Korruptionsverdacht

Jochen Großmann sollte den BER retten - nun wird ermittelt

Verdacht auf Korruption am Flughafen BER: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Technikchef Jochen Großmann. Büros wurden durchsucht, es soll um 500.000 Euro bei einem Vergabeverfahren gehen.

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Neuer Skandal am künftigen Hauptstadtflughafen BER: Ein leitender Angestellter der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg steht unter Korruptionsverdacht. Dieser sei für die Auftragsvergabe für den neuen Hauptstadtflughafen zuständig gewesen und soll von einem Auftragnehmer Vorteile gefordert haben, teilte das Unternehmen am Dienstag in Schönefeld mit. „Nach unserem bisherigen Erkenntnisstand geht es um rund eine halbe Million Euro Bestechungsgeld“, erklärte Flughafenchef Hartmut Mehdorn.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost handelt es sich bei dem Beschuldigten um Technikchef Jochen Großmann. Der promovierte Verfahrenstechniker aus Dresden war von der Flughafengesellschaft erst Ende 2013 als Retter für das pannengeplagte BER-Projekt geholt worden.

Als Chef des sogenannten Sprint-Teams sollte der 55-Jährige vor allem die Probleme mit der Brandschutzanlage im BER-Terminal lösen. Die Brandschutzanlage gilt als Hauptgrund für die inzwischen bereits vier Mal verschobene Eröffnung des Flughafens.

Der Verdacht der Bestechlichkeit hat sich laut Flughafengesellschaft nach einem Gespräch mit dem Repräsentanten eines international tätigen Unternehmens, das für technische Planung zuständig ist, ergeben. Danach soll der Flughafenangestellte von dem Auftragnehmer Vorteile in einem Vergabeverfahren gefordert haben.

Vorgang zunächst nicht öffentlich gemacht

„Wir haben den Vorgang zunächst nicht öffentlich gemacht, weil wir den Mitarbeiter nicht zu Unrecht beschuldigen wollten. Wir haben abgewartet, ob die Staatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht bestätigten würde“, so Mehdorn. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Neuruppin bestätigte am Dienstag die Ermittlungen gegen einen leitenden Flughafenmitarbeiter „wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr“.

Zum Zeitpunkt der Tat sei der Beschuldigte noch Geschäftsführer einer Beraterfirma der Flughafengesellschaft gewesen, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Schiermeyer. In dieser Funktion habe er mit der Vergabe von Aufträgen für Planungsleistungen zu tun gehabt. Dem Beschuldigten werde vorgeworfen, den Preis eines Leistungsangebotes mit dem Angestellten einer Bieterfirma abgesprochen zu haben. Gegen diesen Angestellten werde wegen Bestechung ermittelt, sagte der Oberstaatsanwalt. In Dresden und Berlin seien Büroräume der beiden Betroffenen durchsucht worden. Am Dienstag wurde Großmann von der Staatsanwaltschaft auch vernommen.

Nach Angaben von Senatssprecher Richard Meng hat Flughafenchef Mehdorn den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sofort über die Ermittlungen informiert. Wowereit ist auch Aufsichtsratvorsitzender der Flughafengesellschaft. „Die Geschäftsführung hat alle Rückendeckung. Wir haben ein hohes Interesse an umfangreicher Aufklärung“, sagte der Senatssprecher.

Sollte sich der Verdacht bestätigten, wäre dies ein schwerer Schlag für den Großflughafen BER. Erst im Februar war die Chefplanerin Regina Töpfer entlassen worden. Anfang Mai feuerte die Flughafengesellschaft „aufgrund schwerer Mängel“ den Planer der Entrauchungsanlage, Alfredo di Mauro.

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