Liebe Leserin, lieber Leser,

zunächst einmal: Frohes neues Jahr! Weihnachten ist gefeiert, die Verwandtschaft gen Heimat verschwunden, die Wohnung gehört einem wieder allein. Die Geschenke sind ausgepackt (oder schon wieder umgetauscht), die Gutscheine eingelöst. Silvester ist auch rum, der Baum verschwindet dieser Tage als vertrocknete Reminiszenz an 2025 auf den Bürgersteig, wenn er da nicht schon seit einer Woche liegt, und Berlin kehrt in seinen normalen Rhythmus zurück. Heißt: Die Stadt füllt sich wieder mit den Rückkehrern, die Hektik nimmt zu. War es nicht entspannend, wie leer die Straßen und Geschäfte waren? Und ist Ihnen aufgefallen, wie freundlich die meisten Menschen um Weihnachten und Silvester miteinander umgegangen sind, als die Zugezogenen alle in ihrer ursprünglichen Heimat waren? Da soll noch mal einer sagen, die Berliner seien unfreundlich. Ha!

Sonnabend

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War es nicht auch schön, wie arbeitnehmerfreundlich die Feiertage vergangenes Jahr fielen? Der nächste Feiertag ist erst wieder der 8. März, und das ist dieses Jahr gemeinerweise ein Sonntag. Also müssen wir bis Ostern durchhalten. Sie sind hoffentlich gut „hinübergerutscht“, ohne Glatteis und ohne Nachwirkungen durch schlechten Sekt oder irre Böllerwerfer. Nichts gegen ein bisschen Feuerwerk, aber was auf unseren Straßen alljährlich stattfindet, ist für mich der reine Wahnsinn. Gut, dass wir kein Haustier haben.

Fangen wir also das neue Jahr lieber friedlich an: mit Deutschlands liebstem oder auch zweitliebstem Urlaubsland. Nein, ich rede nicht von Mallorca, wo ich übrigens noch nie in meinem Leben war. Wozu auch? Alle Fotos, die ich sehe, erinnern mich an mein geliebtes Südfrankreich und spanisches Essen ist zugegebenermaßen nicht so meins.

Morgenpost-Tasting Januar Weinbar Glasweise Marco Gianni
Großartige Wein-Expertise: Marco Gianni in seiner Weinbar „Glasweise“. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Nein, ich meine Italien. Bella Italia. Der Deutschen Lieblingsküche auf jeden Fall. Kollege Bernd Matthies vom „Tagesspiegel“ schreibt in seiner Zusammenfassung des gastronomischen Jahrs 2025, die sich angesichts der dort vermeldeten Restaurantschließungen wie eine Gefallenenliste ausnimmt: „Italienisch geht immer“. Recht hat er.

Für Marco Gianni ist das selbstverständlich, immerhin ist er Italiener, aus dem Latium bei Rom. In Berlin hat er zunächst viele Jahre als Sommelier im berühmten „Bocca di Bacco“ an der Friedrichstraße in Mitte gearbeitet, bevor er sich mit seiner Weinbar „Glasweise“ selbstständig machte. Erst in Kreuzberg, wo er der Reichenberger Straße etwas Stil verlieh, dann ergab sich für ihn die Gelegenheit, in seinen Wunschbezirk zurückzukehren: nach Mitte.

Auch hier heißt die Weinbar „Glasweise“, sie ist extrem gemütlich und erinnert ein wenig an eine stylische „Speak easy“-Cocktailbar. Und sie läuft offenbar gut, etwas, was man dieser Tage ja nicht mehr allzu häufig hört, vor allem wenn man bedenkt, dass die „Brasserie am Gendarmenmarkt“ vor einigen Monaten auch auf der „Gefallenenliste“ landete. Sie liegt direkt vis-à-vis vom „Glasweise“, das sich gerade im Dezember offenbar vieler Gäste erfreuen durfte, die vom benachbarten Weihnachtsmarkt hereinströmten, um noch ein Glas Wein zu genießen.

Morgenpost-Tasting Januar Weinbar Glasweise Marco Gianni
Rotwein und Lasagne beim Morgenpost-Tasting im Januar 2026.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Dass die Weinbar „läuft“, mag an Marcos sympathischer Art, aber auch an seiner exzellenten Wein-Expertise liegen. Was bei ihm „glasweise“ ausgeschenkt wird, ist immer von höchster Güte, egal ob es sich um italienische Kreszenzen oder andere handelt. Und so war ich froh, als der quirlig-lebendige Betreiber zusagte, das Morgenpost-Tasting im Januar auszurichten. Man darf natürlich nicht vergessen, dass das „Glasweise“ eine Weinbar ist, Gianni hat keine Vollküche. Insofern ist dieses Tasting wieder ein wirkliches Tasting, bei dem der Wein im Vordergrund steht. Bei so manchen Restaurants und Weinbars in den vergangenen Monaten ähnelte das Tasting ja eher einem kleinen Menü.

Natürlich gibt es eine Begleitung zu den fünf italienischen Weinen, die Gianni ausgesucht hat – und die alle Spitzenklasse sind, man kann es nicht anders sagen. Zumindest war ich bei dem Probetermin kurz vor Weihnachten begeistert. Gianni hat sich in Sachen Foodpairing Hilfe geholt, bei seiner Schwiegermutter. Die betreibt mit ihrem Mann das Restaurant „Tavola Calda“ in der Charlottenburger Leibnizstraße und stellt ihm für das Tasting ihre hausgemachte Lasagne, marinierte Lachsforelle, einen asiatisch angehauchten Bao Bun mit Porchetta und einen Cheesecake zur Verfügung. Und eine kleine Schweinerei, die ich unbedingt nachmachen möchte: Frittierte Salbeiblätter. Gianni nutzt dafür eine Heißluftfritteuse, ein Gerät, das ich mir trotz des Hypes nie zulegen würde, da investiere ich jetzt lieber ein paar Euro in eine Sprayflasche für Öl und nutze meinen geliebten Ofen, der zugleich Dampfgarer ist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Lassen Sie sich das Tasting nicht entgehen, so gute Weine bekommt man selten für den Preis – und die Cucina della Nonna sorgt für ganz eigene Wohlfühlmomente. Bella Italia halt.

Eine der ganz großen in Sachen Wein

Bleiben wir noch ein wenig bei Weinen. Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich ständig neue Menschen kennenlerne. Natürlich sind nicht alle diese Erfahrungen gute, manchesmal denkt man sich hinterher: „Puh, dem möchte ich aber auch nicht im Mondschein begegnen.“ Oder ist einfach froh, dass es sich um einen einmaligen Termin gehandelt hat. Aber das ist gerade in der Gastronomie eher selten, wo die meisten Menschen ja arbeiten, um anderen Menschen schöne Erlebnisse zu bescheren. Dafür muss man schon eine gewisse Empathie und Menschenfreundlichkeit mitbringen. Misanthropen haben da nichts verloren.

Christiane Dutschmann
Christiane Dutschmann arbeitet seit Neustem im Hotel „Roomers“ und dort im „Manon“ von The Duc Ngo.© Manuela Blisse | Manuela Blisse

Zumal sich ja auch der Begriff „Dienstleistung“, das sollten übrigens viele öfters bedenken, aus den Wörtern „dienen“ und „leisten“ zusammensetzt. Das betrifft nicht nur eine zum Glück aussterbende Spezies in der Gastronomie (uffa Terrasse nur Kännchen und ooch nur, wat uffa Kaate steht, könnse nich lesen oda wat? Wat da nich steht, hamwa ooch nich, klar?), sondern auch so manche Verkäuferinnen und Verkäufer (ich habe da speziell manche Drogeriemärkte im Sinn) und viele andere im Dienstleistungssektor.

Wer das ganz sicher verinnerlicht hat und täglich vorlebt, das ist Christiane Dutschmann. Als ich sie kennenlernte, damals noch im „Schmidt Z & KO“ in Friedenau, da merkte ich schnell, dass die Sommelière etwas Besonderes ist. Stringent, ja, wie übrigens alle Sommelièren, die ich bislang getroffen habe, aber immer sympathisch, nett, zuvorkommend mit ausgeprägtem Service-Gedanken und natürlich auch einer großen Wein-Kenntnis. Als sie dann im „Brikz“ von Arne Anker in Charlottenburg anfing, da tat es mir leid für das „SZK“ und freute mich für Arne.

Aber die 53-Jährige hielt es auch da nicht. Jetzt arbeitet sie im neuen „Manon“ von The Duc Ngo im ebenfalls neuen „Roomers Hotel“, einst als „Hotel am Steinplatz“ bekannt. Und da muss die Restaurantleiterin Aufgaben verrichten, die sie lange nicht mehr gemacht hat. „Ich habe wieder Frühstücksdienst, so wie vor 27 Jahren im Adlon“, erzählte sie meiner Kollegin Manuela Blisse bei ihrem Treffen für ein Porträt dieser Ausnahme-Gastronomin, die 2026 auf 20 Jahre Sommelière-Karriere zurückblickt.

Ein Januar ganz ohne

Vegane Burgerpatties
Sieht gut aus, oder? Ein Veggie-Burger aus Kidney-Bohnen. © Doreen Hassek/haupstadtkueche.blogspot.com/dpa-tmn | Doreen Hassek

Wie sieht es denn nach den Feiertagen bei Ihnen aus? Sind Ihnen Gänsebraten, Roastbeef, Filet und Ente jetzt erstmal zu viel? Und war es denn am Ende doch ein bisschen viel Wein und Sekt? Was ist mit den Schnäpschen? Fühlen Sie sich wie Majestix in „Asterix und der Arvernerschild“? Ja, ich weiß. Viele Menschen ziehen nach der Völlerei von Weihnachten und Silvester die Handbremse, bevor der Wagen ins Schleudern kommt und nehmen sich eine Auszeit. Vom Fleisch und vom Alkohol.

Der Januar steht für veganes Essen und alkoholfreie Getränke. Die Bewegung „Veganuary“ wächst seit Jahren stetig, weltweit machen immer mehr Menschen mit. Dazu kommt der „Dry January“, also einen Monat lang kein Alkohol. Mit Verzicht hatte das früher mal zu tun, heute muss das nicht unbedingt so sein. Selbst ein Teil der Ersatzprodukte hat inzwischen eine Zutatenliste, bei der nicht einmal ich mehr zucke, außer, dass sie eben kein Fleisch mehr enthält.

Naja, und was Berliner Spitzenrestaurants aus Gemüse herstellen, das muss sich wirklich nicht verstecken. Bestes Beispiel ist das Morgenpost-Menü Veggie, das allerdings im Januar im „Rutz Zollhaus“ vegetarisch ausfällt, also noch teils tierische Produkte enthält – nur, damit wir uns nicht missverstehen. Anders ist das in den Sternerestaurants „Bonvivant“ und „Cookies Cream“. Nikodemus Berger setzt im „Bonvivant“ in Schöneberg sowieso nur noch auf vegan, selbst der Brunch wird im Lauf des Januars vegan. Und sein Barchef kreiert jeden Cocktails erstmal alkoholfrei. Erst dann fügt er noch auf Wunsch des Gastes Spirituosen hinzu.

Kohlgerichte von Como,Cookies, Jaägerund Lustig, Zollhaus und Paphatka
Nicholas Hahn im „Cookies Cream“.© Franz Michael Rohm | Franz Michael Rohm

Nicholas Hahn im „Cookies Cream“ in Mitte baut vor allem auf vegetarische Küche. Aber im Januar wird es ebenfalls vegan und alkoholfrei. Tolle Gelegenheiten, einmal von der Fleischeslust abzuweichen und pflanzliche Kreationen zu genießen. Auch zu Hause kann man gerne abends noch Wein trinken, sogar ein Gläschen mehr als sonst, weil es mittlerweile gute alkoholfreie Alternativen gibt. Wobei Lukas Kloskowski, einer der Geschäftsführer von „Viniculture“, empfiehlt, keinen Wein zu nehmen, dem der Alkohol entzogen wurde, sondern gleich zu einem zu greifen, der von Beginn an alkoholfrei gedacht und produziert wurde. Machen Sie gerne mal einen Abstecher zu ihm in die Grolmanstraße in Charlottenburg.

Natürlich gibt es in Berlin noch mehr vegane und „trockene“ Möglichkeiten, um es sich im Januar gut gehen zu lassen. Eine kleine, aber sehr feine Auswahl habe ich Ihnen zusammengestellt.

Ich folge an diesem Wochenende dem Motto: „Heute bleibt die Küche kalt“ und nehme mir eine persönliche zweitägige Auszeit vom Kochen. In den Wienerwald zieht es uns dennoch nicht. Wobei, ein gutes Brathähnchen... Königsberger Klopse habe ich auch schon lange nicht mehr gemacht. Hmmm, mal sehen, ob ich meinen Vorsatz durchhalte. Meist überkommt es mich dann doch.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Erholung vom Weihnachts- und Silvesterstress, dass der Alltag 2026 Sie am Montag sanft und nett wie ein alter Freund in die Arme nimmt und natürlich wie immer eine genussvolle Woche – ob mit oder ohne Fleisch und Alkohol.

Herzlich, Ihr

Alexander Uhl

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