Florian Schroeder beginnt seine neue Show mit einer Ansage: „Herzlich willkommen hier beim Journal Deluxe, und ganz besonders liebe Linke: Salam aleikum, ich küss dein Herz, Bruder.“ Publikum, Skyline – und Schroeder spielt die Rolle, die ihm das Internet zugedacht hat.

„Wir sind die Comedyshow, die sich nur über Linke und Grüne lustig macht“, kündigt er an. Es folgt die „Tempo-250-Zone des politisch inkorrekten Witzes“: „Ich bremse nicht für Wokies.“ Sponsor des Abends: „Deutschländerwürstchen“. „Was macht der Schröder denn da?“, fragt er vorsorglich selbst. Seine Antwort: „Das hier ist die konsequente Umsetzung einer alten ZDF-Idee, nämlich des Wunschfernsehens.“

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Schon vor dem Start wurde über den vermeintlichen „ZDF Magazin Royale“-Nachfolger gestritten: Sollten tatsächlich vor allem Linke und Grüne dran glauben?

Aus einem internen Konzept ging hervor, dass besonders Grüne und Linke ins Visier geraten sollten. Schroeder nutzt den Ärger als Steilvorlage: Online sei er zugleich als links- und rechtsextrem bezeichnet worden. „Man nennt mich auch den Ulrich Siegmund der Comedy“, spottet er. Vorerst liefern die Hater die Pointen.

Florian Schroeder trifft Ricarda Lang: Grüne unter Beschuss  

Sein erster Gast ist Grünen-Politikerin Ricarda Lang. „Die Frage ist ja: Zerstören sich die Grünen nicht eh gerade selbst?“, will Schroeder wissen. Annalena Baerbock sei in New York, Robert Habeck schreibe Bücher und Cem Özdemir habe das Grünen-Logo im Wahlkampf beinahe verschwinden lassen. Ob das eine Art politisches „Blackfacing“ sei, will der Moderator wissen. 

Lang kontert gelassen: „Wenn ich in die Bundesregierung schaue, dann ist die Frage, ob Schwarz jetzt die Erfolgsfarbe ist – da könnte man doch ein relativ großes Fragezeichen dran machen.“  Punkt für Lang.

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Klimapolitik und ein einseitiges Publikum im Studio

Lang kritisiert die Energiepolitik der Regierung, nennt die zahlreichen Treffen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche mit der Energiebranche und sagt: „Klimaschutz ist eine Grundvoraussetzung für Leben in Freiheit, Sicherheit und Würde.“ Das Publikum jubelt. Lang schaut in die Runde: „Das Publikum wurde nicht gut gebrieft, was es für ne Sendung sein soll, oder?“ Schroeder: „Ich finde auch, das Publikum ist mir zu einseitig.“

Es soll ja auch noch um die Linken gehen, wenn man dem Konzeptpapier glaubt. Lang erwartet Konsequenzen bei Antisemitismus, will aber nicht jede Kritik als Dämonisierung gelten lassen. „Das, was wir in den letzten Wochen erlebt haben, ist ja eine Art rote-Socken-Kampagne auf Crack“, sagt sie. „Die Dämonisierung der Berliner Linken öffnet auf der einen Seite die Tore hin zu den Rechten.“ Und dann, trocken: „Aber verarschen kann ich mich auch alleine.“ 

Zum Abschluss fragt Schroeder, ob er hier „die zukünftige Bundeskanzlerin“ zu Gast habe. Antwortet Lang: „Das ist auf jeden Fall nicht geplant.“  

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Männer, Dating und eine Brandmauer durchs Bett  

In der Rubrik „POV“ wendet sich Schroeder der Männerfrage zu. „Es geht um Männer, oder was von ihnen übriggeblieben ist“, sagt er. „Entweder sind Männer Loser, oder sie sind Bastarde.“ Er karikiert den Druck, der auf jungen Männern lastet, und den Aufstieg von „Looksmaxxing“: Männer würden sich „für ne bessere Gesichtsform die Fresse polieren“.  

„Linke, schlaue Frauen wollen keine rechten Männer“, fasst Schroeder zusammen. „Die Frauen schaffen hier genau das, was die CDU nicht hinkriegt: eine funktionierende Brandmauer – und zwar genau durchs eigene Bett.“ Das führt er dann zur Demografie: weniger Kinder, mehr Zuwanderung. Es ist eine typische Schroeder-Kette: erst Witz, dann Übertreibung, dann ein politischer Nerv.

Mit „Welt“-Moderatorin Dorothea Schupelius und „SZ“-Journalist Ronen Steinke wird es politisch breiter. Schupelius verortet sich rechts: „Ich bin eine aufgeklärte, junge Dame.“ Auf die Frage nach linkem Mainstream scherzt sie: „Als gute Axel-Springer-Journalistin muss ich jetzt natürlich sofort mahnend über die Öffentlich-Rechtlichen sprechen.“ Sie sieht allerdings keinen.

Ernst wird es, wenn es um Pressefreiheit geht

Beim versuchten Verbot des rechten Magazins „Compact“ wird Steinke deutlich: „Eine Demokratie verbietet keine Zeitung.“ Auch die Durchsuchung bei der „Zeit“ im Fall Block kritisiert er als Eingriff in die Pressefreiheit. Bei Verfahren wegen scharfer Kritik an Politikern fragt er: „Ein bisschen Frechheit muss doch erlaubt sein. Wo kommen wir denn dahin?“ Die Runde ist sachlich, echte Reibung bleibt selten.

Die erste „Jww“-Ausgabe ist streckenweise klug, stellenweise komisch und oft eher ein flotter Polit-Talk als wilde Satire. Wer hier den rechten Gegen-Böhmermann erwartet hat, bekommt ihn nicht. Wer auf eine Neuerfindung der Late Night gehofft hat, allerdings auch nicht. Die größte Pointe bleibt, dass sich vorher alle darüber gestritten haben, was in dieser Sendung wohl passieren würde. Und so schlimm war’s am Ende gar nicht.