Achtlos weggeschnippte Kippen, ein liegengebliebener Pizzakarton, unangemeldeter Sperrmüll an der Straßenecke: Berlin hat ein Müllproblem. Und das nicht erst seit gestern. Aber warum tut sich die Hauptstadt so schwer im Kampf gegen die Vermüllung?

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Einen Teil einer Erklärung liefert die Antwort auf eine Parlamentarische Anfrage der Linkenpolitikerin Franziska Leschewitz. Sie hatte nach sogenannten „Waste Watchern“ gefragt, also nach jenen Mitarbeitern des Ordnungsamts, die durch Prävention und Kontrolle Müllablagerungen in ihrem Bezirk verhindern sollen. Die Antwort aus der Senatsverwaltung für Umwelt lässt tief blicken: In zwei Dritteln der Berliner Bezirke sind die Stellen der Waste Watcher aktuell unbesetzt (Stand: März 2026). Nur in Friedrichshain-Kreuzberg, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick sind jeweils vier Stellen besetzt.

Für die acht anderen Bezirke gilt also: Eine der eigentlich tragenden Säulen im Kampf gegen den Müll trägt gar nicht.

Müll-Kontrolleure in Berlin: Nur 16 von 68 Stellen besetzt

Am Geld liegt es nicht. Der Senat fördert die „Waste Watcher“ in den Bezirken über drei Maßnahmentöpfe. Und dabei kommt Einiges zusammen. Allein für das laufende Haushaltsjahr 2026 werden insgesamt 5,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Im kommenden Jahr stehen noch einmal 4,3 Millionen Euro bereit. Mit diesem Geld könnten die Bezirke in diesem und im kommenden Jahr insgesamt 68 Waste-Watcher-Stellen finanzieren. Pro Bezirk wären das sechs Stellen – einzig in Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg sind es nur vier.

Vermüllung am Leopoldplatz
Vermüllung am Leopoldplatz (Archiv).© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Doch es fehlt am Personal. Besetzt sind aktuell nur 16 Stellen. Und selbst dort, wo es gelingt, Menschen als Waste Watcher einzustellen, wechseln die Mitarbeiter schnell in andere Bereiche des Ordnungsamts. Denn die Stellen als Waste Watcher sind befristet. Die eigentlich dringend benötigten Müll-Kontrolleure schauen sich deshalb nach anderen, regulären Stellen um.

Offene Stellen bei Waste Watchern – Ordnungsämter reagieren mit Weiterbildungen

Es sei in den vergangenen zwei Jahren immer wieder dazu gekommen, dass sich die zunächst befristet eingestellten Dienstkräfte auf freie Planstellen in den Ordnungsämtern oder gar wegbeworben haben, schreibt Umweltstaatssekretär Andreas Kraus in seiner Antwort auf die Anfrage der Linken. Der Personalmangel, der auch in den Ordnungsämtern zu spüren ist, schafft also Folgeprobleme. „Ziel sollte daher eine langfristige Stellenperspektive und eine frühzeitige Verstetigung der Maßnahmen mit dem Doppelhaushalt 2028/2029 sein“, schreibt Kraus weiter. Nur so könnten die Mitarbeiter dauerhaft in den Ordnungsämtern gehalten und die Bekämpfung illegaler Müllablagerungen nachhaltig gestärkt werden.

Bis es soweit ist, bleibe Berlin aber auch ohne das nötige Personal nicht untätig, versichert die Umweltverwaltung. Ordnungsamtsmitarbeiter würden Kontrollen im sogenannten „Mischarbeitsgebiet“ übernehmen. In den Bezirken Mitte und Neukölln gebe es außerdem eine „Soko-Müll“, in der Bestandskräfte des Ordnungsamts arbeiten würden. In weiteren Bezirken seien ähnliche Maßnahmen geplant. Reguläre Mitarbeiter des Ordnungsamts würden im Rahmen von Weiterbildungen als Waste Watcher qualifiziert. 76 Mitarbeiter hätten die viertägige Weiterbildung bereits abgeschlossen.

Politisch sind sich in Berlin von der CDU bis zur Linken alle einig: Die Hauptstadt muss ihr Müllproblem dringend in den Griff bekommen. Das Thema dürfte auch im Wahlkampf präsent werden. Bereits im November des vergangenen Jahres hat der schwarz-rote Senat die Strafen für illegale Müllablagerungen empfindlich erhöht. Für eine fallengelassene Zigarette werden laut aktualisiertem Bußgeldkatalog mittlerweile 250 Euro fällig. Um die Anreize für die Bezirke zu erhöhen, diese Strafen auch einzutreiben, hat Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) im Februar angekündigt, dass die Bußgelder für illegal entsorgten Müll künftig direkt in die Bezirkskassen gehen sollen.

Um auf das Müllproblem und die hohen Strafen aufmerksam zu machen, hat der Senat im März außerdem eine Kampagne mit Plakaten im Ikea-Stil gestartet. Für das Reifen-Set „Kaputta“ werden bei nicht ordnungsgemäßer Entsorgung bis zu 3500 Euro fällig. Für das am Straßenrand einfach stehen gelassene Sofa „Maröde“ sind es bis zu 4000 Euro. Defekte Elektrogeräte wie die Lampe „Dunkla“ oder die Waschmaschine „Defekta“ können sogar bis zu 15.000 Euro kosten.

Ohne das nötige Personal dürften aber sowohl die höheren Strafen als auch solche Kampagnen nur wenig Wirkung zeigen.