Naherholung

Wie der Botanische Volkspark in Pankow aufblühen soll

Die Planer wollen Gewächshäuser sanieren lassen. Das „Café Mint“ könnte Tropenhaus verlassen. Es entsteht ein Naturbildungszentrum.

Ulf Schrader vom Büro Planorama schlägt vor, das unscheinbare Tor des Volksparks aufzuwerten.

Ulf Schrader vom Büro Planorama schlägt vor, das unscheinbare Tor des Volksparks aufzuwerten.

Foto: Thomas Schubert

Tropische Schwüle in Hallen mit exotischen Gewächsen weckt das Fernweh – mittendrin: das „Café Mint“. An Wochenenden und Feiertagen haben Betreiber Tom Rolleston und seine Mitarbeiter Mühe, den Besucherandrang zu bändigen. Gefühlt landet jeder, der den Botanischen Volkspark Blankenfelde in Pankow besucht, an seinem Tresen, hier im alten Tropenhaus am Hauptpfad einer Grünanlage, die einmal gedacht war als Ost-Berliner Gegenstück zum Botanischen Garten in Lichterfelde. Dank eines neuen Entwicklungskonzepts der Senatsumweltverwaltung und des Bezirksamts Pankow könnte der Botanische Volkspark aus dem Schatten des Konkurrenten im Südwesten Berlins heraustreten – und neue Maßstäbe setzen für Naherholung und Umweltbildung.

Noch steht das Konzept ganz am Anfang – aber das „Café Mint“ und Tom Rolleston befinden sich bereits im Zentrum der Überlegungen. Geht es nach den ersten Vorschlägen der verantwortlichen Parkgesellschaft Grün Berlin, könnte das beliebte Café das Tropenhaus verlassen. Und etwa 50 Meter weiter in einem der flachen Gewächshäuser neu eröffnen. Die liegen nach jahrelangem Verfall völlig brach und bräuchten eine grundlegende Sanierung. Für Ulf Schrader vom Architekturbüro Planorama ist das kein allzu gravierender Eingriff. Er verspricht: „Wir nehmen den Park, wie er eigentlich ist. Es geht nicht darum, etwas Vorhandenes zu überplanen.“

Neubau für die Umweltbildung am Tropenhaus vorgesehen

Und Tom Rolleston? Er will dem möglichen Umzug nicht im Weg stehen. „Es war immer ein Provisorium“, sagt er zum Verkauf von Kaffee, Kuchen und Scones aus seiner irischen Heimat, zwischen Kakteen und Palmen. Auch in einem anderen Gewächshaus könne er mit seiner Mannschaft durchaus heimisch werden und die Idee eines Lokals im Glashaus weitertragen. Das Tropenhaus wiederum wäre für neue Exponate frei.

So oder so – auch im Botanischen Volkspark der Zukunft wird das Café seine Funktion als Mittelpunkt des Areals behalten. Deshalb soll an diesem Punkt auch der Neubau eines Bildungszentrums entstehen. „Wir wollen Umweltbildung im Volkspark künftig ganz groß schreiben“, hebt Andre Ruppert von Grün Berlin die Bedeutung dieses Projekts für den gesamten Norden Berlins hervor. In einem solchen Zentrum könnten täglich mehrere Klassen Unterricht zu Themen der Stadtnatur bekommen. Nach Plänen des Senats soll jede Klasse in Berlin mindestens einmal im Jahr einen außerschulischen Lernort besuchen – der Volkspark in Pankow, dem einwohnerstärksten Bezirk, wäre ein sehr bedeutender.

Stillgelegtes Heizhaus steht vor dem Abriss

Was der Ausformung des Parkmittelpunkts mit Bildungszentrum am Tropenhaus im Wege steht, ist aber das benachbarte Heizhaus. „Es wirkt wie ein Fremdkörper und wird nicht mehr gebraucht“, meint Schrader. Ein Abriss dieses Blocks und eine Sanierung der dahinterliegenden Gewächshäuser könnte die ursprüngliche Struktur des Volksparks herausheben. Als wohl einzige Grünanlage in Berlin vereint der Park drei Landschaftstypen: Im Süden herrschen Gärten vor, im Norden Felder, im Westen befindet sich ein Wald.

Seit Gründung des heutigen Volksparks als zentraler Berliner Schulgarten im Jahre 1909 durch den Gartenbaudirektor Albert Brodersen hat sich dieser Dreiklang verfestigt. Zur wechselvollen Geschichte des 34 Hektar großen Geländes gehörten immer wieder Projekte im Zeichen der Umweltbildung. Als „Zentralstation der Jungen Naturforscher ,Walter Ulbricht’ wurde der Park in den 50er-Jahren um ein Wildgehege und Volieren erweitert. Im Jahre 1977 übernahm die Humboldt-Universität die Verwaltung und sorgte dafür, dass der Park mit einem Tropenhaus als botanischer Garten für Ost-Berlin glänzen konnte.

Ein Marktplatz soll entstehen

Seit den 90er-Jahren kam das Gelände als öffentliche Grünanlage in den Genuss dezenter Sanierungsmaßnahmen. 2018 gelang zuletzt die Rekonstruktion der „geologischen Wand“, die Millionen Jahre alte Gesteinsproben enthält. Doch markante Liegenschaften wie die Holzbaracken nahe des Eingangs verfallen bis jetzt. Mit dem Entwicklungskonzept des Senats könnte auch für diese Wirtschaftsschuppen ein neues Kapitel beginnen. Ein erster Vorschlag des Büros „Partner und Partner“: Die Baracke und ihr Vorhof könnten als Marktplatz hergerichtet werden, und in den modernisierten Gebäuden wäre Platz für Seminarräume.

Dem Park fehlt ein repräsentativer Eingang

Trotz dieser markanten Punkte und der Zusammenführung von Acker, Wald und Garten in einem Park stellen die Planer fest: Der Volkspark lässt sich schwer als klare Einheit fassen. Obwohl an Wochenenden dichtes Gedränge herrscht, teilt das bescheidene Haupttor an der Blankenfelder Chaussee über die Beliebtheit des Erholungsorts nach außen nichts mit. „Wer den Park nicht kennt, würde ihn nicht finden“, beschreibt Ulf Schrader diesen Widerspruch. Ein repräsentatives Tor steht weit oben auf der Wunschliste der Planer.

Vor 2021 dürfte aber keine der Maßnahmen umgesetzt werden. Und wie weitreichend der Umbau erfolgen wird, hängt davon ab, wieviel Geld aus den Kassen des Landes dann bereitliegt.