Mehr als ein Jahr vor der Berlin-Wahl hatten die Grünen für Klarheit gesorgt sich als erste Partei auf einen Spitzenkandidaten festgelegt. Werner Graf, der amtierende Fraktionsvorsitzende, soll es bei der Berlin-Wahl 2026 richten. Die Verabredung sieht so aus: Graf geht im Duo mit Bettina Jarasch in den Wahlkampf. Wenn das Ergebnis es hergibt, soll er als neuer Regierender Bürgermeister ins Rote Rathaus einziehen.
Wer ist der Mann, auf den die Grünen ihre Hoffnung setzen? Und warum gab es in der Partei auch Kritik an seiner Aufstellung?

Werner Graf ist 45 Jahre alt, geboren in der Oberpfalz. 2002 zog er zum ersten Mal nach Berlin. Nach Zwischenstationen in Bremen, Tel Aviv und Istanbul, wohnt er seit 2010 dauerhaft in der Hauptstadt. Nach eigener Aussage, weil er hier als schwuler Mann selbstbestimmt leben konnte. Und weil das Leben hier erschwinglich war.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Graf benutzt dabei bewusst die Vergangenheitsform: Die Mieten seien schon lange nicht mehr zu stemmen und zuletzt hätten die Übergriffe auf queere Menschen zugenommen. „Berlin steht an einem Scheidepunkt“, sagte er im Gespräch mit der Berliner Morgenpost im Juli 2025. „Ich will dafür sorgen, dass es wieder besser wird.“
Werner Graf: Infos über den Spitzenkandidaten der Berliner Grünen im Überblick
| Name | Werner Sebastian Graf |
|---|---|
| Funktion | Spitzenkandidat der Berliner Grünen, Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus |
| Geburtstag | 1980 |
| Geburtsort | Neumarkt in der Oberpfalz |
| Ausbildung | Bachelor Politikmanagement (Hochschule Bremen) |
News zur Berlin-Wahl 2026
Werner Graf: Per Du mit Kai Wegner und Vertretern von Fridays for Future
Innerhalb der Grünen vertritt Graf den linken Parteiflügel, will aber nicht darauf beschränkt werden. Sowohl mit Vertretern von Fridays for Future als auch mit Kai Wegner (CDU) sei er per Du. „Ich bin so aufgewachsen, dass man auch politische Meinung des Gegenübers respektiert, auch wenn man anders denkt“, sagt er. Moderierend, ausgleichend, immer auf Augenhöhe – so wird sein Führungsstil von Partei-Leuten beschrieben.
Neben einem Fokus auf Weltoffenheit will Graf im Wahlkampf die Verkehrs-, Klima- und Mietenpolitik nach vorne stellen. „Wir dürfen das Soziale nicht vergessen“, lautet dabei sein Credo. Er selbst – Arbeiterkind und Erster in seiner Familie, der studiert hat – könne das authentisch vertreten.
Sein Anspruch ist, Politik gemeinsam mit den Menschen zu machen. „Berlin ist eine Stadt von unten, in der die Dinge nicht immer wegen, sondern oft auch trotz der Politik funktionieren.“ Anders als die schwarz-rote Regierungskoalition, der Graf vorwirft, gegen die Menschen Politik zu machen, will er im engen Dialog mit der Stadtgesellschaft regieren.
Hintergründe zur Berlin-Wahl 2026
Berlin-Wahl 2026: Die Spitzenkandidaten in Bildern
- Überblick: Die Spitzenkandidaten bei der Berlin-Wahl im Schnell-Check
- Konservative: Das ist CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers
- Sozialdemokraten: Das ist SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach
- Linke: Das ist Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp
- Grüne: Das ist Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf
- Rechtspopulisten: Das ist AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker
Werner Graf über Fehler der Vergangenheit – „So kann man nicht Politik machen“
Bestimmte Fehler der Vergangenheit dürften sich dabei nicht wiederholen. Die Zuspitzung der Mobilitätswende auf die Friedrichstraße im Wahlkampf zur Berlin-Wahl 2023 sei falsch gewesen. Er würde auch nicht noch einmal sagen, dass Berlin die Hälfte der Parkplätze abschaffen soll, wie er es in der Vergangenheit einmal gefordert hatte. „So kann man nicht Politik machen“, sagte er. „Die Verkehrswende gelingt nur im Miteinander.“

Im Duo mit Jarasch soll Graf als offenes Ohr für die vielen Bewegungen und Initiativen vor Ort fungieren. Und – auch wenn er persönlich gut mit ihm kann – als Gegenentwurf zu Kai Wegner, dem die Grünen vorwerfen, mit seiner Kürzungspolitik die soziale Infrastruktur Berlins zu zerstören. Realo-Vertreterin Jarasch hingegen soll die Perspektive der Unternehmen und Verbände einbringen. Gemeinsam soll so ein möglichst breites Angebot entstehen.
Parteiinterne Kritik an Kandidatensuche: „Verwunderung über Entscheidung im Inner Circle“
Nicht alle Grünen waren im Sommer 2025 glücklich darüber, wie sich die Partei auf ihre Spitzenkandidaten festgelegt hat. Vor allem im realpolitischen Lager rumorte es. „Es gibt in der Partei ein wenig Verwunderung darüber, dass es kein breites Auswahlverfahren gab, sondern der Inner Circle entschieden hat“, sagte Andreas Otto der Berliner Morgenpost im Juli 2025. Statt der Vorfestlegung im Parteivorstand hätte sich Otto – selbst ein Realo – ein Verfahren gewünscht, „bei dem sich Kandidaten in allen zwölf Bezirken vorstellen und dann die Mitglieder entscheiden.“
Neben den verfahrenstechnischen Fragen treibt ihn aber auch die inhaltliche Aufstellung seiner Partei um. „Werner Graf verkörpert Kreuzberg“, sagt Otto. „Wenn sein Angebot für die ganze Stadt kompatibel sein soll, muss das Wahlprogramm stark realpolitisch sein. Alles andere würde Wähler abschrecken.“

Silke Gebel, die ebenfalls dem realpolitischen Lager zuzurechnen ist und als mögliche Spitzenkandidatin gehandelt wurde, äußerte sich im Juli 2025 hingegen versöhnlich. Die Partei habe intensiv über die Aufstellung für die Wahl gesprochen. „Mir ist wichtig, dass wir ein Team haben, das die Partei breit mobilisieren kann. Und das können Bettina Jarasch und Werner Graf“, sagt sie.


















