Erstmals seit Jahren ist die Kriminalität in Berlin leicht zurückgegangen. Das geht aus der Kriminalitätsstatistik der Berliner Polizei hervor, die am Mittwoch von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel vorgestellt wurde. Demnach wurden im vergangenen Jahr knapp 502.000 Straftaten erfasst. Das sind knapp 36.000 oder 6,7 Prozent weniger als noch im Jahr 2024. Auch die Zahl der Menschen, die Opfer einer Straftat wurden, hat sich um knapp 3500 auf 110.000 verringert.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

„Mit unserer Berliner Strategie gegen Messerkriminalität haben wir deutliche Erfolge erzielt“, sagte Spranger. „Der Rückgang von Messerangriffen betrug beispielsweise im Bereich der drei eingerichteten Waffen- und Messerverbotszonen zwischen 25 und 45 Prozent.“ Eine befürchtete Verdrängung in die Nebenstraßen von Kottbusser Tor, Görlitzer Park und Leopoldplatz sei nicht festzustellen.

In ganz Berlin gab es allerdings 3599 von der Polizei erfasste Fälle im Bereich „Messerangriff“ und damit 5,5 Prozent mehr als 2024. Zum Anstieg trug dabei auch eine neue verpflichtende Erfassung bei, die ebenfalls Teil der Strategie gegen Messerkriminalität ist.

Deutlich weniger Diebstähle in Berlin

Einen großen Anteil an dem Rückgang hat die überdeutliche Abnahme der Diebstahlsdelikte. Diese sanken um 9,2 Prozent auf 203.000 Fälle. „Hier greifen unsere Maßnahmen – sowohl in der Prävention als auch in der Strafverfolgung“, unterstrich Polizeipräsidentin Slowik Meisel. Dazu gehörten etwa der Einsatz von Super-Recognizern und die Zusammenarbeit mit Polen im Bereich des Kfz-Diebstahls.

Georgische Banden sorgen für mehr Wohnungseinbrüche

Einen deutlichen Anstieg gab es allerdings beim Einbruch in Wohnungen und Häuser. Diese Delikte kletterten insbesondere in Spandau, Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte um 24,5 Prozent auf 10.600 Fälle. Dahinter stecken laut Slowik Meisel professionalisierte Banden aus Georgien, weswegen man die Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt (BKA) intensiviert habe.

Auf den insgesamt positiven Zahlen werde man sich nicht ausruhen. „Sicherheit in einer wachsenden Metropole wie Berlin bleibt eine Daueraufgabe“, so Spranger. Die Zahl der Gewalttaten wie etwa Körperverletzungen lag in der Statistik immer noch bei rund 80.500 Fällen (2024: 81.400).

Sicherheit in einer wachsenden Metropole wie Berlin bleibt eine Daueraufgabe.

Iris Spranger (SPD),, Innensenatorin

Zumal in einigen weiteren sensiblen Bereichen durchaus auch Zuwächse zu verzeichnen sind. So wurden im Jahr 2025 insgesamt 8600 Sexualdelikte erfasst, was einem Anstieg um 15,7 Prozent entspricht. Um 4,9 Prozent stiegen auch die Fälle von häuslicher Gewalt auf 20.100 Fälle. Innensenatorin Spranger erinnerte daran, dass trotz des erhöhten Strafbewusstseins in der Bevölkerung noch immer nur das Hellfeld dargestellt werde. Sie appellierte, jeden Fall bei der Polizei zur Anzeige zu bringen.

Kritik: Rückgang der Zahlen mit Vorsicht zu genießen

Pressekonferenz zur Kriminalstatistik 2025
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel stellten am Mittwoch die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2025 vor. © Britta Pedersen/dpa | Britta Pedersen

Aus Sicht der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist der Rückgang der Zahlen ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. „Die Statistik profitiert vom deutlichen Rückgang bei den Eigentumsdelikten, was neben der hervorragenden Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen auch daran liegen kann, dass die vielfach verantwortlichen reisenden Banden woanders unterwegs sind“, sagte Landeschef Stephan Weh. „Sie profitiert auch vom Rückgang bei ausländerrechtlichen Verstößen, bei denen wir wie beim Thema Drogen über Kontrolldelikte reden.“ Der allgemeine Rückgang der Zahl der Asylbewerber beeinflusse hier auch die Aufklärungsquote der Polizei, die bei knapp 45 Prozent verweilt, stellte auch Slowik Meisel fest.

Kaum etwas beschäftigt die Stadt derzeit so wie die Zunahme der fast täglich auftretenden Schussvorfälle in Berlin, hinter denen sowohl Schutzgelderpressungen als auch Verteilungskämpfe in der organisierten Kriminalität vermutet werden. Insgesamt erfasste die Polizei schon im vergangenen Jahr 1119 Fälle (ein Plus von 68 Prozent), etwas mehr als die Hälfte waren Drohungen, in 515 Fällen wurde geschossen (2024: 363) – in 37 Fällen tatsächlich mit scharfer Munition und nicht mit Schreckschusswaffen. Spranger kündigte an, sich im Bund weiter für eine Verschärfung des Waffenrechts einzusetzen, um den illegalen Waffenhandel auch mittels Telekommunikationsüberwachung zu zerschlagen.

Zahl der vollendeten Tötungen nahezu verdoppelt

Wenn man beachte, dass sich die Zahl der vollendeten Tötungsdelikte von 53 auf 108 verdoppelt habe, die Messerzahlen weiter steigen und immer häufiger Schusswaffen eingesetzt werden, sei weiterhin Besorgnis angebracht, sagte GdP-Landeschef Weh. „Auch, dass wir trotz leichtem Rückgang über 5000 tatverdächtige Kinder reden. Wenn wir hier nicht ernsthaft dazwischengrätschen, entwickeln sich kriminelle Karrieren.“

Man sehe schon jetzt, dass Zwölfjährige zu massiver Gewalt bereit seien. „Deshalb müssen wir sachlich über eine Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters diskutieren“, so Weh. „Zudem fehlt es weiterhin an einer nachhaltigen Strategie für den Tatraum Internet.“ Gerade hier radikalisierten sich aber junge Menschen, auch politisch.

Kriminalitätsstatistik gibt nur einen Teil der Verbrechen wieder

Das zeigt sich in der Statistik der politischen Taten. Hier wurden 8645 Fälle registriert (2024: 8361), oft Volksverhetzung, Propagandadelikte oder das Verwenden verfassungswidriger Kennzeichen. Das ist die dritte Steigerung in Folge. Bei antisemitischen Straftaten gab es ebenfalls einen erneuten Anstieg, registriert wurden 2268 Fälle (2024: 1825). Der Anstieg im Bereich Rechtsextremismus von 2803 auf 3021 Fälle sei insbesondere auf „aktionsorientierte Jugendgruppen“ in der Szene wie die Deutsche Jugend Voran (DJV) zurückzuführen, hieß es. Diese plant an diesem Sonnabend einen großen Protestmarsch durch Berlin-Mitte.

Die offiziellen Kriminalstatistiken geben nur einen Teil der tatsächlichen Verbrechen wieder. Viele Diebstähle, Rauschgiftdelikte und Delikte im familiären Kontext werden nie bei der Polizei angezeigt.