Wohnungssuchende haben es so schwer wie seit Jahren nicht, eine bezahlbare Mietwohnung in Berlin zu finden. Da mag es überraschen, dass der Berliner Senat am Mittwoch eine rundum positive Bilanz für den geleisteten Wohnungsbau der vergangenen zehn Jahre gezogen hat. Denn auch wenn die Hauptstadt nach Angaben des Wohnraumbedarfsberichts 2025 weitere 137.000 Wohnungen bräuchte, um den akuten Mangel zu beheben: Die sieben landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften haben ihre Zielvorgabe erreicht.

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Vor genau zehn Jahren hatte der damalige rot-schwarze Senat mit Berlinovo, Degewo, Gesobau, Gewobag, Howoge, Stadt und Land sowie WBM vereinbart, bis Ende 2026 auf 400.000 Wohnungen zu wachsen. Im Unterzeichnungsjahr der sogenannten Roadmap für 400.000 bezahlbare Wohnungen im Landeseigentum befanden sich 311.929 Wohnungen im Bestand der sieben Unternehmen. Das Ziel, so die Botschaft, sei bereits zum 31. Dezember 2025 mit einem Plus von rund 92.000 Wohnungen auf exakt 404.170 Wohnungen vorzeitig erfüllt worden.
Wohnungsbestand in Berlin wächst bis Jahresende auf über 412.000
„Bis zum Ende dieses Jahres wird der Bestand weiter auf dann 412.454 Wohnungen anwachsen. Der Zuwachs um dann mehr als 100.000 Wohnungen im Vergleich zu 2016 entspricht gut 32 Prozent“, sagte Ingo Malter, Geschäftsführer der Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft und Sprecher der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften.
Dass es sich für die vielen Menschen, die in Berlin händeringend eine Wohnung suchen, nicht so anfühlt, als wären tatsächlich so viele Wohnungen dazugekommen, hat zwei Gründe. Zum einen haben die Landeseigenen in den vergangenen Jahren nicht nur neu gebaut, um dieses Ziel zu erreichen. Sie haben auch Bestände aufgekauft. So wurden in den zehn Jahren mehr als die Hälfte (49.000) der Wohnungen zugekauft. Neu errichtet und vermietet wurden 43.000.

Mietende bleiben immer länger in ihren Wohnungen
Der zweite Grund: Angesichts der auf dem freien Wohnungsmarkt deutlich höheren Mietpreise und des bereits beschriebenen Wohnungsmangels ziehen Mieterinnen und Mieter kaum noch aus. Die durchschnittliche Verweildauer in den Wohnungen der Landeseigenen ist von rund 18 Jahren im Jahr 2016 auf 25 Jahre im Jahr 2025 gestiegen. Tendenz: weiter steigend.
Dass der Zukauf den Neubau überwiegt, spiegle die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wider, ergänzte Malter. Die Baukosten sind zwischen 2016 und 2025 um gut 80 Prozent gestiegen – Wohnungsneubau wurde in diesem Zeitraum so teuer wie nie zuvor. Mehr als 9,5 Milliarden Euro – rund 62 Prozent der Gesamtinvestitionen – flossen in den Bau neuer Wohnungen.
Knapp 16.500 der neu errichteten Wohnungen entstanden mit öffentlicher Förderung zu günstigen Mietkonditionen. Inklusive der für 2026 erwarteten Fertigstellungen geförderter Wohnungen (4370) liegt der Förderanteil Ende 2026 bei rund 48 Prozent – in der Roadmap vereinbart waren 30 Prozent. „Ohne ausreichende Förderung wäre der Neubau in diesem Umfang nicht möglich gewesen“, betonte Malter.
Insgesamt haben die sieben Landeseigenen in den vergangenen zehn Jahren gut 8,3 Milliarden Euro in den Ankauf von Bestandswohnungen investiert – darunter auch Wohnungen von Deutschlands größtem börsennotierten Wohnungskonzern, der Vonovia. Weitere 5,7 Milliarden Euro investierten die Unternehmen in Instandhaltung und Modernisierung des Bestands.
Landeseigene Wohnungen mit Mieten deutlich unter Marktniveau
Trotz massiv gestiegener Baukosten halten die Landeseigenen ihre Mieten weit unter dem Berliner Marktniveau, so Malte weiter. Ihre durchschnittliche Bestandsmiete lag Ende 2025 bei 7,09 Euro netto-kalt pro Quadratmeter und Monat – und damit unterhalb des Mittelwerts des Berliner Mietspiegels 2024 (7,21 Euro). Wer bei den Landeseigenen eine frei finanzierte Wohnung neu anmietet, zahlte 2025 im Durchschnitt 9,31 Euro netto-kalt pro Monat und Quadratmeter – gut 48 Prozent unter der durchschnittlichen Berliner Angebotsmiete von 17,76 Euro.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) dankte den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften: „Sie sorgen dafür, dass die Mieten für die Berlinerinnen und Berliner bezahlbar bleiben.“ Ohne die Mitwirkung der Privaten werde es aber nicht gelingen, den Wohnungsbedarf zu decken. Bis 2040 braucht Berlin nach Senatsangaben Flächen für weitere 272.000 Wohnungen. „Private müssen sich auf Berlin verlassen können, um in den Wohnungsbau investieren zu können. Die Themen Vergesellschaftung und Enteignung schadeten dem Wohnungsbau – das können wir uns nicht leisten“, so Wegner.
500.000 neue Wohnungen bis 2035: Wegner kündigt Roadmap 2.0 an
Der Regierende Bürgermeister kündigte eine „Roadmap 2.0“ an – Details dazu würden Anfang Juni veröffentlicht. Nur das Ziel der neuen Vereinbarung verriet Wegner der Morgenpost: „500.000 leistbare Wohnungen im Landesbesitz bis 2035.“
Neben Lob für die Ausweitung der landeseigenen Wohnungsbestände übte Wibke Werner, Geschäftsführerin des Berliner Mietervereins (BMV), auch Kritik: „Dass von 43.000 Neubauwohnungen nur 16.500 Sozialwohnungen bis Ende 2025 errichtet werden konnten, ist vor dem Hintergrund der Milliardeninvestitionen, der etwa 80.000 ausgelaufenen Sozialbindungen der vergangenen zehn Jahre sowie dem erheblichen Bedarf dennoch ernüchternd.“
Für die kommende „Roadmap 2.0“ forderte die BMV-Chefin Nachbesserungen. „Die aktuelle Förderquote von 50 Prozent im Neubau ist nicht bedarfsgerecht“, so Werner. Im frei finanzierten Segment würden bei den Landeseigenen Kaltmieten zwischen 14 und 20 Euro je Quadratmeter und Monat aufgerufen. Für die breite Bevölkerung sei das nicht leistbar. Die Quote geförderter Wohnungen im Neubau müsse daher auf 70 Prozent angehoben werden.




