Prenzlauer Berg

Tanzen trotz Corona: Polizei löst Party im Soda Club auf

Die Polizei beendete eine Party mit 300 Gästen. Das Bezirksamt prüft Konsequenzen. Der Veranstalter stellt den Abend anders dar.

Eine Tanzveranstaltung im Soda Club in Prenzlauer Berg sorgte für einen Polizeieinsatz.

Eine Tanzveranstaltung im Soda Club in Prenzlauer Berg sorgte für einen Polizeieinsatz.

Foto: pa

Berlin. Die Zahl der Corona-Infektionen steigt, doch die Hemmschwelle für Partys sinkt: Nach Polizeieinsätzen bei illegalen Großveranstaltungen in der Hasenheide und anderen Grünanlagen im Laufe des Sommers mussten die Ordnungshüter am Wochenende nun auch bei einem Event in geschlossenen Räumen einschreiten. Im Fokus der Polizei: Der Soda-Club in Prenzlauer Berg. Rund 300 Besucher sollen die Örtlichkeit in der Kulturbrauerei am frühen Sonnabendmorgen besucht und auf mehreren Tanzflächen in Gruppen dicht an dicht getanzt haben. Ungeachtet von Abstandsregeln und Hygienekonzepten, wie die Polizei bemängelt. Laut „Tagesspiegel“ waren mehrere Anzeigen eingegangen.

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Soda Club weist Vorwurf einer illegalen Tanzparty vehement zurück

Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) machte nun auf den Zwischenfall mit einem Twitter-Eintrag aufmerksam und wies dabei Veranstalter und Gäste zurecht: „Besinnt Euch mal, echt ey“, schrieb Benn zu den Geschehnissen, die sich nicht wiederholen sollen.

„Wir prüfen in diesem Fall die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstoß gegen die Infektionsschutzverordnung“, erklärte am Donnerstag Gesundheitsstadtrat Torsten Kühne (CDU). Schlimmstenfalls droht dann ein hohes Bußgeld – doch eine Schließung des Clubs steht momentan nicht zur Debatte. Offiziell sind Club-Veranstaltungen mit vollen Tanzflächen aufgrund der Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht erlaubt.

Tatsächlich gilt für den Soda-Club, der mit Platz für mehr als 2000 Gäste zu den größten Berlins gehört, derzeit ein coronagerechtes Konzept, wie die Veranstalter am Donnerstag betonten. Es gelte eine Obergrenze für 300 Besucher, die sich zudem in mehreren Sitzecken weitflächig verteilen. In diesen „Abteilen“ können Gäste, die in Listen registriert werden, Speisen und Getränke bestellen. Und wer von seinem Platz aufsteht, muss Mund und Nase bedecken. „Die Polizei hat bei uns 20 bis 30 tanzende Menschen ohne Maske angetroffen und dann von ihren Befugnissen Gebrauch gemacht“, schilderte Holger Hartenhauer als Sprecher der Geschäftsleitung der Morgenpost seine Sichtweise. Er weist die Darstellung, eine illegale Tanzparty zugelassen zu haben, vehement zurück.

Veranstalter hat Tanzflächen wegen Corona bewusst zustellen lassen

Wegen der Aufstellung dutzender Sitzmöbel in den Clubräumen sei es räumlich gar nicht möglich, dass 300 Menschen gemeinsam tanzen. Bei Kontrollen des Personals hätten sich Gäste an Abstands- und Hygieneregeln gehalten, doch im Laufe des Abends habe die Disziplin bei einigen wohl auch unter Alkoholeinfluss nachgelassen, heißt es zur Erklärung.

Inhaber Frank Isenthal lud am Donnerstag zu einem Rundgang ein, um das vom Gesundheitsamt genehmigte „Lounge-Konzept“ mit Bedienung an abgetrennten Tischen – und mit dem Verzicht auf Tanzflächen – zu präsentieren.

Gleich nach der Schließung durch die Polizei habe man die Anordnung der Sitzabteile nochmals verändert und die Abstände weiter vergrößert. Das sei vom örtlichen Polizeiabschnitt so gefordert worden, sagt Isenthal. In diesem Modus ging die Party schon in der Nacht zum Sonntag weiter. Und auch am kommenden Wochenende stehen im Soda Club wieder Veranstaltungen mit dem „Lounge-Konzept“ auf dem Plan.

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Security-Kräfte sollen Tanzverbot durchsetzen

Zum Hygienekonzept gehört die Erfassung aller Kontaktdaten und sogar die Messung der Körpertemperatur. Wer den Tisch verlässt, muss dabei unbedingt eine Maske tragen. Darüber sollen Security-Mitarbeiter wachen, die sich von nun an permanent in den Club-Räumen aufhalten werden. „Wir machen hier keine Tanzveranstaltung. Aber ich werde nicht unterbinden, dass sich jemand am Tisch bewegt“, stellt der Betreiber klar. Zugleich gibt er sich einsichtig und sagt: Das Eingreifen der Polizei in der fraglichen Partynacht sei korrekt gewesen.

Eine Dilemma bleibt die Auffassung von Gästen, die einen Besuch in einem Berliner Club weiterhin mit Tanzen assoziieren. Auch wenn das derzeit verboten ist. „Tanzlustbarkeiten und ähnliche Unternehmen im Sinne der Gewerbeordnung dürfen in geschlossenen Räumen nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden“, zitiert dazu Pankows Gesundheitsstadtrat Torsten Kühne aus der Berliner Infektionsschutzverordnung. Auch für Gaststätten „mit der besonderen Betriebsart Diskotheken“ gebe es keine Freigabe. Deshalb experimentieren Berliner Clubs wie das Berghain derzeit zum Beispiel mit „Gartenpartys“ und massiv reduzierten Gästezahlen.

Polizei prüft Hergang in der Partynacht

Für den Soda Club soll es bei bei der Lösung mit separierten Sitznischen und Bedienung am Platz bleiben. Damit verfahre man auch nicht anders als viele andere Betriebe, betont Frank Isenthal. Durch den Vorwurf, illegale Tanzpartys zu tolerieren fühle er sich „kriminalisiert“. Zugleich müsse er mit einem Verlust von 80.000 Euro pro Monat umgehen und 49 verbliebene Mitarbeiter bezahlen.

Ob in der fraglichen Nacht nun 30 oder 300 tanzende Besucher zur Schließung führten, will die Berliner Polizei auf Morgenpost-Anfrage mit dem örtlichen Polizeiabschnitt noch einmal überprüften.

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