Die ersten Tage nach einem großen Laufevent fühlen sich für mich immer ein bisschen unwirklich an. Nach all dem Training, der Vorfreude und Aufregung und dem nahezu stündlichen Prüfen der Wettervorhersage ist plötzlich alles vorbei. Auch der Berliner Halbmarathon 2025 ist jetzt Geschichte und ich kann sagen: Ich musste mich einige Jahre gedulden, um einen perfekten Tag für den Lauf zu erwischen. Dieses Mal war er da.

Es war kalt, aber sonnig und den ersten Gänsehautmoment gab es schon im Startblock, als der Countdown zum Startsignal lief. Ich kann verstehen, dass Jürgen Lock nach vielen Jahren als Geschäftsführer von Veranstalter SCC Events noch immer Freudentränen in den Augen hat, wenn er auf die Menge an Läuferinnen und Läufern auf der Straße des 17. Juni schaut, die sich schließlich in Bewegung setzt.

Berliner Halbmarathon: Neue Strecke sorgt für Rekorde

In diesem Jahr hatte der Veranstalter außerdem die Strecke angepasst, um diese noch schneller, flacher und reicher an Sehenswürdigkeiten zu gestalten. Erhofft hatte man sich von der Neuerung Rekorde – und die Athleten haben geliefert. Der Streckenrekord bei den Frauen wurde enorm verbessert, bei den Männern nur um eine Sekunde verfehlt. Amanal Petros lief zugleich als erster Deutscher die 21,0975 Kilometer in unter einer Stunde. Auch mir hat die Strecke zu einer Bestzeit über die Halbmarathon-Distanz verholfen, trotz der langen Krankheitspause in der Vorbereitung.

Auch interessant

Klar ist aber auch: Der Rundkurs allein macht den Lauf nicht aus, ebenso wenig die 40.000 Teilnehmer. Es ist die Stimmung an der Strecke, die den Berliner Halbmarathon so besonders macht. Da sind die Bands und offiziellen „Cheering Points“, die jubelnden Fans und Angehörigen, die in diesem Jahr stundenlang bei sechs Grad und eisigem Wind ausharrten und dennoch nicht müde wurden, ihre Plakate zu schwenken, Läufer abzuklatschen und aufmunternde Worte zu rufen. Wie sehr einen das motiviert, versteht man glaube ich erst, wenn man es selbst einmal erlebt hat.

Zuschauer auf der Zielgeraden sorgen für einen Endorphinschub

Es gab in diesem Jahr eine Stelle, an der ich gemerkt habe, wie die Anstrengung zunimmt: Auf der Grunerstraße ging es leicht bergauf, der Wind kam in Böen und hatte offenbar auch noch das 16-Kilometer-Schild umgepustet. Das wurde zwar den TV-Bildern zufolge wieder aufgestellt, zumindest war die Zahl aber nicht sichtbar, als ich daran vorbeilief – und das zu einem Zeitpunkt, an dem man für jeden Kilometerpunkt, den man erreicht, dankbar ist.

Kurz nach dem Abzweigen auf die Karl-Marx-Allee war dann aber plötzlich Musik zu hören. „Take me home, country roads“ klang aus den Lautsprechern, ein Klassiker, der auf und an der Strecke zum Mitsingen animierte. Die Ablenkung half, das Laufen fiel mir direkt wieder leichter. Besonders war auch die lange Zielgerade Unter den Linden, an der Tausende Zuschauer standen und die Läufer auf den letzten Kilometern beflügelt haben. Der Endorphinschub war, zumindest bei mir, riesig. Auch Amanal Petros sprach später davon, dass die Stimmung, wie immer in Berlin, „Bombe“ gewesen sei.

Halbmarathon Berlin: Die Finisher-Quote könnte noch höher liegen

Was ich mir für das nächste Jahr wünschen würde: Dass noch mehr Menschen, die sich für den Halbmarathon anmelden, auch an den Start gehen und das Ziel erreichen. Vergleicht man die Zahl der angemeldeten Läufer mit der Finisher-Zahl, gibt es eine deutliche Lücke: Von 40.721 registrierten Sportlern sprachen die Veranstalter, die Ergebnislisten führen gut 34.600 Läuferinnen und Läufer auf. Damit haben rund 85 Prozent der Angemeldeten den Berliner Halbmarathon auch beendet. Beim Berlin-Marathon im vergangenen Jahr waren es mehr als 93 Prozent.

Mehr zum Thema Laufen in Berlin

Auch wenn der Berliner Halbmarathon damit mehr Finisher hatte als 2024 und bereits zu den drei größten Halbmarathons der Welt zählt: Ich glaube, da geht noch mehr. Natürlich sollte niemand krank oder verletzt laufen – ich musste selbst aus dem Grund mehrfach auf eine Teilnahme verzichten. Aber gerade, weil die Startplätze so begehrt sind, sollte man zumindest sein Bestes dafür geben, am Start stehen zu können und die Vorbereitung ernsthaft angehen. Ich verspreche auch: Wer die Stimmung auf der Strecke erlebt, wird die Trainingsstunden nicht bereuen.