Nach all den Läufen, an denen ich inzwischen teilgenommen habe, habe ich mich mit einer Sache inzwischen abgefunden. Es ist nahezu unmöglich, vollkommen entspannt durch die letzten ein, zwei Wochen vor einem Rennen zu kommen. Ich merke das aktuell wieder, mit dem näher rückenden Hamburg-Marathon am 26. April. Einmal am Tag kontrolliere ich die Wetterprognose für den Renntag, obwohl ich genau weiß, wie häufig es nicht einmal gelingt, das Wetter von übermorgen korrekt vorherzusagen. Es kommen die Zweifel, ob die 42 Kilometer mit meinem Training überhaupt zu schaffen sind, und die Sorgen, wie groß wohl die Schmerzen nach Kilometer 35 werden. Aber gleichzeitig steigt auch die Vorfreude, auf die Strecke, die Stimmung und den Zieleinlauf.

Das Gefühlschaos der letzten Wochen wird auch durch die Veranstalter befeuert. Denn die meisten Organisatoren sind Experten darin, einen möglichst oft an das bevorstehende Rennen zu erinnern. Der Takt, in dem die E-Mails mit Informationen rund um den Lauf kommen, ist zunehmend dichter geworden. Ich kenne inzwischen meine Startnummer, meinen Startblock und den genauen Ablauf des Events. Auf dem sozialen Netzwerk Instagram wurden mittlerweile die diesjährige Medaille und die offizielle Kollektion für den Lauf enthüllt. Und es wurde bekannt gegeben, dass nicht nur das Rennen der Topläufer übertragen wird, sondern ein Livestream vom Zielbereich auch die späteren Freizeitläufer zeigen soll (ob ich das gut oder schlecht finde, wird von meinem Zustand abhängen).

Der Laufclub der Berliner Morgenpost

Auch bei der Berliner Morgenpost gibt es begeisterte Läuferinnen und Läufer – und mit unseren Leserinnen und Lesern wollen wir einmal im Monat eine gemeinsame Runde drehen. Dafür haben wir in diesem Jahr unseren Laufclub gegründet. Treffpunkt ist der Eingang zum Tiergarten am Brandenburger Tor, gelaufen wird so, dass jeder dabei sein kann. Die Teilnahme ist natürlich kostenlos. Wann der nächste Lauf stattfindet, steht immer unter mrgnpst.de/10k-club. Wir freuen uns über viele Mitläufer!

Vor dem Marathon lässt sich nicht mehr viel retten, sondern nur kaputtmachen

Dazu kommt, dass der Instagram-Algorithmus natürlich längst durchschaut hat, dass ich mich für den Hamburg-Marathon interessiere – und mir so umso mehr Beiträge zu dem Thema anzeigt. Würde ich in Hamburg wohnen, würde mir vermutlich auch regelmäßig die blaue Linie auf der Straße auffallen. Denn die 42-Kilometer-Strecke wurde bereits vor einigen Tagen auf dem Asphalt markiert. Natürlich ebenfalls zelebriert mit einem Video fürs Netz. Es wird einem also wahrlich schwergemacht, sich dem Sog zu entziehen und die Gedanken an den Marathon auszublenden.

Als Tipp, um die Zweifel vor einem Lauf nicht zu groß werden zu lassen, habe ich gelernt, mich auf das abgeschlossene Training zu konzentrieren. Sich also daran zu erinnern, was man dort bereits erreicht hat. Allerdings fürchte ich, der Tipp nützt vor allem denjenigen, deren Training zumindest weitgehend nach Plan gelaufen ist. Meine eher improvisierte Vorbereitung würde man dagegen wohl kaum in einem Lehrbuch finden.

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Trotzdem bleibt mir nichts anderes übrig, als damit zu leben. Und mir zu sagen, dass ich mein Bestes gegeben habe, auch wenn die Bedingungen sicherlich nicht ideal waren. Denn was ich in den vergangenen Jahren außerdem gelernt habe, ist: Zehn Tage vor einem Lauf kann man eigentlich nicht mehr viel retten, sondern nur noch viel kaputtmachen.

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Marathon 2026: Der Versuch, die wachsende Aufregung zu genießen

Weil es offensichtlich vielen so geht, dass sie sich vor einem Lauf mit „Maranoia“ plagen, gibt es beim Hamburg-Marathon auch ein spezielles Angebot. Läufer können auf der Messe zum Event eine Sporthypnose testen. „Ziel ist es, mentale Blockaden zu lösen sowie Ruhe und Motivation für den Wettkampf zu stärken“, verspricht die Ankündigung. Die Methode soll helfen, schnell einen klaren Kopf zu bekommen und sein volles Potenzial abzurufen. Klingt verlockend, wenn auch vielleicht ein wenig zu einfach. Aber sollte ich mich zu einem Test der Hypnose entschließen, werde ich meine Erkenntnisse danach teilen.

Bis dahin versuche ich, die wachsende Aufregung zu akzeptieren, möglichst sogar zu genießen. Einen Marathon zu laufen, ist für mich etwas Besonderes. Das wird auch so bleiben – ich plane nicht, Marathonläufe mit allzu großer Regelmäßigkeit in meinen Alltag zu integrieren. Umso mehr gilt es, alle Emotionen und Eindrücke aufzusaugen, nicht nur beim Lauf selbst, sondern auch in den Tagen davor. Und mal ehrlich: Ohne diese Aufregung, das Kribbeln und vielleicht auch die Unsicherheit, ob am Ende alles gut gehen wird, würde beim Marathon doch auch etwas fehlen.