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ich will ja nicht sagen: „Ich hatte recht!“ Aber ich hatte recht. Das „mal wieder“ spare ich mir bescheidenerweise. Recht hatte ich, als ich vergangene Woche schrieb, dass das Morgenpost-Menü sicher großartig werden würde, auch wenn ich es erst am Montag nach meiner Rückkehr von der „CdA“, der Côte d‘Azur also, würde verkosten können. Nun, ich kann es nicht anders sagen, es hat einfach wieder richtig viel Spaß gemacht.

Genießen in Berlin – die besten Restaurants, die neusten Trends:

Morgenpost-Menü August Fjord by Munch's Hus
Kenneth Gjerrud und Angelika Koryluk auf der Terrasse des „Fjord by Munch’s Hus“.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Besitzer und Küchenchef, seine Partnerin, die beiden Hunde Arko und Rudy … Ach, Sie wissen jetzt schon, wo es hingeht? Kompliment, Sie sind ein Connaisseur oder eine Connaisseurin. Kennern des Morgenpost-Menüs wie Ihnen kann man halt nichts vormachen. Für alle anderen oder neu Hinzugekommenen: Die Rede ist natürlich vom „Fjord“ in Schöneberg, korrekterweise „Fjord by Munch‘s Hus“, auch wenn es das Stammhaus nicht mehr gibt. Der aus Norwegen stammende Besitzer und Koch Kenneth Gjerrud und Angelika Koryluk empfangen dort mit einem warmen Lächeln, tollen Weinen und Gerichten, die nicht nur hohen Ansprüchen genügen, sondern genau diese „Hyggeligkeit“ haben, die man braucht, um sich rundum wohlzufühlen. Hinzukommt, dass bei mir immer Nostalgie wach wird. Meine erste „Flamme“ wohnte in der Nähe und wir gingen häufig dorthin. Damals hieß das Restaurant „Carrousel“, wenn ich mich recht entsinne, und ich aß dort immer den Thunfischsalat. Schön mit einer cremig-mayonnaisigen Soße. Brrr. Es waren die Endachtziger, die Zeiten anders.

Gjerrud kocht natürlich anders. Er kombiniert wie immer Gerichte aus diversen nordischen Ländern. Kein Wunder, ist er doch auch Küchenchef der Kantine in den Nordischen Botschaften im Felleshus in der Rauchstraße in Tiergarten. Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden sind dort diplomatisch vertreten. Eins ist bei seinen Menüs und Tastings allerdings immer Standard: Jedes Mal gibt es ein Smørrebrød. Ein echtes Nationalheiligtum der Dänen, das mit unserer „Stulle“, Schnittchen oder einem „Sandwich“ nichts zu tun hat.

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Ein „Sangwisch“ zum Wegwerfen

Ich hatte erst zwei Tage vorher ein „Sandwich Jambon Emmental“ auf dem Flughafen von Nizza gekauft, für stolze 5,90 Euro. Die Franzosen sprechen das übrigens „Sangwisch“ aus. Offen gesagt, es war eine Schande, „une honte“, „dégueulassant“, ekelerregend. Watteähnliches Weißbrot, Baguette will ich das nicht nennen, das offenbar ordentlich Zucker enthielt, weil es so süß schmeckte. Klebrig-schmieriger Industriekäse, der eher an Schmelzkäse erinnerte denn an Emmentaler, ein Kochschinken, bei dem ich mir nicht ausmalen wollte, von was für einem Schwein der stammen sollte. Ich bin ein fanatischer Gegner von „Gaspillage“, also Verschwendung von Lebensmitteln, aber nachdem ich drei Bissen im Flieger runtergewürgt hatte und die ersten Anzeichen eines infernalischen Sodbrennens spürte, warf ich den Rest in den Müllsack der Flugbegleitung. Selbst die Franzosen können also ekliges Essen produzieren. Und ich dachte wieder einmal an den allseits verhassten Restaurantkritiker Antón Ego aus „Ratatouille“, der so treffend bemerkte: „Ich mag Essen nicht; ich liebe es. Wenn ich es nicht liebe, schlucke ich es nicht.“

Zum Glück tat Gjerrud alles, um mir diese schlechte Erinnerung zu nehmen. Denn seine „Stulle“ schluckte ich nur zu gerne. Und nicht nur das, ich genoss sie in vollen Zügen. Stellen Sie sich eine kernige Scheibe Brot vor, darauf eine selbstgeräucherte Rinder-Pastrami und dünn aufgeschnitten. Darauf karamellisierte Pfirsiche, ein Apfel-Zwiebel-Relish und frische Kräuter. Haben Sie es? Wirklich? Ja, genau, ich bekomme auch gerade schon wieder Hunger.

Morgenpost-Menü August Fjord by Munch's Hus
Smørrebrød mit Rinder-Pastrami, karamellisierten Pfirsichen, Apfel-Zwiebel-Relish und frischen Kräutern. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Zuvor hatte er mich und den Fotografen (der das Smørrebrød übrigens dieses Mal stilsicher mit Messer und Gabel anging, nicht mit der Hand wie früher, worauf er mich auch explizit aufmerksam machte) schon mit einer flambierten Bernsteinmakrele abgeholt, die er mutig mit einer Tapenade aus Umeboshi, also japanischen Salzpflaumen, mariniertem Gurkensalat und geröstetem Sauerteigbrot kombiniert hatte. Das Brot dazu ist mit Jarlberg-Käse überbacken, ein schmelzig-sündiger Traum, der perfekt mit den Ceviche-ähnlichen Aromen der Makrele harmonierte.

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Gjerrud hat sich beim Wareneinsatz nicht lumpen lassen

An dieser Stelle waren wir beide schon mehr als glücklich. Aber es ging natürlich noch weiter: Eine Pfifferlings-Cremesuppe kombiniert Gjerrud mit Elchschinken. Das Rinderfilet im Hauptgang wird von gezupftem Rentier, gebratenen Pfifferlingen, einer Soße vom Sancho, also dem japanischen Bergpfeffer (sensationell), und einem Sellerie-Kartoffelpüree sowie glasierter roter Bete begleitet. Und Panekaker gibt es zum Abschluss, Pfannkuchen mit kandierten Kirschen und einem Holundersorbet.

Sie sehen also: Gjerrud hat sich beim Wareneinsatz nicht lumpen lassen. Allein die Bernsteinmakrele und das Rinderfilet sind „Gold“ wert. Als ich ihn darauf ansprach, verzog er zwar etwas schmerzlich das Gesicht, meinte aber auch: „Naja, wir wollen ja auch, dass die Gäste kommen.“

Sonnabend

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Da liegt der Ball natürlich bei Ihnen. Der Fotograf entschied jedenfalls noch beim Probeessen, dass er wiederkommen wolle, als zahlender Gast. Und selbst ein Gastro-Kollege, dem ich von dem Menü erzählte, möchte mit seiner Frau hingehen. Sie sollten also nicht zu lange überlegen. Reservieren können Sie ab 17 Uhr per Telefon oder natürlich per E-Mail. Hier gibt es alle Details, auch zu den perfekt von Koryluk ausgewählten Weinen.

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Gastro-News der Woche

  • The Knast: Am Samstag, den 1. August 2026, laden Küchenchef Michael Zscharschuch und Ex-Sternekoch Tim Tanneberger von 17 bis 21 Uhr zur großen Kitchenparty in den „The Knast“ nach Berlin-Lichterfelde. An verschiedenen Stationen im Zellentrakt – und bei gutem Wetter im Garten – servieren die beiden Köche mit ihren Teams außergewöhnliche Gerichte als hors d’œuvre. 17 bis 21 Uhr, Söhtstraße 7, Berlin-Lichterfelde, 79 Euro pro Person, inklusive Wasser und einem Glas Crémant zur Begrüßung. Tickets und Infos über Eventbrite. 
  • Kebap with Attitude: Die Kultmarke aus der Gipsstraße in Mitte hat bereits im Mai ein zweites Restaurant eröffnet. Der neue Standort liegt an der Bergmannstraße 5 in Kreuzberg, wie jetzt bekannt wurde. Nach dem Erfolg des ersten Standorts in Mitte bringt das Team sein „New Wave Kebap“-Konzept mit handgestecktem Yaprak-Fleisch, regionalen Zutaten und Signature-Kreationen wie dem Funky Mango Kebap nun nach Kreuzberg. Infos: www.kebapyourlife.de
  • Goldies Bar im KaDeWe: Mit dem neuen All Day Breakfast bringt das Team hinter Goldies ab sofort Hash Browns, Pancakes und Breakfast Burger auf die Karte in der „Sechsten“ des KaDeWe. Dazu gibt es Filter Coffee mit freiem Nachschenken und Breakfast Drinks wie Vladi Mary, Mimosa und Espresso Tonic. Neu auf der Karte sind auch Hotdogs. Mo.-Do. 11-20 Uhr, Fr./Sa. 11-23 Uhr, Tauentzienstraße 21–24, Berlin-Schöneberg. Zu finden zwischen den Bereichen „Drinks & Snacks“ und „American Snacks“, direkt neben dem Wirtshaus Laggner Schwemme.
  • Hotel Luc: Das bisherige Restaurant „Heritage“ im „Hotel Luc“ am Gendarmenmarkt (vorher das „Aigner“) firmiert um und führt ein neues Konzept ein. Künftig heißt es „You“. Statt auf Fine Dining setze man auf eine „Haltung, die urban, locker und zugleich hochwertig“ ist. Morgens gibt es Frühstück, mittags Lunch, später am Abend gibt es einen Mix aus Restaurant, Bar und Lounge. Neuer Küchenchef ist Nico Goebel, der eine umkomplizierte Küche ohne Abstriche bei der Qualität anstrebt. Täglich, 6.30 – 11 Uhr Frühstück, 12 – 18 Uhr Mittagessen, 18 – 23 Uhr Abendessen, 22.30 Uhr Küchenschluss. Charlottenstr. 52, Berlin-Mitte, https://you-berlin.de/.

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Popcorn mit Knalleffekt: Zehn Jahre Knalle

Knalle Popkornditorei
Christopher Peter, André Göbel und Lucie Krautien (von links) sind die Gründer von Knalle.© Knalle | Knalle

Wer ins Kino geht, der hat ja nicht die größte kulinarische Auswahl. In den meisten Kinos jedenfalls nicht – wobei mein letzter Besuch schon ein paar Jahre her ist, für Teil 9 von „Star Wars“ (ich bin Fan der ersten Stunde). Nachos mit scharfer Sauce oder Käseschmier (igitt, siehe oben), Chips (och nö), Eis oder Eiskonfekt (schön, weil man im Dunkeln nicht sieht, wo man hinkleckert). Oder Popcorn. Bei dem nach meinem Dafürhalten selbst die kleinste erhältliche Portionsgröße noch ausreicht, um einen Elefanten satt zu bekommen. Und hier kommt immer dieselbe Frage: süß oder salzig? Wie halten Sie es? Ich bin eindeutig Fraktion Süß.

Ich bin aber auch Fraktion „Boah, ist mir schlecht“, vor allem, wenn der Film Überlänge hat und man viel mehr von diesem Eimer in sich hineingefuttert hat, als gut für einen ist. Auch ein Grund, warum ich kaum ins Kino gehe. Das ist also die Standard-Version von Popcorn. Gepuffter Mais, „gepoppt“ möchte ich das aus offensichtlichen Gründen lieber nicht nennen.

Knalle Popkornditorei
Das Popcorn wird bei Knalle immer gebacken.© Knalle | Knalle

Und dann gibt es Knalle. Auch Popcorn. Aber vom Kino-Popcorn (oder dem von Paul Newman, ja, dem Schauspieler, das Zeug für die Mikrowelle) so weit entfernt, wie mein „Sandwich Jambon Fromage“ von dem Smørrebrød im „Fjord“. Das Geheimnis ist zum einen die Qualität. Besonderer Mais, in Heißluft „gepoppt“ (mir fällt kein unverfänglicheres Wort ein), in Karamell gebadet, im Ofen gebacken. Auch bei einer geöffneten Tüte bleibt das Ganze fluffig und knusprig. Und dann sind da die Geschmacksrichtungen. Butter-Karamell mit Tahiti-Vanille, dunkle Schokolade mit gerösteter Mandel, Franzbrötchen/Zimtschnecke, Tomate mit mediterranen Kräutern und so weiter.

Acht Sorten sind ständig im Programm. Nicht mehr. Nicht weniger. Dazu kommen saisonale Sorten wie eben die erwähnte Tomate. Und zwei limitierte Sondereditionen, die in Zusammenarbeit mit Tim Raue entstanden sind (der hat seine Finger einfach überall drin 😉). Der Grund? Qualität. Knalle kann man nicht im Supermarkt kaufen. Warum das so ist, welche die beliebtesten Sorten sind und wie die Geschichte der Berliner Popkornditorei ist, das hat Stefanie Hofeditz für Sie bei einem Besuch herausgefunden.

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Feine Brände aus Brandenburg

Die Feinbrennerei
Gründerin und Geschäftsführerin der „Feinbrennerei“: Jana Müller.© Die Feinbrennerei | Robert Lehmann

Kennen Sie den? Kommt ein Mann in eine Kneipe. Er bestellt ein Herrengedeck, also einen „Langen“ und einen „Kurzen“, heißt: ein Bier und ein Korn. Das Bier trinkt er, den Korn kippt er weg. Dann bestellt er das Gleiche noch einmal. Dieses Mal trinkt er beides. Das geht eine Weile Tag für Tag so. Der Wirt wundert sich. Schließlich fragt er den Gast, warum er den ersten Korn immer wegschütte. „Na, ist doch klar“, sagt der, „der erste schmeckt immer am schlimmsten.“

Ja, ja, ich weiß, der hat einen Bart, ist Asbach und angestaubt. Aber immer noch lustig, wie ich finde. Und lehrreich. Er erinnert mich daran, wie ich mir an einem Silvesterabend vor rund 30 oder mehr Jahren fürchterlich einen mit Linie Aquavit angetrunken habe. An den Kater am Neujahrsmorgen kann ich mich bis heute erinnern. Und er mahnt, keinen „Fusel“ zu trinken, sondern gute Sachen, wenn überhaupt schon mal.

Neben der Industrieware aus dem Supermarkt gibt es inzwischen reichlich kleine Manufakturen, die solche „Leckerlis“ herstellen. Die haben ihren Preis, sicher, aber da kippt man garantiert nicht den ersten weg. Sondern man genießt sein Gläschen wie ein Praliné. Und solche feinen Brände stellt Jana Müller im Schatten des Schiffshebewerks Niederfinow in Brandenburg her. Ihr Betrieb nennt sich „Die Feinbrennerei“, ihr Hofladen ist inzwischen Treffpunkt für Ausflügler. Sie verarbeitet Früchte aus der Region, aber auch darüber hinaus.

Manuela Blisse hat einen Ausflug nach Brandenburg gemacht und Jana Müller getroffen. Hier erzählt sie ihre Geschichte. Vielleicht verbinden Sie Ihren nächsten Besuch im Barnim auch mit einem Abstecher nach Niederfinow.

Damit setze ich mal wieder den Korken auf die Flasche und stelle sie in die Bar zurück. Ihnen wünsche ich angenehme Sommertage, ob in Berlin oder an Ihrem Urlaubsort, beim Morgenpost-Menü (das im „Carl & Sophie“ am Spreeufer ist auch großartig), mit Popcorn oder einem Schlückchen in Ehren. Das kann Ihnen niemand verwehren. Eine genussvolle Woche und bis nächsten Samstag.

Herzlich, Ihr

Alexander Uhl

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