Berlinale

Dieter Kosslick: „Warum essen Veganer kein Huhn?“

Gut gelaunt und scherzend empfing der Berlinale-Chef Kosslick die Journalisten zwischen den Foodtrucks am Potsdamer Platz.

Berlinale-Chef Dieter Kosslick posiert auf der Pressekonferenz der Internationalen Filmfestspiele Berlin zur 66. Berlinale

Berlinale-Chef Dieter Kosslick posiert auf der Pressekonferenz der Internationalen Filmfestspiele Berlin zur 66. Berlinale

Foto: Jens Kalaene / dpa

Festivalchef Dieter Kosslick ist bester Dinge, vielleicht auch weil der Himmel über dem Potsdamer Platz gerade ein paar Wolken umsortiert hat und für ein paar Minuten so etwas wie Frühling simuliert.

Er begrüßt die Journalisten, unter ihnen der RBB-Moderator Ulli Zelle, als „Ulli und die grauen Zellen“, weiß dann zu berichten, dass Jurypräsidentin Meryl Streep schon in Berlin und ebenfalls bester Dinge sei – und dann kommt ein Witz. „Warum essen Veganer kein Huhn?“, fragt Kosslick und lächelt in die Runde. „Weil da Ei drin ist.“

Niemand schüttet sich aus oder wirft mit Konfetti, aber es passt trotzdem ganz gut. Denn bevor der Rote Teppich betreten und das Blitzlicht auf Dauerbetrieb gestellt wird, geht es hier erst einmal ganz prosaisch ums Essen.

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Obwohl, so prosaisch dann auch wieder nicht. Denn es sind ja nicht irgendwelche Mampfbuden, die in der Joseph-von-Eichendorff-Gasse einen Steinwurf vom Berlinale Palast Station gemacht haben. Zum zweiten Mal in Folge leisten die Foodtrucks Erste Hilfe in der kulinarischen No-go-Area am Potsdamer Platz, wo das höchste der Gefühle sonst McDonald’s heißt.

Entstanden ist das Ganze durch eine Kooperation der Kreuzberger Markthalle Neun mit Slowfood Berlin und dem Kulinarischen Kino, das sich nun schon zum zehnten Mal auf der Berlinale um den großen Kulturkreis des Essens verdient macht.

Zwischen Spätzletellern, gefüllten Pfannkuchen und „Pulled Pork“

Kosslick schreitet die fünf Trucks ab, die die Küche aus den verschiedenen Regionen des Kochuniversums repräsentieren. Dass der „Heiße Hobel“ aus dem Allgäu mit seinen Spätzletellern für den gebürtigen Pforzheimer dabei ein Fixstern ist, versteht sich von selbst.

Direkt daneben kann man wahlweise Stippvisiten in Südindien oder in den Südstaaten unternehmen. „Chutnify“ heißt der eine, in dem Inhaberin Apama Aurora mit Curries und gefüllten Pfannkuchen beweist, dass indische Küche nicht synonym ist mit unfrohem Samosa-Verzehr nach dem Studium fettiger Speisekarten – diesen Eindruck kann man in Berlin nämlich ziemlich schnell gewinnen.

Und der andere heißt „Big Stuff Smoked BBQ“ und hat unter anderem „Pulled Pork“ im Angebot, das mit verschiedenen Soßen, gehobeltem Apfel und auf Wunsch mit Käse im Brötchen überreicht wird. Schließlich ist da noch der Wagen, den die Berliner Flüchtlingsinitiative „Über den Tellerrand kochen“ und der sardische Sternekoch Roberto Petza ins Leben bewirtschaften.

Da kommen nicht nur Syrien und Italien auf interessante Weise zusammen, sondern da wird mit pochiertem Ei auf Kartoffelcreme mit Trüffeln und gerösteten Zwiebeln auch dem notorischen Pizza-Pasta-Klischee der Kampf angesagt.

Nur günstig ist das alles nicht. Wenn man noch ein Getränk dazu nimmt, ist man bei überschaubaren Portionen schnell mit zehn Euro oder mehr dabei. Dieter Kosslick lädt also auch zum Nachdenken darüber ein, ob Sparsamkeit ausgerechnet beim Essen eine gute Idee ist – und wohin sie führt. Dann nimmt er noch einen Schluck Kaffee und verschwindet.

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