Pariser Platz in Berlin

Brandenburger Tor: Immer wieder gefährliche Vorfälle

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Alexander Rothe
Berlin: Autofahrer kracht gegen Brandenburger Tor und stirbt

Berlin: Autofahrer kracht gegen Brandenburger Tor und stirbt

In Berlin ist ein Autofahrer gegen das Brandenburger Tor gefahren und dabei tödlich verletzt worden. Weitere Menschen wurden laut Feuerwehr nicht verletzt. Zur Unfallursache ermittele die Polizei "in alle Richtungen".

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Ein Autofahrer ist gegen das Brandenburger Tor gerast und dabei gestorben. Es gibt eine Debatte um die Sicherheit des Pariser Platzes.

Berlin.  Gegen 23.30 Uhr ist der Pariser Platz fast menschenleer. Lediglich zwei Passanten machen auf der Seite der französischen Botschaft Fotos vom Brandenburger Tor, wie auf Aufnahmen der auf dem Hotel Adlon installierten Webcam zu sehen ist. Auf der Straße steht ein Rettungswagen.

Kurz darauf rast ein Auto über den Platz und kracht gegen eine Säule des Brandenburger Tors – mit tödlichen Folgen für den Fahrer. Die Szene wurde zwar nicht mehr auf der Kamera festgehalten – die Webcam nimmt laut Betreiber nur viermal pro Stunde auf –, jedoch lässt sich die Wucht des Aufpralls anhand der Unfallbilder erahnen.

Brandenburger Tor: Ungebremst und mit „deutlich über 100 Stundenkilometer“ auf Säule zugerast

Wie die Polizei am Montag mitteilte, handelte es sich bei dem Fahrer um einen 26-Jährigen, der Sonntagnacht auf der Straße Unter den Linden mit überhöhter Geschwindigkeit auf das Brandenburger Tor zuraste und ungebremst gegen das Wahrzeichen fuhr. Das Fahrzeug sei beim Zusammenstoß mit einem Bordstein auf dem Pariser Platz nach links gesteuert und gegen die zweite Säule von rechts geprallt. Ein Polizeisprecher sprach von deutlich über 100 Stundenkilometern.

Auf dem Pariser Platz war zufällig ein Rettungsdienst anwesend. Der Notfallsanitäter wollte laut Polizeiangaben zwar noch Erste Hilfe leisten, musste sich jedoch zurückziehen als das Wrack zu qualmen begann. Die Feuerwehr habe nur noch die Leiche des Fahrers aus dem völlig demolierten Wrack bergen können. Nach Angaben der Feuerwehr waren 34 Einsatzkräfte vor Ort.

Gründe für die Todesfahrt und Schadenshöhe bislang unbekannt

Ermittler sicherten bis um 5 Uhr am frühen Morgen Spuren am Ort des Vorfalls. Ob es ein Suizid-Versuch war oder andere Gründe für die Todesfahrt vorliegen, sei bislang unklar. Fotos zeigen, dass an dem Auto polnische Kennzeichen montiert gewesen waren.

Ungewiss blieb auch, wie hoch der durch den Vorfall entstandene Schaden ist. Am Montag war zwar noch eine Restauratorin vor Ort, um die entstandenen Schäden an der Säule und der Wand zu begutachten. Jedoch erklärte der für das Brandenburger Tor zuständige Kultursenat, dass sich diese nur wenige Stunden nach dem Vorfall noch nicht beziffern lassen.

Das Brandenburger Tor war in der Vergangenheit des Öfteren Schauplatz ähnlicher Vorfälle. So wie im März vergangenen Jahres, als ein Autofahrer auf der Flucht vor der Berliner Polizei durch das Brandenburger Tor gefahren war. Auf dem Weg zu dem Wahrzeichen wich er mehreren Passanten aus, beim Durchqueren des Tors streifte er einen Poller.

Brandenburger Tor: CDU fordert Poller auf dem Pariser Platz

Angesichts des jüngsten Ereignisses forderten die beiden Oppositionsparteien CDU und FDP am Montagnachmittag, das Sicherheitskonzept des Pariser Platzes überprüfen zu lassen. Die Liberalen wollen jedoch davon absehen, den Platz mit Pollern zu versehen. Aus zwei Gründen: Einerseits werde die schnelle Durchfahrt für Einsatzkräfte, wie der Feuerwehr oder Polizei, benötigt.

Andererseits habe die Offenheit des Brandenburger Tors einen symbolischen Wert für die Überwindung der Teilung Berlins. „Nichts konnte diese Teilung besser ausdrücken als das einst städtebaulich isolierte und durch eine Mauer verschlossene Brandenburger Tor.“

Anderer Meinung ist die CDU, die die Lösung beispielsweise in der Installation von Pollern zwischen dem Boulevard Unter den Linden und dem Pariser Platz sieht. „Wenn es jemand schafft mit so einer hohen Geschwindigkeit auf einen Platz zu fahren, der so frequentiert ist, sollte man bestimmte Sicherheitsmaßnahmen ergreifen“, so Frank Balzer, innenpolitischer Sprecher der CDU Berlin, auf Anfrage der Berliner Morgenpost. „Wie man das am besten regelt, müssen Fachleute bewerten“, erklärte er in Richtung Innensenat.

Ungeklärte Verantwortung: Senat und Bezirk verweisen jeweils aufeinander

Dort heißt es: „Denkbare Sicherungsmaßnahmen sind mannigfaltig und gehen von sogenannten Stadtmöbeln bis hin zu automatisch versenkbaren Pollern.“ Allerdings seien nicht nur Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen, sondern auch der Denkmalschutz, Städtebau, Verkehr sowie die Anliegen von Anwohnerinnen und Anwohnern.

„Für die Sicherheit des Bereichs rund um das Brandenburger Tor gab es von uns daher bereits Initiativen im Austausch mit den für die Umsetzung hauptsächlich verantwortlichen Verwaltungen“, betonte die Innensenatsverwaltung in einer Stellungnahme und verwies auf das Bezirksamt Mitte. „Wenngleich sich der aktuelle Sachverhalt nachts und ohne Auswirkung auf Dritte ereignete, ist er doch ein nachdrückliches Ereignis, das wir noch einmal zum Anlass nehmen, um die Thematik mit den für die Realisierung zuständigen Behörden voranzubringen.“

Der Bezirk Mitte hingegen spielte den Ball mit der Begründung zurück, dass die Sicherheit und Gefahrenabwehr nicht in ihren Zuständigkeitsbereich falle. „Der Bezirk wird zwar beteiligt, wenn die Senatsverwaltung für Inneres und Sport es für erforderlich hält und würde die Maßnahmen dann umsetzen. Aber die Gefahreneinschätzung und Anordnung von Pollern zur Gefahrenabwehr ist keine bezirkliche Aufgabe.“

Pariser Platz am Brandenburger Tor: Immer wieder gefährliche Vorfälle

Im März 2022 war ein Autofahrer auf der Flucht vor der Berliner Polizei durch das Brandenburger Tor gefahren. Auf dem Weg zu dem Wahrzeichen wich er mehreren Passanten aus, beim Durchqueren des Tors streifte er einen Poller.

Im September 2022 stoppte die Berliner Polizei einen Hochzeitskorso vor dem Brandenburger Tor. Die Fahrer des Korsos waren mit Warnblinkern, Hupen, aufheulenden Motoren und ständigem Beschleunigen und Abbremsen schon bei der Anfahrt aufgefallen. Dann fuhr der Korso auf den gesperrten Pariser Platz direkt vor das Tor. Dort waren zufällig Polizisten einer Einsatzhundertschaft, die umgehend die Autos stoppten und die Fahrer kontrollierten.

Im September 2019 hatten Angestellte des Adlon einen Unfall mit einem Mercedes-AMG G63 auf der nahe gelegenen Straße des 17. Juni gebaut. Dabei kippte der Wagen auf die Seite.

Im Dezember 2014 wollte ein wohl angetrunkener Autofahrer mit seinem Mercedes durch das Brandenburger Tor fahren, blieb aber an den im Boden eingelassenen Pollern hängen.

Im Juli 2006 war ein Autofahrer am Brandenburger Tor auf die Fanmeile der Fußball-Weltmeisterschaft gefahren und hatte bei seiner Irrfahrt 21 Personen verletzt. Es habe sich um die Tat eines "Verrückten" gehandelt, hieß es damals.

Auto kracht in Brandenburger Tor – die Bilder

( mit bee )