Zoo Palast

Artur Brauner: Ein Abend für den letzten Tycoon

Der Zoo Palast richtete Artur Brauner eine große Gala zum 100. Geburtstag aus. Und alle kamen. Durch den Abend führten seine Enkel.

Die Gala zum 100. Geburtstag von Artur Brauner im Zoo Palast

Die Gala zum 100. Geburtstag von Artur Brauner im Zoo Palast

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin. Kommt er oder kommt er nicht? Das war bis zum Schluss die bange Frage. Am 1. August ist Artur Brauner 100 Jahre alt geworden. Ein stolzes, aber auch zehrendes Alter. Der Tod seiner geliebten Frau vor einem Jahr hat ihm schwer zugesetzt. Es gibt, wie seine Tochter Alice Brauner verriet, gute und weniger gute Tage. Aber der Sonnabend war glücklicherweise ein guter.

Denn der Zoo Palast, in dem so viele Artur-Brauner-Produktionen ihre Premiere erlebten, richtete noch einmal eine große Gala für Artur Brauner aus. Schon von weitem gut zu sehen mit einem riesigen Plakat auf der Fassade. Und Brauner kommt bestens gelaunt, wenn er auch den roten Teppich scheut und lieber den Nebeneingang nimmt.

Und alle, alle kommen. Schauspieler wie Eva Mattes, Klaus Maria Brandauer und Armin Mueller-Stahl, Politiker wie Berlins einstiger Regierender Bürgermeister Walter Momper (SPD) oder der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff, Mario Adorf, obwohl er an diesem Tag selber seinen 88. Geburtstag feiert, und der 93-jährige Holocaust-Überlebende Sally Perel, dessen unglaubliches Schicksal Brauner in „Hitlerjunge Salomon“, ei­nem seiner wichtigsten Filme, erzählte.

Zwei enge Freunde huldigen Brauner dann sehr persönlich. Erst Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), die noch einmal an seine großen Filme gegen das Vergessen erinnert und auch gesteht, wie sie bei Brauner oft einfach nur zuhört, was sonst eher selten vorkomme. Und dann der Axel-Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner, der ein Manuskript von Brauner kennt, wie dieser den Holocaust überlebt hat, und ihn dringend bittet, das zu veröffentlichen. Döpfner erinnert aber auch an viele gemeinsame Abende, an denen viel Wodka getrunken wurde und Brauner am Ende seiner Maria immer das Lied „Ich hab’ dich so viel lieb“ gesungen hätte.

Momente, die keinen unberührt lassen. Durch den Abend führen sehr charmant, als würden sie nie etwas anderes tun, seine Enkel Ben und David - und erfüllen damit, wie sie frotzeln, schon mal das wichtigste Kriterium des Großvaters: „Uns gibt’s umsonst.“ Dann wird die Dokumentation „Der Unerschrockene“ gezeigt, in dem viele Zeitzeugen zu Wort kommen, die auch im Saal sitzen. Danach wird ihm die Ehrenmedaille der Spio, der Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft, überreicht. Im Sitzen. Und der ganze Saal singt „Happy Birthday“. Ein großer, bewegender Abend für, wie die Enkel treffend sagen, „Deutschlands letzten Tycoon“.

Mehr zum Thema:

Warum die Brauners sauer über den „Adlon“-Dreiteiler waren

100 Jahre Artur Brauner - Das Vermächtnis

100 Jahre Artur Brauner: Kino wider das Vergessen

100 Jahre Artur Brauner: Die Gründung eines Imperiums

Artur Brauner: Das Gelübde für ein ganzes Leben

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.