Meine Laufschuhe stehen seit eineinhalb Wochen ungenutzt im Flur. Das ist keine bewusste Entscheidung, sondern eine unfreiwillige. Denn auch wenn das Robert-Koch-Institut mitgeteilt hat, dass die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen zuletzt wieder abgenommen hat: Ich gehöre zu den rund fünf Millionen Menschen in Deutschland, die zuletzt trotzdem ein Infekt erwischt hat. Seither habe ich für sämtliche sportlichen Aktivitäten die Pausetaste gedrückt. Etwas, das mir ehrlicherweise nie leicht fällt, aber aktuell wenigstens etwas leichter, als zu einem anderen Zeitpunkt im Jahr.
Das liegt daran, dass ich in diesem Jahr bei so vielen Sportevents dabei war, wie wohl in keinem Jahr zuvor. Und bei keinem Rennen, für das ich angemeldet war, musste ich in der Vorbereitung pausieren oder sogar die Veranstaltung selbst absagen, weil ich krank war – wofür ich wirklich dankbar bin, gerade weil ich es auch schon anders erlebt habe. In den nächsten Monaten steht dagegen nichts Wichtiges an. Ich trainiere zurzeit für kein festes Ziel, sondern vor allem, um einen Ausgleich vom Alltag zu haben.
Kein Druck, möglichst schnell wieder ins Training einzusteigen
Auch das ist wichtig. Ich merke, dass mir etwas fehlt, wenn ich mich weniger bewege und an manchen Tagen die Wohnung kaum verlasse. Weil ich nicht nur Energie in den Sport investiere, sondern auch viel Energie daraus ziehe. Trotzdem ist es eine andere Situation als zum Anfang des Jahres, als mich eine Krankheit, die einfach nicht enden wollte, wochenlang ausbremste. Das Problem war damals, dass der Berliner Halbmarathon unaufhaltsam näherrückte und mit jedem Tag, der verstrich, das Gefühl zunahm, dass ich dringend wieder ins Training einsteigen müsste. Diesen Druck habe ich jetzt nicht.
Und vielleicht ist die Erkältung, die mich jetzt zur Pause zwingt, auch ein Zeichen dafür, dass mein Körper nach dem sportlich fordernden Jahr noch etwas mehr Erholung braucht. Zwar habe ich mein Sport- und insbesondere Laufpensum in den vergangenen Wochen schon heruntergefahren, schaden wird die zusätzliche Regeneration den Muskeln, Sehnen und Bändern aber sicherlich nicht. Überhaupt wundere ich mich manchmal darüber, wie viele Läufer sich gar keine Pause im Jahr gönnen, sondern einfach durchgehend intensiv trainieren – obwohl alle Experten zu einer Erholungsphase raten.
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In gewisser Weise verstehe ich den Impuls auch: Wer sich im Training ein gewisses Niveau erarbeitet hat, will das ungern wieder aufgeben. Und klar ist: Trainiert man ein paar Wochen gar nicht und bleibt danach erstmal bei kürzeren, langsameren Läufen oder alternativen Ausdauereinheiten, wird man nicht gerade in Höchstform für eine neue Bestzeit sein. Soll man aber auch gar nicht. Vielmehr soll diese Phase dazu beitragen, dass man nicht direkt auf eine Überlastung zusteuert, wenn das strukturiertere Training wieder beginnt.
Die Ambition, jetzt schon ins Training für den Hamburg-Marathon Ende April zu starten, wie ich es bei anderen Läufern sehe, habe ich zumindest nicht – auch unabhängig von der Erkältung. Ich vertraue lieber darauf, dass ich nach einem ruhigeren Herbst die Kraft – und die Motivation – habe, im Winter in einen Trainingsplan einzusteigen. Und ihn dann auch durchziehen kann. Denn gerade für ein Marathontraining sollte nicht nur der Körper, sondern auch der Kopf erholt sein.
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Die Tage, an denen ich mich fit genug für den Alltag, aber noch nicht für den Sport fühle, nutze ich jetzt für bewusst andere Dinge. Mein Balkon ist von sämtlichen vertrockneten Pflanzen befreit und beim Spaziergang durch den Kiez habe ich mir einen Kaffee von einem Café geholt, an dem ich bislang immer nur vorbeigerannt bin. Ich habe (darf man das Mitte November?) sogar schon den ersten Weihnachtsfilm geschaut, weil der Dezember mit sämtlichen Weihnachtseinkäufen, -märkten und -feiern doch immer schneller vorbei ist als gedacht. Und trotzdem verrate ich kein Geheimnis, wenn ich sage: Ich freue mich, wenn die Erkältung ein Ende hat. Und meine Laufschuhe nicht mehr nur Dekoration im Flur sind.




