Hartmut Mehdorn plant schon mal den Umzug. Seit Montag können sich Firmen beim Chef des neuen Hauptstadtflughafens bewerben. Das Transportgut: alles, was an den alten Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld nicht festgeschraubt ist – vom Bürostuhl bis zum Flugzeugschlepper. Mehdorn plant den Umzug zum neuen Großflughafen an der Stadtgrenze. Die Sache hat nur einen Haken: Es gibt keinen Termin. Und seit Dienstag scheint es, als könnten sich die Bewerber noch mehr Zeit lassen.
Das ist der Tag, an dem bei Mehdorns Technikchef wegen Korruptionsverdachtes die Staatsanwaltschaft auf der Matte steht. Ermittler durchsuchen Jochen Großmanns Dresdner Wohnung und sein Büro in Berlin, schleppen kistenweise Unterlagen heraus. Sie suchen Beweise dafür, dass Großmann für eine Auftragsvergabe von einem Unternehmen 500 000 Euro verlangt habe. Wenig später ist der Ingenieur beurlaubt, die fristlose Kündigung steht bevor.
Er sollte das „Monster“ bändigen
Großmann ist nicht irgendein Flughafen-Mitarbeiter, er ist sogar einer der wichtigsten. Der Professor aus Sachsen sollte das „Monster“ bändigen, wie er es nennt: die Brandschutzanlage. Weil sie nicht läuft, platzte vor zwei Jahren die großartige Flughafen-Eröffnung. Seither hat das Unternehmen mehrere Bauleiter verschlissen.
„Das Ganze ist kein Zauber Manitus“ – mit solchen Sätzen machte Großmann Mehdorn Hoffnung. Anlage aufspalten, neue Schornsteine durchs filigrane Flughafen-Dach treiben – das war eine Lösung ganz nach Mehdorns Geschmack. Jetzt ist Großmann weg.
Und Mehdorn? Muss den Schaden begrenzen. „Es steht und fällt nicht mit einem einzelnem Mitarbeiter“, hofft der frühere Bahnchef. Für alle wesentlichen Fragen gebe es Lösungen, die nun umgesetzt würden.
Das jedoch sagt der 71-Jährige schon lange. Von Fortschritt ist auf der Baustelle aber nichts zu sehen – was daran liegen kann, dass der Terminal für die Öffentlichkeit meist tabu ist und dass sich vieles über abgehängten Decken sowie an Plänen und Bildschirmen abspielt.
Es kann aber auch damit zu tun haben, dass Mehdorn nun schon wieder jemanden vor die Tür setzt, vielleicht auch setzten muss – noch jedoch ist der Bestechlichkeitsverdacht nur ein Verdacht, zu dem Großmann selbst sich bislang nicht öffentlich äußerte.
Großmann reißt Lücke
„Sein Wegfall reißt eine riesige Wunde in die ohnehin schon extrem dünne Personaldecke im technischen Bereich“, sagt Martin Delius (Piratenpartei), der den Berliner Flughafen-Untersuchungsausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses leitet.
Denn seit Herbst drängte Mehdorn schon den Technik-Geschäftsführer Horst Amann aus dem Projekt, feuerte Bauleiterin Regina Töpfer, den Liegenschaftschef Harald Siegle und den bisherigen Planer der Brandschutzanlage, Alfredo di Mauro. Stets ging wichtiges Wissen verloren. Di Mauros Pläne landeten am Flughafen gar im Reißwolf.
Immer deutlicher wird angesichts dieser Zustände die Kritik am Aufsichtsrat um den Vorsitzenden, Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Ihn rief Mehdorn dem Vernehmen nach noch am Dienstag auf dessen China-Reise an. Erst kürzlich warf der Bundesrechnungshof den Kontrolleuren vor, Mehdorn zu viel durchgehen zu lassen: ständiges Umstrukturieren, lückenhafte Berichte, Personalengpässe. Wowereit stellte sich am Mittwoch abermals vor Mehdorn.
Die Flughafenumzug-Ausschreibung, die der „Tagesspiegel“ (Mittwochausgabe) im EU-Amtsblatt entdeckte, nennt als Ziel einen „möglichst reibungslosen Übergang vom Bau in den Regelbetrieb“. Mit einem reibungslosen Bau wäre aber auch schon viel gewonnen.
dpa/mim




