Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hat am Dienstag noch einmal betont, dass sie das Bekennerschreiben der linksradikalen „Vulkangruppe“ für authentisch hält. Dass diese Gruppierung hinter dem verheerenden Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz vom Wochenende steckt, hätten auch LKA, BKA und Verfassungsschutz bestätigt.

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Bereits kurz nach dem Anschlag waren Stimmen laut geworden, die eine Sabotageaktion Russlands vermuteten. Möglicherweise gar unter falscher Flagge („False Flag“). Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) kritisierte in diesem Sinne den angeblichen Versuch der Linkspartei, die Täter außerhalb des linken Spektrums verorten zu wollen. Polizei-Vizepräsident Marco Langner sprach im Zusammenhang mit einer möglichen Spur nach Russland von „Fake News“, wie sie in solchen Fällen häufig verbreitet würden.
Russische Trolle nutzen den Brandanschlag für ihre Ziele
Veronika Solopova forscht an der Technischen Universität Berlin zu russischen Desinformationskampagnen und Kreml-Propaganda. Auch wenn sie, wie die Behörden, keine direkte Verbindung vom Brandanschlag nach Moskau zieht, weiß sie, dass Putins Trolle dennoch von der Situation profitieren. „Eine der großen Stärken russischer Desinformation ist es, nach einem Ereignis verschiedene Wahrheiten und sogenannte alternative Fakten zu streuen“, warnt Solopova.
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So würden russische Sympathisanten den Brandanschlag im Netz sowohl nutzen, um den „dekadenten“ Westen, seine Verwundbarkeit und sein Krisenmanagement ins Lächerliche zu ziehen, als auch, um die Idee zu popularisieren, dass nur ein freundschaftliches Verhältnis zu Russland derartige Anschläge in Zukunft verhindern könne.
Russland steckt nicht hinter jedem Vorfall
„Russland hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass es zu weitreichenden Sabotageaktionen fähig ist“, sagt Solopova. Auch sogenannte „False Flag“-Operationen gehören seit der Sowjetunion zu Moskaus Repertoire. Zuletzt mehrten sich etwa Hinweise, dass russische Agenten Attacken auf Fahrzeuge verübten, um radikale Umweltaktivisten und Grüne zu belasten.
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Gleichzeitig warnt Solopova davor, das Argument zu überstrapazieren. „Wenn wir jetzt damit anfangen, Russland ohne jeden Beweis hinter jedem Problem zu vermuten, hilft das am Ende vor allem den Menschen, die die tatsächliche Gefahr, die von Russland ausgeht, gezielt kleinreden“, so Solopova.
Angriffe auf Infrastruktur nutzen ausländischen Mächten
Auch der Kommunikationswissenschaftler Christian von Sikorski von der Freien Universität Berlin sieht die vielen Online-Spekulationen kritisch. „Russische Akteure sind dafür bekannt, in dem entstehenden Informationsvakuum nach einer Gefahrenlage Desinformation zu streuen, um die Gesellschaft zu verunsichern, sie zu spalten und ihr Vertrauen in den Staat zu untergraben “, sagt er. „Wir sollten die Behörden ihre Arbeit machen lassen, auch wenn es Zeit in Anspruch nimmt.“
Grünen-Politikerin Gollaleh Ahmadi warnt vor den längerfristigen Zielen Russlands. „Ob es direkte oder indirekte Verbindungen zu Russland oder anderen staatlichen Akteuren gibt, muss vollständig aufgeklärt werden“, sagte sie dieser Redaktion. „Dafür sind die Sicherheitsbehörden zuständig.“ Unabhängig vom ideologischen Hintergrund gelte jedoch: Wer Menschen bei Kälte und Dunkelheit ohne Strom und Wärme zurücklasse, greife die Sicherheit der Bevölkerung an.
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„Solche Taten schwächen das Vertrauen in den Staat – und sie nutzen am Ende den Feinden unserer Demokratie“, so Ahmadi. „Autoritäre Regime wie Russland beobachten sehr genau, wie widerstandsfähig unsere Gesellschaft ist und wie lange Berlin braucht, um Zehntausende Haushalte wieder zu versorgen.“ Berlin sei auf die zunehmenden hybriden Bedrohungen nicht ausreichend vorbereitet. „Es braucht endlich eine offensive, ressortübergreifende Strategie zum Schutz kritischer Infrastruktur – gegen Extremismus von innen wie gegen gezielte Angriffe von außen.“














