deutsche. Die andere Hälfte ist zu alt für die Wahl, da nur Kardinäle, die nicht älter als 79 sind, teilnehmen dürfen.

Nach Papst Franziskus‘ Tod: Chef-Verwalter darf nicht an Wahl teilnehmen

Sprecher und Moderator des Kollegiums ist der Dekan, der italienische Kardinal Giovanni Battista Re. Der 91-Jährige trägt das Amt seit 2020, zuletzt hatte er die Osternachtsmesse zelebriert. Die wichtigste Aufgabe des Kardinaldekans ist es, nach einem Papsttod oder -rücktritt und während der Sedisvakanz das Interims-Kabinett der katholischen Weltkirche zu führen.

Osternacht im Rahmen der Feierlichkeiten zur Karwoche im Petersdom im Vatikan
Kardinal Giovanni Battista Re leitet das Kardinalskollegium und ist einer der dienstältesten Kardinäle. © action press | ALESSIA GIULIANI/IPA/SIPA

Re leitet die Versammlungen aller Kardinäle vor der Wahl, doch für das Konklave selbst ist auch er zu alt. Die Papst-Wahl übernimmt daher der ranghöchste Kardinalbischof unter 80 Jahren: Kardinal Pietro Parolin, 70 Jahre alt, wird die streng abgeschirmten Wahlversammlungen koordinieren.

Mehrere Namen kursieren derzeit für eine mögliche Papst-Nachfolge. Es gilt als sicher, dass die Kardinäle einen Mann aus den eigenen Reihen zum Papst wählen werden – auch wenn sie theoretisch jeden katholisch getauften Mann dazu bestimmen könnten. Zuletzt gab es 1378 einen Papst, der nicht aus dem Kardinalskollegium kam.

Wer wird Nachfolger von Papst Franziskus? So läuft die Wahl ab

Doch was passiert bei der Wahl? Die Kardinäle geben bei jedem Wahlgang unter Eid und anonym je einen Zettel mit einem Namen ab. Erhält ein Gewählter mehr als zwei Drittel der Stimmen und nimmt die Wahl an, ist er der designierte Papst. Bleibt ein Wahlgang erfolglos, verbrennen die Wahlhelfer die Stimmzettel unter Zusatz von schwärzenden Chemikalien. Dann entweicht dunkler Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle.

Nach dem erfolgreichen Wahlgang setzen die Wahlhelfer den verbrannten Stimmzetteln weiß färbende Chemikalien zu. Kurze Zeit nach dem weißen Rauch tritt der neu gewählte Papst auf den Balkon des Petersdoms und spricht seinen ersten Segen. Dann hat die Weltkirche ein neues Oberhaupt.