Die Gendarmen kamen am Dienstagmorgen um 6 Uhr nach Haute-Vernet. Ihr Ziel: das Haus von Philippe und Anne Vedovini, Großeltern des kleinen Émile, der an einem Nachmittag im Sommer 2023 spurlos verschwunden war. Fast ein Jahr später fand eine Wanderin die sterblichen Überreste des Kindes keine zwei Kilometer vom Haus der Verwandten entfernt, bei denen der Zweijährige zu Besuch gewesen war.

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Am Dienstag nahm die Polizei Émiles Großeltern sowie zwei ihrer erwachsenen Kinder in Untersuchungshaft Die Festnahme wurde von der französischen Staatsanwaltschaft mit den Tatbeständen „vorsätzlicher Tötung“ und „Unterschlagung einer Leiche“ begründet. Doch schon am Donnerstagmorgen die erneute Wende: Die Beschuldigten kamen wieder auf freien Fuß. Im Laufe des Tages wollen die Ermittler Auskunft über den Fall geben.
Fall Émile beschäftigte Frankreich – doch seine Familiengeschichte macht stutzig
Schon kurz nach dem Verschwinden des kleinen Jungen hatten Polizei und Medien seine Familie ins Visier genommen. Erste Ermittlungen waren jedoch zunächst im Sande verlaufen.

Dabei erscheint die Familiengeschichte durchaus bemerkenswert: Das Enthüllungsblatt „Le Canard Enchaîné“ berichtete von sehr strengen Benimmregeln in dem „Clan Vedovini“, wie Frankreichs Presse das Großelternpaar und ihre zehn Kinder sowie mehrere Enkel nennt.
Vor allem das Familienoberhaupt gilt als rigider Traditionalist, zu dessen Erziehungsmethoden offenbar auch knallende Ohrfeigen gehörten. Der 59-jährige Physiotherapeut und Osteopath war in der belgischen Religionsgemeinschaft Riaumont in einer Justizaffäre um Gewalt gegen Minderjährige vernommen worden.
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Der ehemalige Pfadfinder, der ein Mönchsgelübde abgelegt hatte, ließ sich „Bruder Philippe“ nennen. In der Presse präsentierte sich der Mann mit dem kurzen weißen Haar als „Guru“. In einem Interview sagte er über seine Reputation: „Ich gelte als Dominator, der alle terrorisiert. Das ist völlig falsch, und es juckt mich überhaupt nicht.“
Wanderin fand Kinderleiche – Polizei vermutete Wolfsangriff
Ermittlungen zur Großfamilie ergaben jedoch vorerst nichts, zumal der Fund von Émiles sterblichen Überresten von ihr abzulenken schien. Nach dem Verschwinden des Jungen war eine aufwändige Suchaktion mit Dutzenden von Polizisten, Angehörigen und Bewohnern des französischen Bergdorfs ohne Erfolg geblieben.

Als im Frühjahr 2024 nur etwa 25 Gehminuten vom Dorf entfernt der Schädel und die Zähne eines Kindes gefunden wurden, die allesamt Kratz- und Bissspuren aufwiesen, zog die Polizei zunächst einen Wolfsangriff in Betracht. Weitere Knochenfunde und zerfetzte Kleidungsstücke in der Nähe ließen keinen Zweifel mehr, dass es sich um Émiles sterbliche Überreste handelte.
Kurz vor Festnahme: Französische Polizei folgte neuem anonymem Hinweis
In den vergangenen Tagen hatte ein anonymer Hinweis die Ermittler wieder auf die Spur der Familie gebracht. Die Polizei stellte einen großen Blumentopf sicher, der bei einer Dorfkapelle die Durchfahrt von Autos verhinderte – und auf dem sich, wie aus Behördenkreisen zu vernehmen ist, Blutspuren befinden sollen. Ob der Fund in Zusammenhang mit der zwischenzeitlichen Untersuchungshaft der Familienmitglieder steht, ist unklar.
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Der Fall des kleinen Émile in Frankreich großes Aufsehen. Die Polizei suchte den Jungen, der gerade mal zweieinhalb Jahre alt war, auch mit Fotos. Die Spekulationen schossen ins Kraut, Journalisten und Neugierige schauten sich so zahlreich in dem Dorf um, dass der Bürgermeister den Zugang für Außenstehende untersagen musste. Dies verstärkte noch den Eindruck undurchsichtiger Dorf- und Familiengeschichten. Émile ruht seit einer berührenden Beerdigung im Februar auf dem Friedhof von Bouilladisse, dem Wohnort seiner Eltern nahe Aix-en-Provence.











