Der März und ich, wir werden keine Freunde mehr. Zumindest nicht, wenn es um Laufveranstaltungen geht. Wieder einmal war ein Halbmarathon geplant, wieder einmal habe ich es geschafft, mir wenige Tage vorher einen Infekt einzufangen. Bis zum Rennmorgen habe ich gewartet, habe gehofft, dass ein paar ruhige Tage mich so weit genesen lassen, dass ich trotzdem an der Startlinie stehen kann. Am Ende musste ich jedoch einsehen: Es reicht nicht. Und so habe ich wenige Stunden vor dem Lauf die Entscheidung getroffen, zu der kein Läufer gezwungen sein will. Die, nicht zu starten.
Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich kurzfristig gegen eine Teilnahme entschieden habe. Zweimal ist mir das bereits mit dem Berliner Halbmarathon passiert. Ein anderes Mal bin ich gestartet, obwohl ich in den Tagen vorher noch krank war. Und obwohl ich stolz war, das Ziel erreicht zu haben, habe ich mir damals doch gesagt: Das mache ich kein zweites Mal. Ich laufe in erster Linie für den Spaß. Ich möchte ein Event genießen können. Das ist nicht möglich, wenn man sich angeschlagen an den Start stellt. Und mal ehrlich: Natürlich ist es ärgerlich, die Startgebühr umsonst investiert zu haben. Noch ärgerlicher ist es aber, sich zwei Stunden lang über die Strecke zu quälen und sich währenddessen immer wieder zu fragen, wofür man das eigentlich macht. Von den möglichen gesundheitlichen Folgen einmal abgesehen.
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Halbmarathon: Wie viel ist einem ein Rennen wert?
Obwohl ich das alles weiß, bedeutet es nicht, dass mir die Entscheidung leichtgefallen ist. Palma de Mallorca, wo ich eigentlich laufen wollte, gehört zu meinen Lieblingsstädten in Europa. Ich kenne die Veranstaltung aus dem vergangenen Jahr und ich wäre nur zu gern wieder durch das Ziel mit der Kathedrale auf der einen und dem Meer auf der anderen Seite gelaufen. Ich habe in den vergangenen Monaten viel dafür trainiert, meine Fitness aufzubauen, obwohl ich wochenlang nicht laufen konnte. Der Halbmarathon sollte für mich auch ein Test werden, für mein eigentliches Ziel, den Hamburg-Marathon. Zum einen dafür, wie das verletzte Knie auf die Belastung reagiert, zum anderen dafür, wie sich das Tempo anfühlt. Nur leider haben Planung und Realität in dem Fall nicht zusammengepasst.
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Mir ist die Entscheidung dieses Mal auch deshalb so schwergefallen, weil sie weniger eindeutig war als in den vergangenen Jahren. Ich habe nicht mit Fieber, Husten oder Gliederschmerzen im Bett gelegen. Und es gibt Experten, die sagen, mit einem Schnupfen könne man durchaus laufen gehen. Aber am Ende muss man doch selbst beschließen, wie viel einem ein Rennen wert ist. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich das Risiko nicht eingehen möchte. Ich habe bei diversen Events gesehen, wie Läufer am Streckenrand lagen, medizinisch versorgt oder sogar reanimiert werden mussten. Ich habe bei anderen Läufern erlebt, wie sie an ihr Limit gegangen sind, obwohl sie nicht vollkommen fit waren. Mit der Konsequenz, dass sie in den folgenden Monaten nahezu dauerhaft krank waren.
Der Laufclub der Berliner Morgenpost
Auch bei der Berliner Morgenpost gibt es begeisterte Läuferinnen und Läufer – und mit unseren Leserinnen und Lesern wollen wir einmal im Monat eine gemeinsame Runde drehen. Dafür haben wir in diesem Jahr unseren Laufclub gegründet. Treffpunkt ist der Eingang zum Tiergarten am Brandenburger Tor, gelaufen werden etwa sechs Kilometer. Die Teilnahme ist natürlich kostenlos. Wann der nächste Lauf stattfindet, steht immer unter mrgnpst.de/10k-club. Wir freuen uns über viele Mitläufer!
Ja, vielleicht wäre bei mir alles gutgegangen. Vielleicht aber auch nicht. Ich werde es nicht mehr herausfinden. Was ich aber sicher weiß: Die Gesundheit ist mir immer wichtiger als das einzelne Erlebnis. Mit dieser Entscheidung bin ich zufrieden.
Der eine verpasste Lauf wird in Zukunft unwichtig werden
Trotzdem habe ich mir das Laufen am Renntag nicht vollkommen nehmen lassen. Es wurde kein Halbmarathon, ich war nicht mit Tausenden anderen Läufern und nicht in dem Tempo unterwegs, das ich für die 21 Kilometer geplant hatte. Aber es wurde ein Lauf, den ich genießen konnte – ganz für mich allein, in einem Rhythmus, in dem ich mich wohlgefühlt habe. Das hat mir an diesem Tag gereicht.
Es gehört zum Sport dazu, dass es manchmal, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht läuft wie geplant. Das habe ich schon bei meinen anderen abgesagten Starts gelernt. Genauso habe ich aber auch gelernt, dass wieder andere Rennen kommen werden. Rennen, bei denen alles zusammenpasst. Und spätestens dann, wenn es so weit ist, wird der eine verpasste Lauf unwichtig geworden sein.




