Manchmal bin ich selbst erstaunt darüber, wie Laufveranstaltungen mich immer wieder in ihren Bann ziehen können. Der S25 Berlin am Wochenende war mein viertes offizielles Laufevent allein in diesem Jahr und trotzdem war die Euphorie inmitten von Tausenden anderen Sportlerinnen und Sportler wieder groß. Mehr als 14.500 Menschen waren laut Organisatoren bei dem Traditionslauf dabei, noch einmal 3000 mehr als im vergangenen Jahr.
Ehrlicherweise hat mich das durchaus überrascht. Ich war im Vorfeld skeptisch, ob tatsächlich alle Angemeldeten starten würden. Oder ob viele aufgrund der Streckenänderung auf die Teilnahme verzichten. Denn die Ankündigung, dass es auf 25 Kilometern mit einigen Anstiegen durch den Grunewald geht statt wie üblich durchs Berliner Zentrum, hatte nicht bei allen Begeisterung ausgelöst. Kurzzeitig befürchtete ich sogar, wir würden nahezu allein durch den Grunewald joggen. Ich kann sagen: Dazu ist es nicht gekommen.
S25 Lauf in Berlin: Schon bei der Anreise war es voll
Vielmehr war der Bahnhof Westkreuz am Morgen gefüllt mit Läufern, und am Olympiastadion waren so viele Menschen wie wohl nur selten an einem Sonntag um 8.30 Uhr. Mehr Teilnehmer bringen allerdings auch Schwierigkeiten mit sich. Schon zur Startlinie zu kommen, war eine Herausforderung. Weil gleichzeitig Menschen zur Kleiderabgabe drängten, während andere versuchten, in die Gegenrichtung zum Olympischen Platz zu kommen, staute es sich vor dem Zugang, bis ein zweites Tor geöffnet wurde. Gerade noch rechtzeitig zum Startschuss erreichten wir den Startblock.
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Auch auf der Strecke war es vor allem auf der ersten Hälfte voll. Überholen bedeutete, sich möglichst klein zu machen und zwischen anderen Läufern hindurchzuschlängeln. Die Versorgungsstationen stießen ebenfalls zum Teil an ihr Limit: Die Helferinnen und Helfer kamen kaum hinterher, Wasserbecher zu befüllen. Ein Freiwilliger im Ziel erzählte, man habe mit kurzfristigen Absagen von Helfern zu kämpfen gehabt, die am Morgen plötzlich festgestellt hatten, dass Muttertag ist. Oder die einfach gar nicht erschienen waren. Diejenigen, die da waren, haben ihr Bestes gegeben.
Fans im Grunewald machen die Anstiege beim Laufen erträglicher
Am Ende sind es aber vor allem die schönen, die lustigen Momente, die in Erinnerung bleiben. Zum Beispiel die erste (eigentlich für die Halbmarathon-Läufer gedachte) Wasserstation, die gerade einmal rund 350 Meter nach dem Start auftauchte. „Finally!“, rief ein Läufer, als er euphorisch Wasserbecher und Bananen ansteuerte. Eine andere Frau hatte sich ein laminiertes Schild auf ihren Rücken geklebt, mit der Aufschrift: „Mich zu überholen, ist okay. Mich zu verpassen, wäre blöd“, und einem großen QR-Code darunter. Leider hatte ich mein Handy nicht griffbereit, die Auflösung dazu, wohin der Code geführt hat, kann ich also nicht liefern.
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Und wie immer waren es die Fans, die einen die Anstrengung für kurze Zeit vergessen ließen. Gerade weil sie im Grunewald erwartungsgemäß nur vereinzelt standen, war ich umso dankbarer für diejenigen, die den Weg dorthin auf sich genommen hatten – auch wenn sie möglicherweise gegen die Auflage verstießen, keinen Lärm oder Ruhestörungen im Naturschutzgebiet zu verursachen.
S25 Berlin: Der Einlauf ins Olympiastadion bleibt etwas Besonderes
Auch auf den letzten Kilometern sorgten die Zuschauer noch einmal für Motivation. Kurz hinter dem 22-Kilometer-Schild mussten wir noch einmal rund 30 Höhenmeter auf einer Länge von etwa 600 Metern überwinden. Und während ich versuchte, die letzten Reserven zu mobilisieren, feuerten zwei Frauen unermüdlich vom Streckenrand an, mit den Worten „Das ist der letzte Anstieg vorm Ziel“ und einem Plakat mit der Aufschrift: Schmerz geht, Stolz bleibt.
Ein anderes Beispiel dafür, dass Dinge einen immer wieder aufs Neue begeistern können, war der Einlauf ins Olympiastadion, der wieder für Gänsehaut gesorgt hat. In der Ostkurve saßen Hunderte Menschen, die Sportler wurden auf der großen Leinwand gezeigt und über die blaue Bahn lief es sich fast wie von selbst. Es gibt ein Foto von mir, dass mich kurz vor der Ziellinie mit einem breiten Lachen zeigt. Und das beweist: Das Plakat hat nicht gelogen. Der Schmerz des Anstiegs war drei Kilometer später schon wieder vergessen.




