Hauptstadtflughafen

Korruptionsaffäre um Großmann soll BER nicht zurückwerfen

Wenn sich der Verdacht erhärten sollte, wäre es ein Rückschlag für das Projekt BER. Gegen Großmann wird wegen Bestechlichkeit ermittelt. Dem Technikchef droht Kündigung. Von Henkel kommt herbe Kritik.

Foto: Jens Wolf / dpa

Hartmut Mehdorn kämpft angesichts der Korruptionsaffäre gegen weitere Verzögerungen beim Bau des neuen Hauptstadtflughafens. Die Auswirkungen auf das Projekt sollten so gering wie möglich gehalten werden, kündigte der Flughafenchef am Mittwoch an. „Es steht und fällt nicht mit einem einzelnen Mitarbeiter.“

Trotz des Bestechlichkeitsvorwurfs gegen seinen Technikchef Jochen Großmann hält Geschäftsführer Hartmut Mehdorn an dessen Plänen für den Umbau im Terminal fest. „Wir werden auch in neuer personeller Zusammensetzung den beschrittenen Weg weitergehen“, teilte Mehdorn am Mittwoch in Schönefeld mit, ohne Großmanns Namen zu nennen.

Er widersprach damit Forderungen, Großmanns Lösung für die Entrauchungsanlage auf den Prüfstand zu stellen. Mehdorn hat den Ingenieur inzwischen beurlaubt, er muss mit der fristlosen Kündigung rechnen. Großmanns Aufgaben übernimmt vorübergehend der Oberbauleiter Frank Röbbelen.

Mehdorn betonte, der Flughafen verfolge bei Korruptionsfällen eine „Null-Toleranz-Linie“. Das Vergaberegelwerk sei in Ordnung, die Mechanismen hätten gegriffen. „Gegen kriminelle Energie Einzelner sind wir jedoch nicht gefeit.“

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Die Staatsanwaltschaft Neuruppin prüft jetzt die Unterlagen, die in Büros des unter Korruptionsverdacht stehenden Technikchef des Berliner Hauptstadtflughafens beschlagnahmt worden sind. Dies werde einige Tage dauern, sagte Oberstaatsanwaltschaft Frank Winter am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost wird gegen den Technikchef Jochen Großmann wegen Bestechlichkeit ermittelt. Großmann war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Er ist derjenige, der die Probleme mit der Entrauchungsanlage an dem Airport in Schönefeld lösen sollte. In seinem Unternehmen in Dresden war Großmann für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

„Nach unserem bisherigen Erkenntnisstand geht es um rund eine halbe Million Euro Bestechungsgeld“, hatte Flughafenchef Hartmut Mehdorn erklärte. Die Flughafengesellschaft machte den Fall am Dienstag publik, ohne Großmanns Namen zu nennen. Auch die Staatsanwaltschaft Neuruppin hielt sich beim Namen zunächst bedeckt.

Keine Hinweise auf weitere Korruptionsfälle beim BER

Der Verdächtige sei für die Auftragsvergabe für den neuen Hauptstadtflughafen zuständig gewesen und soll von einem Auftragnehmer Vorteile gefordert haben, teilte das Unternehmen mit. Staatsanwalt Winter sprach von einem „klassischen Modell von Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr“. Bisher gebe es keine Hinweise auf weitere Korruptionsfälle beim Flughafen.

Laut Mehdorn hat sich der Verdacht „nach einem Gespräch mit dem Repräsentanten eines im Bereich der technischen Planung tätigen internationalen Unternehmens ergeben.“ Die Flughafengesellschaft habe abgewartet, „ob die Staatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht bestätigen würde“. Nach den Durchsuchungen werde das Unternehmen nun „gegen die Beteiligten entsprechende Konsequenzen ziehen“.

Großmann wurde im April dadurch bekannt, dass er den kritischen Abschnitt der Entrauchungsanlage mit der internen Nummer 14 „ein Monster“ nannte. Um sie zu bändigen, wird die Anlage nun zerlegt. Die nicht funktionierende Brandschutzanlage hat bislang verhindert, dass der neue Flughafen in Betrieb gehen konnte.

Berliner Grünen fordern Konsequenzen am BER

Die Berliner Grünen fordern jetzt Konsequenzen. Im Interview mit dem Radiosender „105‘5 Spreeradio“ sagte Ramona Pop, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus: „Das hat tatsächlich eine neue Dimension erreicht“. Zu Chaos, Missmanagement und Pfusch am Bau komme jetzt auch noch Korruption dazu. „Da kann man wirklich nur fassungslos den Kopf schütteln über die Zustände in Schönefeld“.

Es komme eine Hiobsbotschaft nach der nächsten, und inzwischen stelle sich auch die Frage, ob die Tage von Hartmut Mehdorn dort gezählt sind, so Pop. „Wir haben einen Geschäftsführer Mehdorn am BER, vom dem man sich fragen muss, was wusste er, und vor allem haben wir einen Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit, der mal wieder nicht im Lande ist, wo es gerade brenzlich wird am BER, und bei dem man sich erst recht fragen muss, was für eine Kontrolle übt er als Aufsichtsrat an diesem Flughafen eigentlich noch aus.“

Für die Baustelle selbst forderte Pop erneut einen echten Neustart. Es dürfe nicht einfach so weiter gemacht werden: „Mit mehr Kosten, mit Missmanagement, mit fehlender Kontrolle. „Wenn nicht vernünftig kontrolliert wird, passiert eben auch Korruption, passiert Pfusch am Bau, und das ist der jetzige Zustand“ kritisiert die Grünen Fraktionsvorsitzende. Es habe keinen echten Neustart am BER gegeben. Das räche sich jetzt bitter.

Innensenator Henkel zeigt sich empört

Auch der Berliner Innensenator und CDU-Landesvorsitzende Frank Henkel zeigt sich empört über den möglichen Korruptionsfall beim Bau des neuen Hauptstadtflughafens. Er bezeichnete ihn als „völlig inakzeptabel“. Indirekt kritisierte Henkel auch die Flughafengesellschaft, in deren Aufsichtsrat er sitzt. „Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das ein weiterer erheblicher Imageschaden für das Projekt“, sagte Henkel am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa.

Jetzt seien schnelle Ermittlungen der Staatsanwaltschaft erforderlich. „Ich erwarte, dass die Flughafengesellschaft alles unternimmt, um diese Ermittlungen zu unterstützen. Bei Korruption gibt es null Toleranz.“ Solche brisanten Informationen erfahre er ungern aus der Zeitung.

Mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) werde er nach dessen Rückkehr von einer Dienstreise nach China sprechen, kündigte Henkel an. Jetzt müsse auch geprüft werden, ob es weitere Vorfälle gibt. „Und natürlich muss man sich auch über die künftige Kontrolle noch mal austauschen und damit muss sich auch der Aufsichtsrat befassen.“