Ich kann es nicht leugnen: Meine Vorbereitung auf den Hamburg-Marathon am 26. April lief bislang alles andere als ideal. Dabei war alles so gut vorbereitet. Ich hatte einen Trainingsplan mit einer extra langen Dauer, sodass mich selbst ein zeitweiliger Krankheitsausfall nicht aus der Bahn geworfen hätte. Ich hatte mir, rechtzeitig vor Trainingsbeginn, ein neues Paar Schuhe ausgesucht, das mich durch die langen Läufe tragen sollte. Ich war motiviert.
Aber dann kam alles anders. Berlin erlebte den härtesten Winter seit Jahren. Und was noch viel schlimmer war: Eine Knieverletzung machte es für mich wochenlang unmöglich zu laufen. Vor Kurzem verhinderte dann auch noch ein Infekt einen vorgesehenen Testlauf. Trotzdem bin ich gerade vorsichtig optimistisch, dass ich Ende des Monats an der Startlinie stehen kann.
Anlass dafür ist der erste wirkliche Longrun, den ich nun – endlich – absolvieren konnte. Der Zeitpunkt war natürlich viel zu spät. Eigentlich hätte ich mit den Distanzen von 25 und mehr Kilometern spätestens Ende Februar starten sollen. Da sich das jetzt aber nicht mehr ändern lässt, konzentriere ich mich darauf, froh darüber zu sein, es überhaupt so weit gebracht zu haben. Vor zwei Monaten erschien mir ein Lauf über 25 Kilometer noch absolut unvorstellbar. Jetzt kann ich sagen: Es funktionierte doch erstaunlich gut.
Der Laufclub der Berliner Morgenpost
Auch bei der Berliner Morgenpost gibt es begeisterte Läuferinnen und Läufer – und mit unseren Leserinnen und Lesern wollen wir einmal im Monat eine gemeinsame Runde drehen. Dafür haben wir in diesem Jahr unseren Laufclub gegründet. Treffpunkt ist der Eingang zum Tiergarten am Brandenburger Tor, gelaufen werden etwa sechs Kilometer. Die Teilnahme ist natürlich kostenlos. Wann der nächste Lauf stattfindet, steht immer unter mrgnpst.de/10k-club. Wir freuen uns über viele Mitläufer!
Radfahren im Marathon-Training: Nicht nur für die Beine, sondern auch für den Kopf
Ich führe das auf mein alternatives Training zurück, auf das Krafttraining und vor allem das Radfahren. Erst auf dem Rollentrainer in meinem Wohnzimmer, dann auf den ersten Freiluft-Runden durch Berlin und Brandenburg und zuletzt während einer intensiven Woche auf Mallorca. Deutlich mehr als 1200 Kilometer auf dem Rennrad habe ich so in diesem Jahr bereits gesammelt. Dazu kommen einige Tausend Höhenmeter. Und ich kann berichten: Ich hatte lange nicht mehr einen derart starken Muskelkater vom Laufen, wie ich ihn kürzlich nach einer langen Radtour auf Mallorca hatte.
Wie beim Joggen habe ich in den vergangenen Monaten versucht, auf dem Fahrrad ebenfalls in unterschiedlichen Zonen zu trainieren. Ich bin kurze, anstrengende Intervalle gefahren, bei denen die Herzfrequenz nach oben gegangen ist. Und ich habe genauso längere Einheiten absolviert, bei denen ich probiert habe, den Puls möglichst im Ausdauerbereich zu halten. Die langen Anstiege auf Mallorca haben nicht nur die Beine, sondern gleichzeitig den Kopf trainiert. Man muss weiterfahren, wenn die Kraft weniger wird, und sich sagen, dass auf schwierige Phasen wieder bessere folgen (konkret: die Abfahrt). Man beißt sich durch, weil aufgeben, so mitten im Berg, irgendwie auch schlecht wäre.
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Marathon: Nicht mit zu vielen Zweifeln ins Rennen gehen
Das hat sich bezahlt gemacht. Während des langen Laufs hatte ich keine muskulären Probleme, auch das Gefühl war gut. Ich hatte, als die 25 Kilometer erreicht waren, den Eindruck, noch weiterlaufen zu können, und konnte zum Ende hin das Tempo sogar noch etwas anziehen. Klar ist: Einen einzelnen Lauf darf man nicht überbewerten. Viel hängt von der Tagesform ab, vom Wetter oder davon, wie man geschlafen hat. Aber der Lauf macht zumindest Hoffnung darauf, dass es selbst nach einem vollkommen verkorksten Winter möglich ist, in Marathon-Form zu kommen. Entscheidend wird für mich eine weitere, noch etwas längere Einheit, die noch aussteht. Und die mir endgültig zeigen soll, wie realistisch ein Start in Hamburg ist.
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Ob es dann auch dafür reicht, die 42 Kilometer gut ins Ziel zu bringen, wird sich wohl erst am Renntag zeigen. Ich versuche mich in Zuversicht, weil ich überzeugt davon bin, dass ein erfolgreicher Marathon am Ende nicht nur vom Training, sondern ebenso von der Einstellung abhängt. Wenn ich mit zu großen Zweifeln auf die Strecke gehe, pausenlos darüber nachdenke, ob ich die Distanz nun schaffen kann oder nicht, dann werde ich das Rennen kaum genießen können. Genau das bleibt aber weiterhin mein größter Anspruch: Eine möglichst gute Zeit haben. Den 40. Hamburg-Marathon kann man schließlich nur einmal feiern.




