Bei mir ist es immer dasselbe: Spätestens ab Mitte Januar fiebere ich dem Frühling entgegen. Aber ich glaube, so sehr wie in diesem Jahr war es selten der Fall. Und es geht nicht nur mir so. Zuletzt habe ich in Gesprächen immer wieder die Hoffnung gehört, dass sich in dieser Woche Sonne und deutlich zweistellige Temperaturen in Berlin durchsetzen werden. In den sozialen Medien häuften sich die Beiträge, die sich dem bevorstehenden Wetterumschwung widmeten. Von Postings, in denen die Tage bis zum Vorfrühling heruntergezählt wurden, bis hin zum Video, das verkündete, ab diesem Mittwoch habe die Winterdepression endlich ein Ende. Unterlegt wurde der Clip – ein wenig dramatisch – mit einem singenden Phil Collins: „I’ve been waiting for this moment for all my life.“
Es gibt Gruppen von Menschen, unter denen die Freude über das Wetter besonders groß sein dürfte. All diejenigen etwa, die draußen arbeiten und das zuletzt nur unter herausfordernden Bedingungen tun konnten. Aber auch alle, deren Sport vorwiegend im Freien stattfindet. Viele von ihnen können seit Anfang des Jahres nur eingeschränkt trainieren, was – zumindest dem eigenen Empfinden nach – nicht folgenlos blieb. Denn auch das trifft zu: Nicht nur habe ich selten eine derart große Vorfreude auf den Frühling wahrgenommen. Ich habe auch selten von so vielen Menschen gehört, dass sie sich dermaßen schlecht auf ihre geplanten Läufe im März und April vorbereitet fühlen.
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Die Frühjahrsrennen rücken näher, aber beim Training sind viele im Rückstand
Dabei rücken die großen Frühjahrsrennen immer näher, nicht nur der Hamburg-Marathon Ende April, bei dem ich weiterhin auf einen Start hoffe. Schon am 29. März steht der Berliner Halbmarathon an, am 12. April folgt der Hannover-Marathon und eine Woche später der Spreewald-Marathon mit diversen Laufdistanzen und Radtouren. Auch in Bonn oder Wien sind im April große Marathon-Events geplant. Für all diese Veranstaltungen sollte man längst im vollen Training sein, die ersten langen Läufe absolviert und vielleicht schon das Renntempo ausprobiert haben.
Vor allem in Berlin, Brandenburg und dem weiteren Norden Deutschlands haben Schnee und Glätte allerdings viele Läuferinnen und Läufer in ihrer Vorbereitung ausgebremst. Und langsam werden bei einigen die Zweifel größer, ob die Ziele im Frühjahr überhaupt noch erreichbar sind. Nun wünsche ich natürlich jedem ein möglichst erfolgreiches Training, um mit einem wirklich guten Gefühl an den Start zu gehen. Gleichzeitig muss ich aber zugeben, dass mich die Erzählungen der anderen Läufer ein Stück weit trösten. Es geht nicht nur mir so, dass die ersten Monate des Jahres, trainingstechnisch, ganz anders gelaufen sind, als es geplant war.
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Verpasstes Marathon-Training: Bloß keine Überlastungsverletzung riskieren
Bleibt die Frage, wie man am besten damit umgeht. Ein Spruch, der einem immer wieder begegnet, lautet: Verpasstes Training kann nicht nachgeholt werden. Wer jetzt versucht, sämtliche Einheiten, die zuletzt ausgelassen wurden, in die verbleibenden Wochen zu packen, wird vermutlich mit einer Verletzung enden. Da ich mir die erste Verletzung bereits vor Beginn des Marathon-Trainings zugezogen habe, will ich jetzt auf keinen Fall eine weitere riskieren. Für mich gilt deshalb: Ich muss einfach mit weniger langen Läufen auskommen, als ich es mir gewünscht hätte. Und darf jetzt bloß nicht in Panik verfallen.
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Aus dem vergangenen Jahr habe ich außerdem mitgenommen: Man kann sich im Rennen manchmal selbst überraschen, auch wenn man das Training eigentlich für unzureichend hält. Ich bin beim damaligen Halbmarathon in Berlin mit dem Vorsatz an den Start gegangen, schlicht mein Bestes zu versuchen. Solange man auf den eigenen Körper hört, findet man meistens einen guten Mittelweg zwischen Sich-Fordern, aber nicht Überfordern.
Für die kommenden Wochen hoffe ich vor allem, dass der Winter kein plötzliches Comeback erlebt und damit ein möglichst störungsfreies Training durchgezogen werden kann. Denn so bleibt immer noch genügend Zeit für Einheiten, aus denen sich Selbstvertrauen ziehen lässt. Und wer denkt dann noch an das Training, das er im Januar verpasst hat?





