Elif Eralp hat man in den vergangenen Monaten als eine fröhliche Person kennengelernt. Stets lächelnd, um freundliche Worte bemüht, steuerte die Linken-Spitzenkandidatin für die Berliner Wahlen am 20. September scheinbar unaufhaltsam in Richtung Rotes Rathaus. In den letzten Tagen jedoch erlebte man eine eher wortkarge, angespannte linke Hoffnungsträgerin, die sogar eine Spitzenkandidaten-Diskussion absagte. Eralp war als Troubleshooterin in ihrer eigenen Partei gefordert.

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Der schon lange schwelende Konflikt zwischen der Parteispitze auf der einen und vielen der extrem palästinasolidarischen und bis zum Antisemitismus israelkritischen Genossen hat sich zugespitzt. Bei einer Linken-Veranstaltung in Neukölln war nicht nur ein wegen Hamas-Nähe aus der Partei ausgeschlossener Ex-Linker dabei. Ein Rapper gab zudem Zeilen wie „Yallah, Yallah Intifada“ zum Besten und „Death to the IDF“, also „Tod der israelischen Armee“.

Die politische Konkurrenz stellt die Regierungsfähigkeit der Linken infrage

Antisemitismus-Vorwürfe der politischen Konkurrenz ließen nicht lange auf sich warten. Nicht nur Grüne und Sozialdemokraten, die Eralp ins Rote Rathaus hieven müssten, stellten die Regierungsfähigkeit der Partei infrage. In der jüngsten Umfrage rutschte die Linke mit einem Minus von drei Prozentpunkten hinter die CDU.

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Teile vor allem der Neuköllner Linken lassen sich auch von den wiederholten Ermahnungen nicht bremsen. Sie führen in ihrem Bezirk eine eigene Kampagne. Während Eralp auf Plakaten als Regierende Bürgermeisterin für Berlin verkauft wird, setzen diese Kräfte auf die Mobilisierung eigener Sympathisanten. Ob das dem Gesamtauftritt der Partei schadet, spielt keine Rolle.

Die extremen Palästina-Freunde halten sich nicht an den Parteitagsbeschluss

Ebenso wenig, dass die Berliner Linken bei einem Landesparteitag im Winter einen sehr ausgewogenen Antrag zum Nahostkonflikt beschlossen hatten. Eine überwältigende Mehrheit spricht sich darin nicht nur für Solidarität mit den Palästinensern aus, sondern bei deutlicher Kritik an Israels Regierung auch für den Schutz jüdischen Lebens in Berlin und gegen jeden Antisemitismus.

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Aber anstatt mit einer solchen integrativen Position, die breite Zustimmung finden könnte, um Stimmen zu werben, treiben die radikalen Palästina-Freunde Eralp & Co vor sich her. Im Netz finden sich zahlreiche Posts wie der einer Reinickendorfer Genossin. Die Befreiung Palästinas ende erst, wenn „Tel Aviv wieder in der Hand von Palästina“ liege.

Viele Linke, die für Eralp Wahlkampf machen, sind sauer auf die Radikalen

Die Abgeordnetenhaus-Kandidatin Vanessa „Vedi“ Emde stellt das Existenzrecht von Staaten und damit die Grundlage für Israel infrage. Es ist nicht bekannt, dass einflussreiche Linke wie der 2025 direkt gewählte Neuköllner Bundestagsabgeordnete Ferat Kocak sich öffentlich gegen solche Aussagen gestellt hätten. Denn klar ist auch, dass ein Teil der Linken lieber weiter Systemopposition üben würde, als beim Regieren womöglich die reine linke Lehre zu verlassen. Dass große Teile der Partei, die auf den Straßen und an den Haustüren für Eralp als Bürgermeisterin trommeln, sich über diese Haltung sehr aufregen, ist nur zu verständlich.

Eralp hat fast keine Möglichkeiten, diese parteiinternen Regierungsgegner ruhigzustellen. Leute aus der Partei zu werfen, ist überaus kompliziert und für eine Partei mit SED-Vorgeschichte noch mal extra heikel. So darf es schon als Erfolg gelten, wenn nun gemeinsam mit den Neuköllner Bezirkschefs über mögliche Konsequenzen geredet und Wahlveranstaltungen dort künftig mit dem Landesverband abgestimmt werden sollen.

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Die entscheidende Frage für Eralp und ihre möglichen Koalitionspartner wird sein, welches Gewicht die Radikalen in einer neuen Linksfraktion im Abgeordnetenhaus bekommen. Insider rechnen mit drei bis fünf Stimmen, die sich einer eigenen Regierung verweigern könnten. Oder sie beugen sich eben doch der Parteidisziplin, sollten die geplanten zwei Parteitage zunächst Sondierungs- und dann Koalitionsgespräche billigen. Und sollten am Ende die Linken-Mitglieder einen Koalitionsvertrag annehmen. Das alles wird man nicht vor Mitte Dezember wissen. Womöglich hat sich bis dahin schon die politische Konkurrenz zusammengerauft – ohne Elif Eralp.