Zusammenfassung

  • Am 26. April finden in zahlreichen europäischen Städten Marathons statt.
  • Die Nervosität bei vielen Läufern steigt, im Kopf wird jedes Detail durchgegangen.
  • Der erste Sieger des Berlin-Marathons, Günter Hallas, bewies, dass das gar nicht nötig ist.

It’s race week, es ist Rennwoche – an dieser Ankündigung kam man in der Laufszene der sozialen Medien in den vergangenen Tagen kaum vorbei. Kein Wunder, am Sonntag finden unter anderem Marathons in London, Düsseldorf, Madrid und natürlich in Hamburg statt. Nun hätte ich die Erinnerung wahrlich nicht gebraucht, um daran zu denken, dass ich an dem Tag 42 Kilometer laufen möchte. Aber sie bewirkt, dass ich mir noch einmal mehr Gedanken darüber mache, ob ich auch richtig vorbereitet bin. So geht es wahrscheinlich vielen. Egal, wie viel sie trainiert haben. In den Tagen vor einem großen Lauf kommt wie von selbst die Frage auf, ob man fit genug ist. Ob man die Verpflegung, das Outfit oder die Schuhe ausreichend getestet hat. Und wie es wohl sein wird, wenn es trotz des Trainings hart wird.

Das alles gehört ein Stück weit dazu. Trotzdem bekomme ich manchmal das Gefühl, dass wir uns zu viele Gedanken machen und zu viel planen. Jedes Detail, vom Frühstück über den Einfluss des Wetters bis zum Streckenprofil, wird im Vorfeld analysiert. Das war früher anders. Zum Beispiel 1974, beim ersten Berlin-Marathon. Die beiden Gewinner von damals, Günter Hallas und Jutta von Haase, haben in der Vergangenheit freimütig von sich gesagt, dass sie keine Ahnung hatten, was etwa die Verpflegung während des Laufs oder die Kleidung angeht. Dennoch waren sie am Ende die Schnellsten.

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Berlin-Marathon: Sieger der ersten Ausgabe ist gestorben

Vor wenigen Tagen ist Günter Hallas im Alter von 84 Jahren gestorben. Unter anderem der Berliner Leichtathletik-Verband erinnerte nach seinem Tod an ihn als „Lauflegende“. Ich habe Hallas und Jutta von Haase im August 2024 getroffen, anlässlich des 50. Berlin-Marathons, der zugleich mein erster war. Ich erinnere mich noch gut an das Gespräch und daran, wie beeindruckt ich von den beiden, ihrer positiven Energie und natürlich ihrer Leistung war. 1974 gab es keine perfekt gestylten Rennoutfits, die heutzutage möglichst kein Gramm zu viel wiegen sollen, und erst recht keine Carbon-Schuhe. Stattdessen sagte Hallas über seine damaligen Schuhe: „Die Sohle war glatt wie ein Brett.“

Auch das Training unterschied sich von dem, was viele Läufer heute auf sich nehmen, um eine Marathonzeit von zwei Stunden und 44 Minuten zu schaffen, wie es Günter Hallas 1974 gelang. Vier bis fünf Mal die Woche sei er gelaufen. In Summe kam er so auf 50 bis 60 Kilometer, erzählte er 2024. Für einen Marathon ist das nicht viel, die meisten laufen deutlich mehr. Das war teilweise auch damals schon so. Hallas berichtete, dass andere Sportler weit mehr als 100 Kilometer pro Woche absolviert hätten. Nicht unbedingt ein Vorteil. Denn: Diese Läufer seien im Rennen kaputt gewesen, sagte der Berliner damals. Und er konnte den Sieg holen, auch wenn er auf den letzten Kilometern dafür kämpfen musste.

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Der 43. Marathon im Alter von 82 Jahren – und im Ziel schon wieder frisch

Beim Marathon 2024 habe ich Günter Hallas übrigens auch noch mal auf der Strecke getroffen. Ich bin mit meinem Vater an ihm vorbeigelaufen, wir haben ihn kurz angefeuert – wie so viele an dem Tag. Natürlich erreichte er später auch das Ziel, insgesamt zum 43. Mal beim Berlin-Marathon. Es war sein langsamstes Rennen – und dennoch besonders. Alle zehn Meter habe er bei dem Lauf seinen Namen gehört, sagte Hallas bei einem Interview im Zielbereich. Und wie er da so stand, mit der verdienten Medaille um den Hals, wirkte er schon wieder ganz frisch.

Treffen von 25 Finishern des ersten Berlin-Marathons vor 50 Jahren, in der „EIERSCHALE“
Haben 1974 den ersten Berlin-Marathon gewonnen: Jutta von Haase und Günter Hallas, hier im August 2024.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Natürlich ist es gut, dass sich seit 1974 vieles weiterentwickelt hat. Ich bin absolut dankbar für Laufschuhe, die meine Schritte und die Belastung für meine Gelenke etwas abfedern. Und dafür, dass meine Verpflegung aus mehr besteht als nur ein paar Schluck Wasser und Salztabletten. Aber der Blick zurück tut vielleicht trotzdem ganz gut. Es ist eine Erinnerung, sich wegen des ganzen Drumherums nicht allzu verrückt zu machen. Sondern einfach loszulaufen, die Anfeuerungen zu genießen (auch wenn sie nicht so zahlreich wie bei Günter Hallas sein sollten) und den Marathon nicht zu ernst zu nehmen. Ich werde mein Bestes geben, genau das am Sonntag in Hamburg umzusetzen.