Sommer der Veränderung

Kein Kuchen im Gewächshaus: Pankow plant neues „Café Mint“

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Berliner Ausflugsort ohne kulinarisches Herz: Im großen Schau-Gewächshaus des Botanischen Volksparks Pankow schmerzt der Verlust des „Café Mint“ noch länger als gedacht.

Berliner Ausflugsort ohne kulinarisches Herz: Im großen Schau-Gewächshaus des Botanischen Volksparks Pankow schmerzt der Verlust des „Café Mint“ noch länger als gedacht.

Foto: Thomas Schubert

Extreme Dürre und der Verlust des Kultcafés setzen dem Botanischen Volkspark zu. Der Bezirk Pankow hat für beides eine Erklärung.

Berlin.  „Vorsicht Astbruch!“ Das Erste, was Besucher vom Botanischen Volkspark in diesem August erblicken, ist diese Aufschrift eines Warnschilds am Tor. Als zweites fallen verdorrte Wiesen ins Auge. Und Beete, wo eigentlich Blumen sprießen sollten, aber stattdessen Rindenmulch die Kahlstelle kaschiert. Dritte Auffälligkeit ist die Leerstelle im großen Gewächshaus. Denn seit dem Auszug des kultigen „Café Mint“ zwischen Palmen und Kakteen hat das Bezirksamt Pankow auch nach sechs Monaten kein Nachfolge-Angebot gefunden.

Dabei wurden keine Mühen gescheut, betont die für Grünanlagen zuständige Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU). „Wir haben Angebote mit mehreren Caterern ausprobiert. Dabei fragen wir uns: Passt das Angebot zur Botanischen Anlage und zum Publikum?“, beschreibt sie das Casting an „stark frequentierten Wochenenden“ in diesem Sommer. Pankow sucht das neue „Café-Mint“ – so könnte man die Arbeit an einer Lösung für das vielleicht drängendste Problem des Volksparks nach dem Ausstieg der Stiftung Grün Berlin im Januar nennen: Der Wegbruch der Gastronomie.

Einzelne Kandidaten für die Neubesetzung des Park-Cafés benennt der Bezirk Pankow zwar noch nicht - denn dafür braucht es ein formelles Interessenbekundungsverfahren. Aber ein Bewerber wäre sicherlich der Caterer „Eam-Group“, der zur Sommer-Festveranstaltung „Königin der Nacht“ ein Produkt mit Lokalkolorit verkaufte: „Q-Bier“, gebraut im Ortsteil Buch.

Botanischer Volkspark: Pankow will nie mehr Kuchen unter Palmen

Unter den bisherigen Konzeptideen der Bewerber ist laut Stadträtin Anders-Granitzki aber „noch nichts im Topf, was kocht.“ Und das bedeutet für den Botanischen Volkspark: In diesem Spätsommer und Herbst, wenn an Wochenenden Tausende Berliner die Kürbis-Ernte auf den Schau-Ackern des Parks bestaunen, wird man nirgends einkehren können. Aber man wird durch die Scheiben des zentralen Gewächshauses immer noch die Überreste von Tom Rollestons Kult-Lokal erspähen.

Inzwischen ist die Theke des „Café Mint“ abgebaut, doch die Stühle stehen noch aufgestapelt vor subtropischen Pflanzen. Man wolle das Mobiliar von Rolleston gerne kaufen, sagt die Stadträtin. Was aber nicht bedeutet, dass dieser Ort aus Sicht der Lebensmittelaufsicht für eine Neuauflage taugt.

Zur Erinnerung: Bei Kontrollen hatten Inspekteure des Bezirksamts Pankow die Verköstigung im Gewächshaus für kritisch befunden. Auch wenn genau das zehn Jahre kein Problem war, hätte Rolleston nun nachbessern sollen. Doch die Investitionen schienen dem gebürtigen Briten so hoch, dass er aufgab. Zu wenig Sicherheit boten ihm zugleich die kurzen Verträge, die der Bezirk anzubieten vermochte.

„Café Mint“ verkaufte Inventar bei Ebay - aber nicht alles

Bei Ebay-Kleinanzeigen erstanden Fans schon Teile des Inventars. Nun bleiben nur noch die Stühle des „Café Mint.“ Wenn es womöglich ab 2023 wieder einen Wirt im Volkspark gibt, dann nicht mehr im Schaugewächshaus, sondern wohl in einer externen Bude. Kuchen zwischen blühenden Kakteen, das ist Geschichte – auch wenn diese schräge Idee für viele Parkbesucher das Faszinosum am Botanischen Volkspark war. Nun, da das Bezirksamt Pankow und nicht mehr Grün Berlin die Geschicke bestimmt und Verträge mit Parkakteuren abschließt, bleibt eben doch nicht alles beim Alten.

„Hoffentlich gibt es keine 0815-Lösung“, sagt Ute Schmitz, die an einem heißen August-Tag vor der verschlossenen Café-Tür steht. „Das ,Mint’ war einmalig und fehlt uns schrecklich“, gibt die Stammbesucherin des Botanischen Volksparks offen zu. „Man muss sich Stullen einpacken und kann den guten Zeiten nur nachtrauern.“ Wer dieser Tage mit Parkbesuchern spricht, hört immer wieder diese beiden Kritikpunkte: Das „Café Mint“ ist weg. Und die botanische Pracht ist insgesamt im Schwinden begriffen. Stichwort „Astbruch“.

Pankow pflegt auf verlorenem Posten: „Haben die schlimmste Dürre seit 1976“

Tatsächlich soll sich an der Pflegeintensität seit dem Übergang der Verantwortung von Grün Berlin an Pankows Grünflächenamt ab 2022 nichts verändert haben, betont Stadträtin Anders-Granitzki. „Auch Grün Berlin hatte externes Personal mit der Pflege beauftragt. Und die Leistungen sind immer noch die gleichen.“ Dass sich das Grün des Botanischen Volksparks in einer Ockergelb verwandelt hat, liege schlicht am unbarmherzigen Wetter. „Wir haben die schlimmste Dürre seit 1976“, heißt es zur Einordnung. Sprich: Der Bezirk leistet sein Bestes – doch die Sonne ist stärker.

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Eine Aussage, die Max von Grafenstein nicht unplausibel erscheint. Als Projektleiter der parkeigenen „Bauerngärten“ hat der Landwirt diesen August alle Hände voll zu tun, Ackerflächen mit Wasser zu versorgen. Felder, auf denen sich Berliner als Landwirte ausprobieren können. Ein boomendes Angebot, was nicht verloren gehen sollte, hofft von Grafenstein. Die Nachfrage von Hobby-Bauern übersteige das zu beackernde Land bei weitem – „aber wir warten noch auf unseren neuen Vertrag.“

Ulli Zelle moderiert Debatte über die Zukunft des Botanischen Volksparks

Laut der Stadträtin muss sich keiner der Park-Akteure, auch nicht die Bauern-Gemeinschaft vom „Weltacker“ mit ihren agrar-pädagogischen Angeboten, Sorgen machen. Alle Verträge, wie es sie unter Grün Berlin gab, sollen in den kommenden Wochen in die Zuständigkeit des Bezirksamts überschrieben werden. Getreu des immer wieder vorgebrachten Versprechens aus dem Pankower Rathaus: Für Parkbesucher soll sich durch den Verantwortungswechsel im einstmals größten Schulgarten Deutschlands nichts ändern.

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Fortschritte für die 34 Hektar große Anlage braucht es in jedem Fall – das wissen alle, die jetzt an völlig verwilderten Gewächshäusern und zerfallenden Schuppen vorbeispazieren. Wie sieht das Zukunftskonzept des Bezirksamts Pankow für diesen Botanischen Garten des Berliner Ostens aus? Vielleicht wird man erste Hinweise beim diesjährigen Herbstfest erhalten. Am 10. September soll Moderator Ulli Zelle den Verantwortlichen Antworten entlocken. Vielleicht auch eine Antwort auf die für Besucher dringendste Frage: Wer beerbt das „Café Mint“?

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