Liebe Leserin, lieber Leser,

das Wochenende naht, was man dem Berliner Terminkalender nicht unbedingt ansieht. Es ist einiges los in der Stadt.

• Ein Untersuchungsausschuss im Abgeordnetenhaus beschäftigt sich heute erneut mit der rechtsextremen Anschlagsserie in Neukölln. Außerdem tagt der Untersuchungsausschuss zur Vergabe von Fördermitteln für Projekte gegen Antisemitismus.
• Die Gewerkschaft der Polizei Berlin hat auf ihrem Landesdelegiertentag den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zu Gast.
• Am Kriminalgericht beginnt der Prozess gegen drei Frauen nach einer Blockadeaktion pro-palästinensischer Demonstranten.
• Kai Wegner und Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) besuchen die Jugendstrafanstalt Plötzensee. Schwerpunkt des Besuchs ist das Erziehungs- und Pädagogik-Maßnahmenangebot für junge Gefangene.
• Die Investitionsbank Berlin (IBB) lädt zur Jahrespressekonferenz mit Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD).
• Am Abend trifft Politik auf Presse: Im Hotel Adlon findet der alljährliche Bundespresseball statt.

Die Themenfülle führt zum eigentlichen Thema dieses Newsletters.

Neues aus Berlin

Wohl in keiner Stadt dieser Republik wird so gern darüber gesprochen, ob man noch attraktiv sei, wie in Berlin. Zuzug oder Wegzug? Hohe Mieten, Arbeitslosigkeit, Vermüllung, Clubsterben. Auf Partys sind das gern zentrale Gesprächsthemen, wenn es darum geht, ob die Stadt noch Anziehungsmagnet sei oder eben auch nicht. Kommen die Studenten, die Kreativen, die Macher, um diese Stadt zu bevölkern? Oder fangen sie an, uns zu meiden? Die Antworten darauf: immer sehr subjektiv.

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Wir wissen ja schon lange, dass diese Stadt nicht perfekt ist. Darüber lamentieren wir gern. Deshalb schwingt in der Diskussion um die Anziehungskraft dieser Metropole auch immer ein wenig Verwunderung darüber mit, dass die Leute immer noch hierher wollen. Klaus Wowereits viel zitierter Satz schien auf dieses Phänomen die perfekte Antwort zu geben. Berlin sei eben arm, aber sexy. Seit 2003 leben wir gut mit dem Satz. Er war immer beruhigend. Und versicherte uns, alles dürfe so unperfekt so bleiben, wie es ist.

Genauso lange aber erinnere ich mich an Party-Gespräche zurück, bei denen Leute fragten, ob sich das mit „arm, aber sexy“ nicht schon längst geändert habe. Die Stadt werde teurer und damit unattraktiver. Die Clubszene habe ihren Zenit auch längst überschritten. Und überhaupt zögen doch die Kreativen längst weiter. Und während wir debattierten und lamentierten, zog die Stadt weiter Menschen an.

Und jetzt der nächste Skandal: Das Berghain ist nur noch auf Platz 21 der weltweiten Clubszene. Wenn das nicht der ultimative Beweis ist, dass alles endgültig vorbei ist. Berlin ist am Ende! Doch Ironie beiseite. Ich widerspreche ausnahmsweise vehement unserem Reporter, der das so empfindet. Klar, das Berghain mag seinen Zenit überschritten haben. Was in der Clubszene etabliert ist, kann ja aber per se nicht Teil eines Hypes sein.

Und ja, die Stadt verändert sich. Ich überlasse es Ihnen, ob Sie finden, dass alles schlechter wird. Teurer auf jeden Fall. Doch eines ist sicher: Berlin ist ein einzigartiger Ort. Aus vielen Gründen. Wegen seiner Geschichte, wegen seiner geografischen und weltpolitischen Lage, weil hier Freiräume vorhanden sind, wegen seiner ganz besonderen Stadtarchitektur, wegen sehr dezentraler Struktur. Die Liste lässt sich fortsetzen.

Es kommen immer noch mehr Menschen in die Stadt. Weiterhin. Solange das so ist, gilt ein anderer Satz: Das Besondere an Berlin sind vor allem die Berlinerinnen und Berliner.

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Außerdem wichtig

Auch das ist so eine besondere Berliner Geschichte: Räuber haben in den Gärten der Welt eine sechsstellige Summe Bargeld gestohlen. Bargeld? Sechsstellig? Ich weiß nicht, wer auf die Idee kommt, in einem Verwaltungsgebäude eine solche Summe zu lagern. Unser Bezirksreporter Oskar Paul und unser Polizeireporter Dennis Meischen nähern sich einer Antwort an.

Viele Jahre habe ich unweit der Dreispitzpassage gewohnt. Sie werden dieses unscheinbare Etwas schräg gegenüber des Friedrichstadtpalastes vielleicht nicht kennen. Es sollte mal ein kleines Einkaufszentrum werden, doch entwickelt hat sich da nie etwas. Jetzt passiert dort, was Vorbildcharakter haben kann: Gewerbeflächen werden in Wohnungen umgebaut, wie Julia Lehmann berichtet.

Und dann gibt es da noch die Vorwürfe gegen den Spandauer Mieterverein, über die wir schon berichtet haben. Doch was unsere Redakteurin Isabell Jürgens jetzt recherchiert hat, ist wirklich schwer zu begreifen.

Zum Schluss noch was Gutes: Das Stadtbad Tiergarten entwickelt sich gerade zum Freibad. Es ist eigentlich ein Hallenbad, doch der Umbau wird den Charakter des Bades verändern. Ein wenig müssen Sie sich noch gedulden, wie Iris May berichtet.

Ich wünsche jetzt erst einmal ein frühlingshaftes, entspanntes Wochenende. Falls Sie Hundebesitzer sind und in Reinickendorf wohnen, passen Sie gut auf Ihren Vierbeiner auf.

Ihr Peter Schink,
Chefredakteur

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