Tränen der Freude, Krämpfe in den Waden und in der Sonne funkelnde Medaillen im Berliner Olympiastadion – so wie es am übernächsten Wochenende dem Sieger des DFB-Pokalfinales gehen wird, ging es am Sonntag etwa 14.000 Läuferinnen und Läufern, die an einer von vier Distanzen des Laufs S25-Berlin teilgenommen haben.

S25: Zufriedenheit mit der neuen Route

Seit 44 Jahren findet Deutschlands ältester Citylauf inzwischen statt. Eigentlich führt er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer traditionell an den Berliner Sehenswürdigkeiten Potsdamer Platz, Brandenburger Tor und der Gedächtniskirche entlang, bei der aktuellen Auflage blieben nur der Start am Olympischen Platz, der Zieleinlauf im Olympiastadion sowie der Halt am Theodor-Heuss-Platz in Westend erhalten. Aufgrund der Lage auf der A100 und der inzwischen abgerissenen Westend- sowie Ringbahnbrücke wurden die bisherigen Strecken durch die Stadt nicht genehmigt. Die Verkehrsbeeinträchtigungen am Autobahnkreuz Funkturm wären laut Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ) zu groß gewesen.

An jenem Platz war die Stimmung bereits kurz nach dem Start ausgelassen. Hunderte Zuschauerinnen und Zuschauer trommelten, klatschen und feuerten die noch fitten Teilnehmer an. „Wir wohnen um die Ecke und wollen die Läufer hier anfeuern“, sagt Melisa, die mit ihrem kleinen Bruder Cem am Streckenrand stand. Auf ihrem selbstgebastelten Plakat steht in großen Buchstaben: „Das Ziel ist nah.“ Gemeinsam mit anderen Zuschauern haben die Geschwister immer wieder zu La-Ola-Wellen für die vorbeikommenden Läuferinnen und Läufer angesetzt.

S25 Lauf Berlin
Bei S25-Lauf nahmen etwa 14.000 Läuferinnen und Läufer teil.© Jan Weber | Berliner Morgenpost

Linda und Charly sind zu Besuch in Berlin und warteten ebenfalls auf ihre laufenden Freundinnen, die beim Halbmarathon gestartet sind. „Obwohl wir nicht mitlaufen, sind wir für den ein oder anderen Motivationsschub natürlich mit an der Strecke“, berichtet Linda. Ihre Plakate mit den Aufschriften „Umdrehen lohnt sich jetzt auch nicht mehr“ und „Du schwitzt nicht, Du funkelst“ seien nicht ausschließlich für ihre Liebsten gedacht, „wir wollen allen, die hier vorbeikommen, ein gutes Gefühl mit auf den Weg geben.“ Sogar ein kleines Orchester bestehend aus Trommeln, einem Schlagzeug und ein paar Trompeten und Saxophonen stand am Beginn der Heerstraße bereit und spielte den Vorbeilaufenden mehrere Ständchen.

Olympiastadion Berlin: Ein ganz besonderes Highlight beim Schlussspurt

Vor dem Start konnte die Distanz ausgewählt werden: eine Laufstrecke über fünf, zehn, 21 oder 25 Kilometer. Der größte Teil der Strecke führte vom Theodor-Heuss-Platz aus über den Königs- und Kronprinzessinnenweg und die Havelchaussee in den Grunewald. „Die neue Strecke hat mir besser gefallen, als ich es erwartet habe. Sogar im Grunewald wurden wir von Zuschauerinnen und Zuschauern angefeuert“, sagt Jessica Hanack, Morgenpost-Reporterin, die die 25-Kilometer-Strecke gemeistert hat. Die abwechslungsreiche Strecke im Grunewald habe sie positiv überrascht, „obwohl die Steigung nach Kilometer 22 echt fies war.“ Ausbaufähig findet sie die Situation rund um die Getränkestände: „Es haben sich lange Schlange gebildet, wo bei den vorherigen Läufen bereits mit Wasser befüllte Becher auf die Teilnehmenden gewartet haben.“

S25 Lauf Berlin
Gänsehautmoment: Der Zieleinlauf im Olympiastadion beim S25-Lauf.© Jan Weber | Berliner Morgenpost

„Der Einlauf ins Olympiastadion ist immer so besonders. Es war ein Gänsehautmoment, als man durch den Tunnel lief und über 1000 Menschen einen anfeuern“, sagt die Läuferin. In der Ostkurve des Olympiastadions warteten hunderte Zuschauerinnen und Zuschauer auf die Teilnehmenden und machten großen Lärm. Durch den Tunnel unter dem Marathontor ging es für alle eine letzte Runde entlang durch das Stadion. „Vor so einer Kulisse auf den letzten Metern von so vielen Menschen angefeuert zu werden, das hat echt was und gibt ein tolles Gefühl“, berichtet die Berlinerin Sabrina, sichtlich aus der Puste. Nachdem sie die Ziellinie überquert hat, ging es über die Treppen hinauf durch das Marathontor hinaus, wo man von den Helferinnen und Helfern eine Medaille in die Hand gedrückt bekam.

Nach dem Lauf: Erleichterung und gute Laune

Der 68-jährige Hans vom TV Gronau ist extra aus Nordrhein-Westfalen angereist, um beim S25-Lauf an den Start zu gehen. „Das waren wahnsinnig gute Bedingungen heute, so macht das Laufen richtig Spaß. Ich könnte ja fast in ein paar Tagen dieselbe Strecke nochmal laufen.“ Für ihn sei es die erste Teilnahme an dem Format in Berlin gewesen, „aber sicherlich nicht die Letzte. Ich komme wieder.“ Für ihn sei die neue Streckenführung von Vorteil gewesen: „Bei mir zu Hause bin ich auch lieber in Wäldern und auf Wiesen unterwegs. Die Sehenswürdigkeiten schaue ich mir morgen in Ruhe an. Beim Lauf konzentriert man sich sowieso nicht so intensiv auf sein Umfeld.“

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Nach dem Zieleinlauf konnte man in viele erleichterte Gesichter schauen, sogar ein paar Tränen sind geflossen: „Ich habe noch nie an einem Halbmarathon teilgenommen, weil ich dachte, dass mir das zu viel wird. Um so stolzer bin ich auf meine Leistung hier heute“, sagt eine Frau. Die 50-Jährige habe sich mehrere Monate auf den für sie besonderen Tag vorbereitet und ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Es hat einfach alles gepasst. Die Strecke war super und das Wetter sowieso.“ Gemeinsam mit ihren beiden Söhnen, die ebenfalls die Halbmarathon-Distanz gelaufen sind, gehe sie am Abend schick essen: „Das haben wir uns absolut verdient.“