Er lässt sich nicht abschrecken von Hundehaltern. Selbst, wenn Halter ihre Hunde an der kurzen Leine führen, hat der Fuchs sie schon gebissen. Und das ausgerechnet im Fuchsbezirk Reinickendorf.
In Reinickendorf treibt ein Fuchs sein Unwesen. Inzwischen sah sich das Ordnungsamt Reinickendorf dazu gezwungen, über eine Häufung von Vorfällen mit einem „auffällig aggressiven Fuchs“ im Bereich Brusebergstraße/Klamannstraße zu informieren.
Seit Ende Januar 2026 sind mehrere Angriffe auf Hunde sowie vereinzelt auch auf Hundehalter gemeldet worden. Die Hunde befanden sich dabei sowohl angeleint als auch freilaufend im öffentlichen Raum. In mehreren Fällen kam es zu Bissverletzungen bei Hunden. Einer der Hunde starb nach vorliegenden Erkenntnissen infolge eines Angriffs. Der bislang letzte gemeldete Vorfall ereignete sich am vergangenen Sonntag, dem 12. April.
Stadt beobachtet auffälligen Fuchs und koordiniert Maßnahmen
„Die Vorfälle im Bereich Brusebergstraße und Klamannstraße nehmen wir sehr ernst. Nach aktuellem Stand handelt es sich um ein einzelnes Tier mit atypischem Verhalten, das nicht repräsentativ für die Fuchspopulation in unserer Stadt ist. Die zuständigen Stellen beobachten die Lage fortlaufend und stehen hierzu im engen Austausch“, so Reinickendorfs Bezirksstadtrat für Ordnung, Umwelt und Verkehr, Sebastian Pieper (CDU).
Gegenüber der Morgenpost führte Bezirksstadtrat Pieper aus, dass es am Donnerstag einen Austausch zwischen Ordnungsamt, der Veterinäraufsicht, der Polizei, der Senatsverwaltung für Umwelt und dem Verein Wildtiernah e. V. und der Fuchshilfe gegeben hat.
Berlins Wildtierexperte Derk Ehlert erklärt gegenüber der Morgenpost: „Man muss die Sorgen und Ängste der Menschen und die Vorfälle ernst nehmen. Gleichzeitig ist das Verhalten des Fuchses biologisch gesehen nicht auffällig, sondern ganz normal. Aus jagdrechtlicher Sicht besteht keine Möglichkeit, das Tier zu entnehmen. Möglicherweise entscheidet die Polizei anders, aus der Sicherheitsperspektive.“
Nach Ehlerts Erkenntnissen handelt es sich um eine zweijährige Fähe. „Ein schönes, gesundes und selbstbewusstes Tier.“ Die Fuchsdame habe dort ihr Revier. Ehlert hat sie selbst schon mehrfach gesehen. Durchschnittlich leben Füchse drei bis vier Jahre.
Vergleichbare Fälle habe es immer wieder in Berliner Bezirken gegeben. „Es hängt vor allem mit dem Auftreten von Jungtieren zusammen.“ Die Elterntiere sähen den Nachwuchs durch zu nahe Hunde bedroht. Für Füchse sei jeder Hund ein Feind, egal welcher Größe. „Auch ein Chihuahua war vor 5000 Jahren mal ein Wolf“, so Ehlert.
Fuchsbegegnungen: Menschliches Verhalten führt oft zu Zwischenfällen
Ehlert betont, dass er bei den Vorfällen nicht dabei gewesen sei und so nur allgemein antworten könne. Aber in der Regel sei „nicht wildtierangepasstes Verhalten“ im Spiel, wenn es zu Zwischenfällen käme. Er meine das rein beschreibend, nicht wertend oder schuldzuweisend, so Ehlert. So hätten Menschen, die gebissen würden, zuvor oft ihren Hund auf den Arm genommen oder versucht, den Fuchs, mit den Beinen zu vertreiben. Das werte dieser aber als Angriff. Und auch Menschen können Fuchs-Verhalten missverstehen: „Wenn ein Fuchs Zähne zeigt und knurrt, kann das auch Angst sein.“
Es gebe eigentlich nur die Lösung, sich mit der Situation zu arrangieren, oder den Fuchs zu töten – falls es ordnungsrechtliche Gründe dafür gebe. Eine Umsiedlung, etwa in den Tegeler Forst, sei eine hoffnungslose Idee. „Füchse leben territorial. Sie sind am nächsten Tag wieder da, wenn man sie umsiedeln will.“
Ordnungsamt Reinickendorf bittet um Hinweise zu Wildtier-Sichtungen
Der Bezirk rät nun zu folgenden Verhaltensweisen: Ohnehin seien Hunde ja im öffentlichen Straßenland rechtlich verbindlich anzuleinen, und in der aktuellen Situation diene es zudem auch dem Schutz der Tiere. Außerdem solle man auf Abstand zu Wildtieren achten und diese auf keinen Fall füttern.
Das Ordnungsamt Reinickendorf bittet die Bevölkerung um Mithilfe: Hinweise zu weiteren Sichtungen oder Vorfällen in dem genannten Bereich sind von besonderer Bedeutung. Hinweise bitte an: Veterinär- und Lebensmittelaufsicht Reinickendorf, Lübener Weg 26, Tel. 030 90294-5112 oder -5117
Ergänzend besteht ein Beratungsangebot durch WildtierNah Berlin, ein Projekt des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung. Kontaktdaten: Tel.: 030 5168168, E-Mail: beratung@wildtiernahberlin.de



