Eine italienische Kindergärtnerin ist vom Dienst suspendiert worden, nachdem sie sich freizügig auf der Erotik-Portal OnlyFans gezeigt hat. Die katholische Volksschule in der norditalienischen Stadt Treviso erwägt jetzt die Kündigung der 29-jährigen Elena Maraga. Ihr wird „unethisches Verhalten“ vorgeworfen. Sie wehrt sich gegen die Entlassung.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Alles begann, als die Mutter eines Kindes in Treviso über das private Instagram-Profil Maragas herausfand, dass dieses mit bezahlten OnlyFans-Inhalten verlinkt ist. Die Mutter meldete dies der Direktion des privaten Kindergartens. Der Leiter forderte die Lehrerin auf, ihr Profil auf OnlyFans sofort zu löschen. Er warf ihr vor, das Image des Kindergartens zu ruinieren. Der Vorfall wurde durch ein Post in einer lokalen Facebook-Gruppe publik gemacht und löste Proteste und Diskussionen aus.

Italienische Erzieherin wollte mit OnlyFans Gehalt aufbessern

Einige Eltern der Schulkinder verteidigten die Frau und behaupteten, dass ihre Online-Aktivitäten ihre Leistungen als Lehrerin nicht beeinträchtigen würden. Magara rechtfertigte sich mit der Begründung, mit OnlyFans wolle sie ihr spärliches Gehalt von 1.200 Euro monatlich aufrunden, mit dem sie kaum über die Runden käme. Ihre Fotos seien zwar erotisch, sie sei aber nicht nackt zu sehen. Viele Eltern der Kinder, die sie betreue, stünden auf ihrer Seite. „Sie haben mir geschrieben: ‚Sie sind eine fantastische Lehrerin, wir wollen Sie nicht verlieren‘“, verriet sie gegenüber Medien. Sollte sie entlassen werden, seien einige Eltern bereit, eine Petition mit Unterschriften für sie zu sammeln.

Die begeisterte Bodybuilderin kritisierte gegenüber der lokalen Tageszeitung „Corriere del Veneto“, dass im katholischen Italien ein Körper immer noch Tabu sei. „Ich finde, dass mein Körper ein schöner Anblick ist, wenn man bedenkt, welche sportlichen Opfer ich dafür leiste“, argumentierte Maraga.

Lesen Sie auch

Das Profil auf OnlyFans habe sie erst vor einem Monat eröffnet, um zu sehen, ob man damit wirklich Geld verdienen könne. Bisher habe sie 1400 Euro eingenommen. Das wolle sie nutzen, um auf eigenen Füßen zu stehen. Wegen ihres niedrigen Gehalts müsse sie noch mit den Eltern zusammenleben. Ihre Eltern hätten sie als „Schande der Familie“ bezeichnet, als sie von ihrem OnlyFans-Profil erfahren hatten, obwohl sie die veröffentlichten Fotos nicht gesehen haben.

Ihren Beruf als Kindergärtnerin wolle sie nicht aufgeben, denn sie liebe Kinder, erklärte Maraga. Schon in jungen Jahren habe sie den Traum gehegt, mit Kindern zu arbeiten, daher habe sie sich zu einem Pädagogik-Studium entschlossen. Nach dem Wirbel um ihre Entlassung wächst ihre Popularität. Die Zahl der Onlyfans-User ihres Accounts sei stark gewachsen.

Lesen Sie auch: Nudel-Betrug in Italien? Ermittlung gegen dubiose Pasta-Omas

Der Fall schlägt hohe Wellen. Das italienische Bildungsministerium will jetzt den bereits bestehenden Ethikkodex für das Personal der öffentlichen Verwaltung, darunter Lehrer, aktualisieren und eine ausführliche Seite über die korrekte Nutzung sozialer Netzwerke einbauen. Ein Ausschuss aus Juristen soll eng mit dem Bildungsministerium zusammenarbeiten, hieß es in Rom. Der nationale Verhaltenskodex für Angestellte des öffentlichen Dienstes wurde zuletzt 2023 aktualisiert. Es sieht vor, dass „Aussagen, Bilder oder Verhaltensweisen zu vermeiden sind, die dem Ansehen oder dem Ruf der öffentlichen Verwaltung schaden können“.

Ähnlicher Fall in Österreich: Erzieherin verlor Job

Elena ist nicht die erste Lehrerin, die wegen ihrer Tätigkeit auf Onlyfans Probleme bekommt. Die Bildungsdirektion Oberösterreich hatte im vergangenen Jahr eine Volksschullehrerin entlassen, weil diese unter dem Profilnamen „Orgasmus-Päpstin“ offenbar in sozialen Medien Ratschläge für ein erfülltes Sexualleben gab. Das Vertrauen in die Pädagogin sei durch dieses nebenberufliche Engagement nicht mehr gegeben gewesen, erklärte die Bildungsdirektion.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Instagram, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Laut einschlägiger Gesetze habe eine Pädagogin in ihrem gesamten Verhalten darauf zu achten, dass „das Vertrauen der Allgemeinheit in die sachliche Wahrnehmung ihrer dienstlichen Aufgaben erhalten bleibt“, hieß es in der schriftlichen Stellungnahme weiter. Dies sei im Fall jener Lehrerin nicht mehr gegeben gewesen. Die Betroffene hat inzwischen einen Anwalt beauftragt, gegen ihre Entlassung gerichtlich vorzugehen.  

Auch spannend: Italiens „Supermama“ gibt 2000 Euro im Monat für Essen aus

OnlyFans erlaubt seinen Teilnehmern Bilder und Videos hochzuladen, die nur von zahlenden Abonnenten angeschaut werden können. Die Userzahlen haben laut Medienberichten in der Corona-Krise vervielfacht. Das Portal hat eigenen Angaben zufolge rund 130 Millionen Abonnenten und etwa zwei Millionen aktive Nutzer, die Inhalte bereitstellen.

Doch wer mit der Erotik-Plattform leicht Geld verdienen will, muss es sich inzwischen genau überlegen. Die italienischen Steuerbehörden haben zuletzt Influencer auf OnlyFans verstärkt ins Visier genommen. Die Finanzpolizei in Bologna trieb elf Millionen Euro an unbezahlten Steuern von lokalen Influencern mit insgesamt 50 Millionen Followern ein.