Während die Große Koalition einen neuen Bundespräsidenten oder die erste Bundespräsidentin sucht, sitzt der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck in der Talkshow von Maybrit Illner, um Klartext zu sprechen.  

Am deutlichsten wird Gauck, wenn es um die Unterstützung der Ukraine geht. Diese halte er nicht nur moralisch für geboten, sondern auch klar im deutschen Interesse: „Ohne Unterstützung wird die Ukraine verlieren. Verliert die Ukraine, haben wir unter anderem ein riesiges Kostenproblem. Wir werden Millionen neuer Flüchtlinge haben, und ein aggressives Russland zwingt uns zu noch mehr Rüstungsausgaben.“ 

Was AfD und BSW vorschlagen, wäre deshalb laut Gauck fahrlässig: „Gezeigte Schwäche ermutigt den Aggressor, weiterzugehen. Deshalb ist diese angebliche Friedenspolitik eine friedensgefährdende Politik.“ 

„Maybrit Illner“: Gauck-Plädoyer kommt an

Vor dem anstehenden fünften Kriegswinter für die Ukraine hat Gauck einen Appell. Er ruft die 300 Partnerkommunen in Deutschland dazu auf, sich zu überlegen, wie man der Zivilbevölkerung in der Ukraine helfen kann, diesen Winter zu überstehen. Denn wieder ist davon auszugehen, dass Putin in den Städten die Stromversorgung angreifen wird. 

Wenn aus den Kommunen etwas komme, könne man zeigen: „Das ist nicht nur eine Sache der Regierenden, sondern wir, die Bevölkerung, wollen mit den Opfern der Aggression solidarisch sein. Das sind unsere Mitmenschen, denen wir helfen, wenn sie ihre Freiheit verteidigen wollen.“ 

In der zweiten Hälfte der Sendung, als Illner drei weitere Gäste begrüßt, lobt Podcaster Paul Ronzheimer Gaucks Haltung: „Warum hält der Bundeskanzler nicht öfter so eine Rede?“ fragt der Podcaster Paul Ronzheimer. Später bringt er Gauck scherzhaft für eine zweite Amtszeit als Bundespräsident ins Spiel. 

„Gen Z regelt“: Weiß Gauck, was die Jugend auf die Straße treibt? 

Doch Illner bemerkt, dass Gauck das bereits ausgeschlossen hat. Immerhin ist er bereits 86 Jahre alt, auch wenn er im Gespräch deutlich jünger wirkt. Ob trotzdem ausgerechnet Gauck der Richtige ist, um die für Samstag angekündigten Jugendproteste einzuordnen, ist zweifelhaft. 

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Die Frage verfolgt Merz bis ans andere Ende der Welt
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Er behauptet zwar als Urgroßvater, einen Blick für die Sorgen junger Menschen zu haben. Als Beispiel für deren Unmut nennt Gauck die Rentendebatte, bei der die junge Generation übersehen werde. Gauck ist hier aber nicht wirklich am Puls der Jugend: Denn das junge Demonstrationsbündnis „Gen Z regelt“, das die Demonstrationen am Wochenende organisiert, hat zwar viele Forderungen, aber keine betrifft die Rente. 

Da ist die 48-jährige Melanie Amann, Chefredakteurin Digital der FUNKE Zentralredaktion, zu der auch diese Redaktion gehört, etwas näher dran. Sie äußert Verständnis für die Sorgen junger Menschen, zum Beispiel vor der Wehrpflicht. So würden sich Jugendliche fragen, was sie einem Staat schuldig seien, der ihnen kaum berufliche Perspektiven biete und Schulen und Universitäten kaputtspare. Sie schließt: „Ich glaube, vielleicht würde ich als 18-Jährige auch demonstrieren gehen.“ 

Historiker sieht wachsende Ungleichheit als „Gift für die Demokratie“ 

Der Historiker Philipp Blom warnt vor einer Abkehr junger Menschen von der Demokratie: „Seit den 80er-Jahren verdienen normale Menschen nicht mehr. Sie können sich abstrampeln, wie sie wollen, sie kommen eigentlich nicht weiter. Währenddessen hat sich die Zahl der Milliardäre ungefähr verzwanzigfacht. Und dann sagt man als kleiner Mensch auf der Straße: Wenn das die tolle liberale Demokratie ist, dann brauche ich die vielleicht nicht.“ 

Aktuelle News zum Ukraine-Krieg

Als Tabubruch nennt Blom die Finanzkrise 2008: „Da haben viele Millionen Menschen gesehen: Die da oben leben nach anderen Regeln als wir.“ Denn nach zwei Jahren hätten Banker wieder höhere Boni bekommen als davor, während die Steuerzahler die Bankenrettung hätten finanzieren müssen. „Das ist natürlich Gift für die Demokratie“, meint Blom.