Mitte Januar hat mich ein Infekt erwischt – und einfach nicht mehr losgelassen. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals eine derart lange – unfreiwillige – Sportpause eingelegt zu haben. Vier Wochen vergingen, doch die Krankheit wollte einfach nicht enden. Immer wieder war die Hoffnung da, dass es besser wird, immer wieder musste ich mir eingestehen: Wieder ins Training einzusteigen, ist noch keine Option. Inzwischen dauert die Pause so lange, dass mir meine Sportuhr nicht mehr sagt, dass ich unterfordert bin und sich mein Trainingszustand verschlechtert. Sie sagt schlicht: Es gibt zu wenige Daten, um überhaupt einen Trainingszustand zu ermitteln.

Mit jedem Tag, an dem die Krankheit einfach nicht abklingen wollte, wuchs der Frust. Und ein wenig auch die Sorge davor, wie es wohl werden wird, wieder ins Training einzusteigen. Schon bei anderthalb Wochen ohne einen Lauf weiß ich, dass mir die nächste Joggingrunde mir einen garantierten Muskelkater bescheren wird. Ich weiß, dass sich die ersten Schritte anstrengend und arhythmisch anfühlen werden. Mein einziger Trost: Es hat nicht nur mich getroffen. Immer wieder höre und lese ich von anderen Sportlern, die ebenfalls seit Wochen außer Gefecht gesetzt sind. Denn auch, wenn man niemandem eine Krankheit wünscht, gilt doch: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Wiedereinstieg ins Laufen: Geduld, um kein Risiko einzugehen

Nun steht mir der erste Lauf zum Wiedereinstieg immer noch bevor. Die tickende Uhr und das schlechte Gewissen, weil der Berliner Halbmarathon unaufhaltsam näher rückt, versuche ich zu ignorieren. Auch wenn es mir schwerfällt. Gerade wenn man sich bei einem abklingenden Infekt eigentlich schon wieder halbwegs fit fühlt und jeden Tag die unbenutzten Laufschuhe im Schuhregal stehen sieht. Aber ich werde immer wieder zur Geduld ermahnt. Es bringe nichts, sich auf den letzten Metern noch eine Herzmuskelentzündung einzufangen, schrieb mir eine Freundin. Immerhin besagt eine Statistik: Eine unbehandelte Herzmuskelentzündung ist die dritthäufigste Todesursache bei Sportlern und Sportlerinnen unter 35 Jahren.

Wenngleich das Laufen also nach wie vor tabu ist, habe ich den – vollkommen ungewohnten – Sonnenschein der vergangenen Tage genutzt, um den Körper ganz langsam daran zu gewöhnen, dass zum Alltag bald wieder mehr Bewegung gehören soll als nur die paar Schritte innerhalb der eigenen Wohnung. Mit Spaziergängen und ein wenig Radfahren, das allerdings mehr aus Rollen als aus Treten bestand. Das hat mir nicht nur einen, wenigstens gefühlten, leichten Sonnenbrand beschert, sondern auch den Vorteil, dass ich die Berliner Laufszene zumindest mal wieder beobachten konnte.

Laufen in Berlin: Zwischen Hitze und sibirischem Winter

Erste Auffälligkeit: Sobald ein wenig Sonne zu sehen ist, bricht bei den ersten der Sommer aus. Trotz frostigen drei Grad waren einzelne Sportlerinnen und Sportler bereits in kurzer Hose und T-Shirt unterwegs. Vielleicht steckte dahinter die Hoffnung, den Vitamin-D-Mangel der vergangenen Monate mit einem einzigen Lauf auszugleichen.

Das andere Extrem der Läufer agiert nach dem Motto „mehr ist mehr“. Mütze, Halstuch, Handschuhe, dicke Jacke, Sonnenbrille und mehrere übereinander geschichtete Hosen bedecken den Körper, sodass kaum ein Stück Haut frei bleibt. Diese Jogger sehen aus, als bereiteten sie sich auf den sibirischen Winter vor. Und sind im besten Fall direkt neben einem Vertreter der Hitze-Fraktion unterwegs. Ich staune immer wieder darüber, wie unterschiedlich die Entscheidung ausfallen kann, welche Kleidung wohl dem Wetter angemessen ist.

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Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich die Läufer nicht auch ein wenig neidisch beobachtet habe. Aber der Tag rückt näher, an dem aus dem Spazierengehen wieder ein Joggen werden kann. Und was die Kleidung angeht, kann ich nur sagen: Bei drei Grad wird mich niemand in T-Shirt und kurzer Hose draußen sehen. Selbst wenn sich die seltene Berliner Wintersonne zeigt.