Es piept. Nicht zu laut, nicht zu leise, in jedem Fall gut hörbar. „Keine Sorge“, ruft Mitarbeiter Thomas Riesener und läuft über den Hof auf das backsteinerne Gebäude zu. Ein paar Minuten später piept es noch einmal. „Das Faulenzen ist jetzt vorbei“, schmunzelt er und rüstet sich mit ein paar Holzscheiten – Ulme und Buche aus dem dortigen Wäldchen – aus. Die Brenntemperatur sei jetzt erreicht, informiert er noch, bevor er seine ganze Aufmerksamkeit dem kupfernen Brennkessel widmet. „Wir brennen gerade Heidelbeergeist mit Bio-Früchten aus dem Obstgarten Schildow“, stellt Jana Müller ein Produkt ihrer Manufaktur vor. Seit sie „Die Feinbrennerei“ vor sieben Jahren eröffnet hat, gibt es im brandenburgischen Niederfinow nicht nur das Schiffshebewerk zu bestaunen, sondern eben auch ihre fußläufig entfernte kleine Brennerei.
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Als gläserne Produktionsstätte kann man „Die Feinbrennerei“ bezeichnen, denn Interessierte können zuschauen, wie handwerklich hergestellte Brände, Geiste und Liköre entstehen, sie verkosten und im Hofladen kaufen. Man muss dafür nur ein bisschen Zeit in Kauf nehmen – perfekt lässt sich der Besuch als Tagesausflug planen. Wenn auch nicht einmal 70 Kilometer vom Berliner Zentrum entfernt, dauert die Anreise mit dem Auto gut Eindreiviertelstunden. Bequem geht es mit der Regionalbahn nach Niederfinow; der Ort hat einen eigenen Bahnhof.
Unmittelbar an der kleinen, direkt aufs Schiffshebewerk führenden Straße hat die gebürtige Berlinerin ein Kleinod erschaffen. Dass sich dort einst ein Schweine- und ein Pferdestall befanden, lässt sich heute nicht mehr erahnen. Wohl aber die besondere Atmosphäre dieses Hofes.
Eine Brennerei zu eröffnen, war im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee.
Jana Müller,, Gründerin von „Die Feinbrennerei“
„Eine Brennerei zu eröffnen, war im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee“, erinnert sich die 39-Jährige. Sie und ihr Mann hatten damals gute Jobs in der Filmbranche. Doch die Krebsdiagnose ihres Mannes, die gemeinsame Leidenschaft für gutes Essen und Trinken, die Lust aufs Landleben und etwas mit den Händen zu produzieren sowie die Erkenntnis „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ brachten sie nach Niederfinow. Ihr Mann habe an der Uni Hohenheim in Stuttgart Brennerei-Kurse gemacht, ihr sein Wissen weitergegeben.
Anfangs pendelte das Paar wegen der zwei schulpflichtigen Kinder noch, dann folgte der endgültige Umzug von Berlin in den Landkreis Barnim.
„Was ich bis dato nicht wusste: Ich kann extrem gut riechen und schmecken“, so Jana Müller. Hinzu kommen ihre Leidenschaft und Begeisterung für die Kunst und das Handwerk, aus Obst geistige Getränke zu kreieren. „Ich entwickle alle Rezepte, habe den Geschmack im Kopf“, erzählt Jana Müller, die seit dem Tod ihres Mannes das „Familienunternehmen“ allein fortführt und weiterentwickelt.
Müller verarbeitet regionales Obst, aber auch Früchte aus ganz Deutschland

Erinnert man sich an den Chemieunterricht in der Schule, weiß man um die Grundlagen des Brennens. „Gutes, reifes Obst ist die Basis“, sagt Jana Müller, die regionale wie Früchte aus verschiedenen Regionen Deutschlands verarbeitet. Die Liste ist lang: Neben Obst auch Kräuter. Wacholder ist der Protagonist ihres biozertifizierten Gins. „Zusammen mit der Waldstadtrösterei Eberswalde produzieren wir einen Kaffeelikör, bei dem die intensiven Kaffeenoten von feinen Karamell- und Nussnuancen begleitet werden.“ Das regionale Produkt rangiert mit 36 Prozent Alkohol knapp unter den 40 Prozent von Bränden.

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Das Obst wird zerkleinert und anschließend unter natürlichen Bedingungen zur Vergärung gebracht. Dann erfolgt die Destillation. „Beim Brennen, der gesamte Prozess dauert etwa fünf bis sechs Stunden, werden Vorlauf, Herzstück und Nachlauf getrennt“, so die Manufaktur-Chefin, die ihren Betrieb mit drei Halbtagsangestellten und Aushilfen führt und weiterentwickelt. „Für hochwertige Destillate wird ausschließlich das aromatische Herzstück verwendet.“
Die Brände & Co. aus der „Feinbrennerei“ – aktuell rund 30 bis 40 Produkte in einer schwankenden monatlichen Anzahl von 200 bis 3000 Stück – sind aufwendige Handarbeit, bis hin zum Etikettieren per Hand. Das Firmenlogo, ein stilisiertes Männchen hebt ein Schiff, sowie die Obstzeichnungen auf den Etiketten stammen von einer befreundeten Grafikerin. Auch die Plombe wird per Hand mit einer speziellen Zange angebracht. Entsprechend hochpreisiger als Supermarktware (100 ml ab 9 Euro) ist das Produkt und für die Kundinnen und Kunden etwas, das man sich und besonderen Gästen bewusst gönnt oder als Geschenk einkauft.
Verkauft wird im Laden, online und im KaDeWe
Den Vertrieb managt sie über ihren eigenen Hofladen, ihren Online-Shop, andere kleine Hofläden, einen Berliner Bio-Großhändler sowie über das KaDeWe. In der Gastronomie gibt es auch schon erste Kooperationen, so mit Tim Raue in seinem gleichnamigen Restaurant in Kreuzberg und im Fernsehturm sowie mit der Bar im Hotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz.
Dass die Feinbrennerei Qualität produziert, wurde ihr in diesem Jahr mit gleich mehreren Auszeichnungen bestätigt. „Wir sind zum ersten Mal beim Craft Spirits Award angetreten, haben fünf Produkte eingereicht und vier Auszeichnungen erhalten, so beispielsweise Gold für unseren Johannisbeerlikör“, erzählt sie stolz von den Ergebnissen des wichtigsten Wettbewerbs für handgemachte Spirituosen in Europa, der jährlich in Berlin stattfindet.
Zum Grundstück, auf dem sich die Brennerei befindet, gesellen sich auf der anderen Straßenseite noch weitere Ländereien. Dort will die umtriebige Brennerin in Kooperation mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) einen Raritätengarten mit alten und seltenen heimischen Obstsorten sowie weiteren einheimischen Bäumen und Pflanzen anlegen, um die regionale Vielfalt langfristig zu erhalten. Damit sollen auch Einheimischen und Ausflüglern Einblicke in die faszinierende Natur gewährt werden.
Der Hofladen ist ein Ort für Ausflüge und Genüsse

Überhaupt ist es ihr wichtig, aktiv in der Region zu agieren. Etwa im Tourismus. Die „Feinbrennerei“ betreibt auch eine Ferienwohnung für zwei Personen direkt über der Brennerei und dem Hofladen. Letztes Jahr gab es das erste Sommerfest auf dem Brennerei-Hof. Am 29. August steht das zweite mit regionalen Partnern an.
Der kleine Hofladen, geöffnet an drei Tagen, donnerstags bis samstags, hat sich zu einem Ausflugs- und Genussort entwickelt. „Gäste können mit Blick über den Barnim sitzen, sich an einem Spritz oder Gin Tonic sowie an Flammkuchen und unserer hausgemachten Genussplatte laben. Das ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil unseres Konzepts“, beschreibt Jana Müller die Vielfalt der „Feinbrennerei“.
Die Feinbrennerei, Hebewerkstr. 41, 16248 Niederfinow, Tel. 0177-360 00 94, Hofladen Do.+ Fr. 14–18 Uhr, Sbd. 12–18 Uhr und auf Anfrage, diefeinbrennerei.de





