Saisonstart ins Ungewisse

Botanischer Volkspark Pankow: Die Ära nach dem „Café Mint“

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Ein von Tierschützern befreites Damwild ist der heimliche Star im Botanischen Volkspark Pankow. Aber ein anderer wichtiger Grund zum Parkbesuch fehlt.

Ein von Tierschützern befreites Damwild ist der heimliche Star im Botanischen Volkspark Pankow. Aber ein anderer wichtiger Grund zum Parkbesuch fehlt.

Foto: Thomas Schubert

Der Botanische Volkspark, einer der beliebtesten Ausflugsorte Pankow, kämpft gegen den Niedergang. Mit Pommes-Wagen statt Kult-Café.

Berlin. Was vom „Café Mint“ bleibt, ist eine falsche Hoffnung. „Zur Zeit Geschlossen“, verkündet ein Zettel am Eingang des Gewächshauses. Doch der Verlust des Ausflugslokals im schwül-warmen Glasbau zwischen Zitrusfrüchten, Kakteen und Palmen ist endgültig. Tom Rolleston, der Betreiber, kehrt aus Enttäuschung über fehlende Planungssicherheit und nach einem Streit mit dem Bezirksamt um die Modernisierung von Gästetheke und Küche nicht mehr zurück. Der Botanische Volkspark Blankenfelde-Pankow, er ist um einen Anziehungspunkt ärmer.

Ob ein Pommes-Wagen, der neulich am Wochenende für das leibliche Wohl sorgte, das erstklassige Café mit Kuchen, Scones und Rösterei-Produkten auf Prenzlauer Berg-Niveau ersetzen kann? Max von Grafenstein, ein freundlich grinsender Herr mit Sonnenhut, will sich den Saisonstart im Botanischen Volkspark am Sonnabend, 30. April, von solchen Vorstellungen nicht vermiesen lassen. „Wir haben jedenfalls ein paar Fragen“, erklärt der Projektverantwortliche der „Bauerngärten“ im Park die Podiumsdiskussion, die an diesem Tag ab 15 Uhr mit Vertretern der Pankower Bezirkspolitik stattfinden soll.

Ein Netzwerk hielt den Botanischen Volkspark Pankow zusammen - doch einer fehlt

Die Fragen teilt von Grafenstein mit den anderen verbliebenen Akteuren, wie der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, die den bekannten „Weltacker“ betreibt und auf lebendige Weise über den Lebensmittelanbau auf der Ganzen Welt Auskunft gibt. Und dann sind da noch verschiedene Bildungsträger aus dem Bereich Agrar und Ökologie. Imker, Kräuter- und Baumpädagogen. Bauern und Schafzüchter, dazu die Nordberliner Werkstätten für Menschen mit Behinderungen.

Noch immer verweist der 34 Hektar Große Botanische Volkspark auf seine Gründertage als einer der größten Schulgärten Europas. Aus Max von Grafensteins Sicht war der Park mit seinen Akteuren in den letzten Jahren zu einem Ökosystem gewachsen. „Die Leute der Werkstätten haben bei mir auf dem Feld meine Kürbisse mitgeharkt. Und Tom Rolleston machte am Ende Suppe aus den Kürbissen. Das ist für mich ein einmaliges Netzwerk.“

Bezirksamt Pankow sollte 775.000 Euro für die Parkbewirtschaftung zuschießen

Unter der landeseigenen Gesellschaft Grün Berlin haben solche liebenswerte Konstrukte funktioniert. Wie sehr es sich rentiert, war zweitrangig. Doch als das Bezirksamt Pankow die Zuschüsse an die Verwalter für von 300.000 auf 775.000 Euro drastisch erhöhen sollte, zog der Bezirk die Reißleine. Und übernahm die Verwaltung ab 2022 einfach selbst. Für ein halbes Jahr sollten alle bisherigen Akteure und Liegenschaften im Park, vom Wildgehege bis zum Weltacker, Bestandsschutz haben, hieß es zu Neujahr.

Nach dem schlagartigen Aus für das „Café Mint“ im großen Gewächshaus, lange vor Erreichen der Halbjahresfrist, herrscht im Kreise der Verbliebenen eine gewisse Skepsis. Zugleich bescheinigen sie den Vertretern der Pankower Behörden – selbst Denkmalschützer erkunden derzeit das neue Verwaltungsgebiet – ein hohes Engagement, sich in der neuen Materie einzufinden.

Moderator Ulli Zelle will Pankows Fachpolitikern Antworten entlocken

Bei der Podiumsdiskussion mit Moderator Ulli Zelle werden Max von Grafenstein und die anderen Parkanrainer am Sonnabend genau hinhören, wie Pankows Bezirkspolitiker im früheren Botanischen Garten Ost-Berlins die Weichen stellen wollen. Verfallene Gewächshäuser und marode Baumbestände können den Investitionsstau kaum verbergen. Konzepte für den Bau eines neuen Haupteingangs oder die Umsiedlung des Café Mint in ein eigenes Gebäude wurden einst stolz vorgetragen. Und gerieten in Vergessenheit. Zugleich sind die vertraglichen Zusagen für die Park-Akteure kurz, die genaue Marschroute wirkt unklar.

„Unter Grün Berlin gab es noch so etwas wie eine Vision“, sagt von Grafenstein. Eine Vision des Bezirks, formuliert von der zuständigen Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) würde wohl zu Beruhigung beitragen und Zukunftssorgen mindern. Sie hatte gleich zur Übernahme des Botanischen Volkspark zugesagt, dass sich für Besucher nichts verändern soll – und war dann mit dem Grünflächenamt zu einer Bestandsaufnahme übergegangen. Was sich aus dieser Analyse ergibt, ist bislang noch nicht klar.

„Das Bezirksamt hat in den vergangenen Monaten nie einen Zweifel daran aufkommen lassen, dass die Arbeit der Akteure vor Ort nicht wertgeschätzt wird beziehungsweise der Volkspark nicht geöffnet bleiben wird“, sagt Anders-Granitzki auf Anfrage. Vertragsverhandlungen mit den Park-Machern seien im Gange - „ich werde diesen Prozess persönlich begleiten“, heißt es als Versprechen.

Mehrheit aus CDU, Linken und SPD stützt Machtübernahme des Bezirks Pankow

Wie es auch kommen wird: Die Stadträtin weiß eine politische Mehrheit von CDU, Linken und SPD hinter sich, wenn es darum geht, den Park in Eigenregie zu verwalten. Während die Grünen eine Rückkehr unter die Fittiche von Grün Berlin für richtig hielten, schlugen die anderen Fraktionen den Vorschlag mit Verweis auf zu hohe Zuschüsse aus den Bezirkskassen vehement nieder. Pankow kann es günstiger schaffen, und trotzdem gut, meinen Fachpolitiker des Mehrheitslagers.

Max von Grafenstein hofft, dass die Kostensicherung aus Bezirkssicht nicht dazu führt, dass Anrainer für ihre Projekte draufzahlen müssen. Und er erinnert an das besondere Ökosystem des Botanischen Volksparks, wo Kürbisse, die auf seinem Acker geerntet wurden, am Ende zu Suppe wurden, die das Café Mint Besuchern reichte. Alles, was vom Café Mint blieb, sind pastellgrüne Stühle in einem leeren Glashaus voller Pflanzen.

Pankower Stadträtin freut sich auf Bewerbungen von Gastronomen

Doch laut Stadträtin Anders-Granitzki muss es so nicht bleiben. Gastronomen, die ein Angebot im Park starten wollen, seien dazu aufgerufen, sich bei ihr zu melden.

Saisonstart Botanischer Volkspark Blankenfelde-Pankow, Blankenfelder Chaussee 5, 13159 Berlin, Sonnabend, 30. April, 13 Uhr Eröffnung, 15 Uhr Podiumsdiskussion

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