Ein Klapp-Poller soll die Fußgängerzone am Otto-Weidt-Platz in der Europacity vor Falschparkern schützen. Für die Postfiliale dort wäre das das Aus, sagt Betreiber Marcus Held. Am 17. September stimmt die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte über den Antrag ab. Ein Kompromiss liegt bereits auf dem Tisch.

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Dass der Otto-Weidt-Platz eine Fußgängerzone ist, sieht man ihm kaum an. Gehweg und Fahrbahn tragen dasselbe Pflaster. Die Fläche wirkt wie eine breite Straße. Heute stehen dort schon Poller. Sie verengen die Einfahrt, sperren sie aber nicht. Also parken hier Autos, die nicht parken dürfen. Das Ordnungsamt kontrolliert. Es ändert wenig dauerhaft.

SPD beantragt Klapp-Poller gegen Falschparker am Otto-Weidt-Platz

Ein Anwohner beschwerte sich. Daraufhin brachte die SPD im Juni 2026 einen Antrag in die BVV Mitte ein. Er liegt der Morgenpost vor. Das Bezirksamt soll prüfen, ob an der Zufahrt Otto-Weidt-Platz 1 und Heidestraße 15 ein handelsüblicher Klapp-Poller mit Sechskant-Schließung passt. Ein Sechskantschlüssel öffnet ihn, umlegen lässt er sich in Sekunden. Er soll unberechtigte Autos und Falschparker draußen halten. Dazu empfiehlt der Antrag ein Einfahrtsverbot – Ausnahmen für Einsatzfahrzeuge, Radfahrer und Lieferverkehr.

Rund um die Heidestraße wächst ein junges Quartier: Viele neue Wohnungen, hohe Mieten, wenige Parkplätze. Gegenüber vom Otto-Weidt-Platz steht ein Parkhaus. Das wissen nur Ortskundige – das merkte wohl auch der Betreiber und hängte vor Kurzem ein Schild an die Fassade.

Postfiliale befürchtet Lieferprobleme wegen Zufahrtsbeschränkung

Marcus Held führt mit seiner Frau mehrere Postfilialen. 2021 übernahmen sie die Poststelle am Otto-Weidt-Platz und bauten sie zum Luxus-Spätkauf aus: Kaffee aus der Siebträgermaschine, Weine vom Winzer, Kühlmenüs. Der Laden heißt „Golden Bridge Späti“ – benannt nach dem Golda-Meir-Steg nebenan, der über den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal führt.

Klapppoller Otto-Weidt-Platz
Um diesen schlanken Klapp-Poller entzündete sich ein Streit im Bezirksparlament Mitte.© BM | Privat

Beim Besuch der Morgenpost kommen laufend Kunden, die Pakete abgeben oder abholen. „Wir sind eine vollwertige Postfiliale, nicht nur eine Paketablage“, sagt Held. „Eine Poststelle wie unsere ist auf regelmäßiges und zuverlässiges Bringen und Holen durch die Post angewiesen.“ Auch Postfahrer könnten den Poller umlegen. Held hält das für unrealistisch: Die Post arbeite bundesweit nach festen Abläufen, eine Sonderregelung passe da nicht hinein. „In der Realität läuft es dann so: Der Fahrer kommt, kann nicht reinfahren und fährt weiter“, sagt er.

Teil-Einigung gefunden: Restaurant übernimmt Parkkosten für seine Gäste

Gleichwohl bestätigt Marcus Held das Problem, das der Poller lösen soll. „Vor allem abends, wenn das Restaurant an der Ecke voll ist, ist alles vollgeparkt“, sagt er. Er habe auch schon freundlich Autofahrer angesprochen und sei nur vulgär beschimpft worden.

Held sucht deshalb einen Kompromiss. Das Restaurant an der Ecke eröffnete vor zwei Jahren. Dessen Gäste parken nach Helds Einschätzung oft auf dem Platz. Mit den Betreibern hat er sich geeinigt: „Sie weisen auf das Parkhaus gegenüber hin und übernehmen die Kosten.“

Politischer Streit um Zufahrt: Späti-Betreiber fürchten um Arbeitsplätze

Für Held steht die Filiale auf dem Spiel – und vor allem Arbeitsplätze: Zwei Beschäftigte sind fest angestellt, weitere arbeiten stundenweise. Im Wahlkampf wurde der Laden so zum Politikum. Vertreter mehrerer Fraktionen besuchten ihn. In einem Schreiben warf die CDU-Bezirksverordnete Monika Trautmann der SPD vor, sie wolle die Zufahrt zum Späti „vollständig und dauerhaft blockieren“. Die CDU kündigte an, den Antrag abzulehnen, und rief die anderen Fraktionen auf, es ihr gleichzutun.

Die SPD widersprach: Ein Klapp-Poller sei keine dauerhafte Sperre, berechtigte Fahrzeuge könnten ihn öffnen. Lieferungen und Einsätze blieben möglich, unberechtigter Verkehr bleibe draußen. Von einer Schließung des Spätkaufs oder der Poststelle stehe im Antrag nichts. Der SPD-Abgeordnetenhauskandidat Stanislav Klimovich forderte Trautmann in einem offenen Brief auf, sich öffentlich zu korrigieren.

Held präsentiert Lösungsvorschlag im Verkehrsausschuss

Doch nun gibt es Hoffnung auf eine vergleichsweise unbürokratische Lösung: Nach langen Verhandlungen haben sich inzwischen allen Beteiligten, die Fraktionen, Gewerbetreibende und Anwohner um einen Lösungsvorschlag bemüht. Der sieht vor, dass der Poller zu konkreten Zeiten geöffnet und geschlossen wird. Die SPD-Fraktion hat den Antrag in den Verkehrsausschuss eingebracht. Der Ausschuss empfahl den so geänderten Antrag. Am 17. September stimmt die BVV Mitte ab.

Anmerkung der Redaktion: Eine erste Version dieses Textes schilderte einen mittlerweile nicht mehr aktuellen Stand des Falls.