Wer sparen will, kauft am besten antizyklisch. Das gilt für Winterkleidung, Gartenmöbel oder auch: für Indoor Fahrrad-Trainer. In die Geräte werden Rennräder eingespannt, um das Radtraining auch bei schlechtem Wetter, Kälte und Dunkelheit im eigenen Wohnzimmer durchziehen zu können. Ihre Hauptsaison erleben die Rollentrainer entsprechend im Winter – weshalb im Sommer günstige Angebote möglich sind. Und was soll ich sagen? Seit wenigen Wochen steht auch in meinem Wohnzimmer ein solches Gerät.
Ich habe in dieser Kolumne schon mal über das erstaunliche Wachstum meiner eigenen Sportausrüstung berichtet. Es fängt mit dem ersten Paar Laufschuhe an, später werden daraus mehrere Paare, für entspannte Läufe, für schnelle Läufe, für Trailläufe. Und damit ist noch nicht Schluss: Plötzlich hängt an der Garderobe eine Laufweste, man besitzt eine Sportbrille und Armlinge und im Vorratsschrank steht eine Großpackung an Energiegels. Und nun also auch noch ein Indoortrainer, über den ich wahrscheinlich Anfang des Jahres noch gesagt hätte: Warum sollte ich den brauchen?
Rollentrainer: Statt im Fitnessstudio im Wohnzimmer radeln
Jetzt habe ich mich also doch überzeugen lassen, aus mehreren Gründen. Wie bei eigentlich allem gilt auch fürs Radfahren: Je öfter man es macht, desto mehr sieht man Fortschritte – ich habe das in diesem Jahr deutlich gespürt. Setzt man dagegen im Winter drei oder vier Monate aus, muss man sich die Form im Frühjahr erst wieder erarbeiten. Ähnliches gilt für die Position und das längere Sitzen auf dem Rennradsattel, an das sich der Körper nach einer längeren Pause zuerst wieder gewöhnen muss.

Daneben steht im Winter die Vorbereitung auf den Hamburg-Marathon an. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, das Training nicht nur aufs Laufen zu konzentrieren, sondern durchs Radfahren zu ergänzen, vor allem um Verletzungen und Überlastungen der Sehnen und Muskeln zu vermeiden. Darauf verlassen, dass das Wetter im Januar und Februar gut genug für Fahrten im Freien ist, will ich mich aber nicht. Und statt im Fitnessstudio auf einem der eng an eng stehenden Räder zu strampeln, setze ich mich doch lieber zu Hause auf mein eigenes Rad und drehe Runden durch virtuelle Welten. So zumindest die Theorie – wie viel Spaß die Praxis macht, wird sich über den kommenden Winter zeigen.
Training im Winter: Beim Indoortrainer ist noch nicht Schluss
Wobei sich zumindest eine Herausforderung im Fitnessstudio nicht stellt: das Hinterrad meines Rennrads aus- und wieder einzubauen. Der erste Schritt ist dabei noch machbar, beim zweiten wird es – zumindest für mich – kompliziert. Immerhin soll das Fahrrad die Aktion überstehen, ohne dass danach die Gangschaltung verstellt ist oder die Bremse schleift. Aber möglicherweise bringt das Indoortraining hier noch einen positiven Nebeneffekt und ich kann meine bislang begrenzten Fahrradmechaniker-Fähigkeiten über den Winter noch etwas ausbauen.
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Was außerdem bereits klar ist: Einen Rollentrainer allein zu kaufen, reicht nicht. Bei meiner ersten und bislang einzigen Testfahrt (so lange es geht, wird natürlich draußen geradelt) hat sich die Klimazone in meinem Wohnzimmer schnell in Richtung Tropen bewegt. Der Fahrtwind fehlte eindeutig, und das bereits nach zehn Minuten. Also steht bei mir zu Hause jetzt nicht nur der Indoortrainer, sondern auch ein ein Meter hoher Turmventilator, der Windgeschwindigkeiten von bis zu 7,9 Metern pro Sekunde verspricht, dabei aber trotzdem kaum hörbar sein soll. Auf dem Rennrad ist Gegenwind eine Qual, beim Indoorfahren werde ich hoffentlich dankbar für eine leichte Brise sein, die mir ins Gesicht pustet.
Und immerhin konnte ich auch hier das antizyklische Kaufen berücksichtigen. Jetzt, zum Ende des Sommers, erwerben vermutlich weniger Menschen einen Turmventilator. Außer vielleicht diejenigen, die, wie ich, von einem Rollentrainer überzeugt wurden.



