Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell zwölf Wochen vergehen können. Plötzlich ist das Training vorbei und ein Lauf steht bevor. Bei vielen war es vor rund anderthalb Wochen der Berlin-Marathon, bei mir ist es am Sonntag der Cardiff-Halbmarathon. Ich habe in den vergangenen Jahren gemerkt, wie schön es ist, Reisen mit Läufen zu verbinden. Nach Lissabon, Prag, Valencia und Palma geht es jetzt also nach Wales. Ehrlicherweise ist Cardiff eine Stadt, die ich ohne den Halbmarathon wohl nicht besucht hätte, aber umso mehr kann man sich vor Ort überraschen lassen.
Noch läuft allerdings der Countdown, und die Woche vor einem Lauf bietet immer viel Zeit zum Nachdenken. Denn der Sport, der sonst viele Feierabende füllt, wird deutlich reduziert. Ich werde in den nächsten Tagen höchstens noch eine kurze, entspannte Runde drehen und ansonsten die Beine möglichst still halten. Ansonsten gilt es, sich abzulenken. Und wenn doch die Gedanken an den Lauf kommen, versuche ich, mich auf die positiven Emotionen zu fokussieren. Das Kribbeln vor dem Start, das Gemeinschaftsgefühl inmitten von Zehntausenden anderen Läufern, die Freude über Bands und Plakate am Streckenrand, die Zufriedenheit im Ziel. Damit gelingt es mir ganz gut, die Aufgeregtheit für die meiste Zeit zu verdrängen, obwohl sie natürlich dazu gehört und das Adrenalin beim Start sogar hilfreich sein kann.
Halbmarathon-Training: Das können regelmäßige Läufe bringen
Dazu, dass ich vor einem Halbmarathon heute ruhiger bleiben kann als noch bei den ersten Rennen, hat aber auch die Entwicklung der vergangenen Jahre beigetragen. Die Distanz von 21 Kilometern erscheint mir nicht mehr als riesige Hürde. Wenn ich mich an den Start stelle, kann ich das in dem Wissen tun: Sofern nicht etwas total schiefläuft und ich mir etwa während des Laufs eine Verletzung zuziehe, sollte ich das Ziel erreichen – was ein Zeichen dafür ist, was regelmäßiges Training bringen kann. Anders sieht das beim Marathon aus. Aber darum muss ich mich glücklicherweise erst im kommenden Jahr sorgen, wenn es ins Training für den Hamburg-Marathon geht.
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Für einen Halbmarathon nehme ich mir stattdessen inzwischen immer eine Zielzeit vor – in der Regel heißt das, schneller zu sein als beim letzten Mal. Für mich ist das eine Motivation im Training, um die Einheiten auch dann durchzuziehen, wenn ich keine Lust habe oder meine Trainingspartner absagen,
Mir ist aber genauso klar: Am Ende spielen viele Faktoren eine Rolle, um am Renntag sein Ziel zu erreichen. Es geht um die Tagesform, den Streckenkurs, das Wetter – für Cardiff ist derzeit Wind mit einer Geschwindigkeit von rund 30 Kilometern pro Stunde angesagt. Von den Böen wollen wir erst gar nicht reden. Ich hoffe auf viele Läuferinnen und Läufer um mich herum, die für Windschatten sorgen. Aber auch für den Fall, dass es am Ende nichts mit der angestrebten Zielzeit wird, lohnt sich der Blick zurück auf die vergangenen Wochen. Und auf das, was in der Zeit geschafft wurde.
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Halbmarathon laufen: Das Ziel ist ein Lachen beim Zieleinlauf
Ich bin von Spandau nach Tempelhof und gleich zweimal hintereinander um den italienischen Ledrosee gelaufen – wohl bemerkt bei 20 Grad und leichtem Nieselregen, also dem Wetter, von dem man beim Italienurlaub träumt. Ich habe nahezu wöchentlich Intervalltrainings absolviert, habe – für meine Verhältnisse – schnelle Zeiten bei Rennen über fünf und zehn Kilometer erreicht und bin beim Firmenlauf B2Run ins Olympiastadion eingelaufen. Und ich habe es geschafft, das Paar Laufschuhe, das mich im vergangenen Jahr durch den Marathon getragen hat, endgültig zu verschleißen. Natürlich geht mehr Training immer, aber ich bin zufrieden damit, vor allem, dass ich gesund und mit Spaß durch die letzten Wochen gekommen bin.
Aus dieser Vorbereitung für einen Lauf, so hat es auch Trainer Piet Könnicke erklärt, lässt sich Sicherheit für den Wettkampf ziehen, um vorher nicht zu nervös und angespannt zu sein. Ich versuche, die Worte am Sonntag im Kopf zu behalten, wenn die Aufregung in den Minuten vor dem Startschuss doch zunimmt. Und vor allem versuche ich, 21 Kilometer später, mit einem Lachen im Gesicht ins Ziel zu laufen. Ganz unabhängig vom Ergebnis.




